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BOSWIL: Ein sommerlicher Gang durch die Klassik

Diverse Kurzkonzerte auf Schritt und Tritt das gab es für Festivalbesucher wortwörtlich zu erleben.
Musizierten in der Wallfahrtskirche St. Ultrich in Oberschongau: (von links) Naoki Kitaya, Richard Helm und Marina Bärtsch.

Musizierten in der Wallfahrtskirche St. Ultrich in Oberschongau: (von links) Naoki Kitaya, Richard Helm und Marina Bärtsch.

An einem der heissesten Tage des Jahres zieht sich die Konzertgesellschaft in den kühlen Wald zurück, spaziert über den Lindenberg und lässt sich von besonderen musikalischen Häppchen grossartiger Komponisten und Interpreten an schön gelegenen Orten verzaubern. Der Anlass hiess «Walk and Wonder» und fand am Wochenende im Rahmen des Klassik-Festivals Boswiler Sommer statt. Geführt wird die Gruppe vom Regionalhistoriker Benedikt Stalder von Erlebnis Freiamt, der allerlei Interessantes über die verschiedenen Orte zu berichten weiss und manch blutrünstige Sage zum Besten gibt. Auch fürs leibliche Wohl ist stets gesorgt.

Sanfte Celloklänge

Zwei Solisten, eine Orgel und ein Oratorium, das eigentlich für ein Orchester komponiert wurde, berauschend schön. Zwei Lieder aus Haydns «Schöpfung», gesungen von der Sopranistin Marina Bärtsch, dem Bassisten Richard Helm und begleitet von Naoki Kitaya aus Japan, fast schon ein Stammgast am Boswiler Sommer. Dann zur Abrundung ein Stück aus der Oper «Cavalleria rusticana» von Pietro Mascagni für Orgel solo, ergänzt durch sanfte Celloklänge. Andreas Fleck gibt sich die Ehre, bevor er zur Probe fürs Abendkonzert eilt. Kurze Sequenzen aus ganz grossen Werken arrangiert für die kleine Bühne, oder, wie in diesem Fall, für die schmucke barocke Wallfahrtskirche Sankt Ulrich in Oberschongau.

Schauerliches und Heiteres

Während man sich vom ersten strengen Aufstieg im Schatten des Waldes erholt, erzählt Benedikt Stalder Gruseliges vom roten Wyssebacher, einem gar unfeinen Zeitgenossen, welcher der Sage nach anno dazumal elf Jungfrauen in ebendiesem Wald erhängt haben soll, um in deren Blut zu baden. An der zwölften soll er jedoch gescheitert und stattdessen selber aufgeknüpft worden sein. So was schreckt die wackeren Wanderer nicht, auch nicht der Stiefelreiter, der noch immer im Lindenberggebiet herumspuken soll. Einen währschaften Zmittag im Bauch, wird man denn auch tüchtig gelobt von den sieben Musikern des Bläserensembles Federspiel aus Niederösterreich, die im Hangar des Flugplatzes Buttwil der Gesellschaft das zweite Ständchen bringen: «Ihr habts meine Bewunderung, in dieser Affenhitze zu wandern.» Entschädigt für die Strapazen wird man mit eindrücklichem Jodelgesang, heiter jazziger Volksmusik und eigenhändig arrangierten Kompositionen namhafter Grössen, die «leider für eine Formation wie unsere nichts geschrieben haben». Dabei schreckt man nicht davor zurück, die Blas- als Perkussionsinstrumente einzusetzen und mit Stimme und Händen zu ergänzen, was an Klang und Rhythmus gerade noch fehlt. Brillante Musiker, eigenwillige, originelle Ideen und viel spitzbübischer Charme.

Musik in historischem Sägewerk

Weiter gehts Richtung historischer Wyssebacher Sagi, an deren Pforte der Betreiber Martin Köchli die Gesellschaft mit eigenen urchigen Mundartgedichten willkommen heisst und einen stattlichen Douglasienstamm von der mit reiner Wasserkraft betriebenen, denkmalgeschützten Anlage zersägen lässt. Ein eindrückliches Schauspiel, begleitet von den Ausführungen des Freiämter Bauern, der das Sägewerk noch immer aktiv betreibt. Im Schutz eines Unterstandes warten die beiden Musiker Peter Schlier und Tachko Tachev mit der in mancherlei Hinsicht interessantesten Darbietung des Tages auf. Dies deshalb, weil sie ein wunderbares Instrument aus seinem Schattendasein befreien und zum schillernd virtuosen Soloinstrument hervorheben. Kontrabassduette, die ihresgleichen suchen, unter anderem von Rossini und Gounod, ein seltenes Highlight in wunderbar stimmiger Umgebung und der treffliche Schlusspunkt eines grandiosen Tages.

cornelia bisch

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