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BLUES: Robert Finley und der richtige Moment

Fünfzig Jahre lang sang Robert Finley meistens nur aus Vergnügen den Blues. Dann veränderten eine Augenkrankheit und ein Plattenvertrag sein Leben.
Hanspeter Künzle
Robert Finley. (Bild: PD)

Robert Finley. (Bild: PD)

Robert Finley viel beachtetes ­Début-Album hiess «Age Don’t Mean a Thing». Dies aus gutem Grund. Finley war zu diesem Zeitpunkt 63 Jahre alt. Jetzt folgt schon der zweite Wurf. Er trägt den amüsanten Titel «Goin’ Platinum» und wurde von Dan Auerbach von den Black Keys produziert.

Einmal röhrt Finley wie ein junger Tom Jones, ein ander Mal leidet er seelenvoll wie Ray Charles. Wie nur hat eine solche Stimme so lang unentdeckt bleiben können? «Eine Frage des Momentes halt», entgegnet Finley mit der Gelassenheit eines Menschen, der zufrieden ist mit seinem Los. «Ich habe viele Talentwettbewerbe gewonnen, aber es war nie die Person da, die mir hätte weiterhelfen können.» Dabei ist seine Geschichte nur kurz eine Hard-Luck-Story. Mit zehn Jahren hatte der Knirps bei einem Kumpel die Gitarre entdeckt, und kurz später auch den Blues. So wünschte er sich auf Weihnachten nichts sehnlicher als eine eigene ­Gitarre. Er bekam sie nicht. Da liess er sich von der Versuchung übermannen und kaufte sie selber – mit den zwanzig Dollar, die ihm die Mutter für neue ­Schuhe mitgegeben hatte. Das kam nicht gut an. Die Gitarre durfte er zwar behalten, aber die 20 Dollar musste er sich neu erarbeiten. Viele Jahre später ­erfuhr er, dass der Vater ihm die ­Gitarre gern geschenkt hätte. Dann aber hatte er zufällig gehört, wie der Sohn den Blues sang. Das war tabu in einem religiösen Haus, wo es nur Gospel gab.

Schreiner und Familienvater

Noch als Teenager trat Finley der Armee bei und landete als Gitarrist in der Kapelle. Viel gelernt habe er, sagt er, es habe eine Disziplin geherrscht wie bei James Brown. Zurück in Louisiana, betätigte er sich als Schreiner, zog eine Familie auf: «Ich konnte arbeiten, wann ich wollte, hatte genug zum Leben.» Blues und Gospel habe er nur noch nebenher gespielt: «Ich konnte ja nicht einfach ein Haus halb fertig stehen lassen und auf Tour gehen!» Die Situation änderte sich erst, als ihm mit dem Auto auf dem Parkplatz unerklärliche Karambolagen passierten: «Ich erkannte, dass ­meine Augen fürs Auto nicht mehr gut genug waren und gab den Führerschein ab.» Bald darauf gab er auch das Schreinern auf und widmete sich vermehrt der Musik.

Eines Tages nahm ihn ein Freund ans King-Biscuit-Festival in Arkansas mit. Hier wurde Finley von der Inspiration gepackt. Er redete auf die Organisatoren ein, bis sie ihn ein paar Songs singen liessen. Von dort gelangte sein Ruf im Nu zum feinen Roots-Label Fat Possum, wo alsbald auch sein erstes Album erschien. Dieses enthielt lauter Eigenkompositionen. Auf «Goin’ Platinum» nun interpretiert Finley Songs unter anderen von Dan Auerbach, Nick Lowe und John Prine. «Dan hatte die Musik bereits eingespielt», erklärt er, «er brauchte nur noch eine Stimme. Und jetzt war ich der richtige Mann am richtigen Ort.»

Hanspeter Künzle

Robert Finley: Goin’ Platinum, Easy Eye Sound/Nonesuch

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