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BOSWILER SOMMER: Zum Auftakt gab es einen Haydn-Spass

Wer vom Schlaraffenland der Musik naschen möchte, der reist zum Boswiler Sommer. Dieser ist unter anderem mit einer kühnen Kombination eröffnet worden.
Der chinesische Geiger Xiaoming Wang und die Chamber Artists sorgen am Boswiler Sommer für einen ersten Höhepunkt. (Bild: PD (1. Juli 2017))

Der chinesische Geiger Xiaoming Wang und die Chamber Artists sorgen am Boswiler Sommer für einen ersten Höhepunkt. (Bild: PD (1. Juli 2017))

Nur ein Gerücht? Doch es soll Besucher geben, die den Boswiler Sommer als Musikfest verloren glauben, weil sie das diesjährige Motto «Delikatessen» auf eine kulinarische Fährte lockt. Kulinarik anstatt Musik? Das kann nicht sein – und ist es in Boswil im Freiamt auch nicht. Festivalleiter Andreas Fleck hat sich einen feinen Spass erlaubt, indem er sich ans Schlaraffenland erinnert und sich gedacht hat: Die Musik ist ebenfalls eines. Also suchen wir uns so viele Köstlichkeiten aus wie nur möglich und lassen diese neben- und miteinander leben ohne jeden programmatischen Zwang.

Das Eröffnungskonzert am Samstag steht beispielhaft für die musikalischen Delikatessen, zu denen die Musiker im Programmheft noch mehr, diesmal aber kulinarische beisteuern, indem sie verraten, was sie am liebsten essen. Zurück zum ersten Konzert mit seinen Eckpfeilern Wolfgang Amadé Mozart (Klarinettenkonzert) und Joseph Haydn (Sinfonie Nr. 83 «La poule»). Dass zwischen den beiden Werken das 1959 von He Zhanhao & Chen Gang komponierte Violinkonzert «Butterfly Lovers» platziert ist, mutet auf den ersten Blick tollkühn an. Aber die Programmkonstellation funktioniert – paradoxerweise gerade, weil Mozarts Klarinettenkonzert der Schweizer Erstaufführung der Komposition aus China vorangeht.

Der Weg in die Ewigkeit

Kommt man je an ein Ende, dieses zu preisen? Nein. Zumal dann nicht, wenn die Chamber Artists (Chaarts) und Festival Artist Sebastian Manz zusammenfinden. Die Übereinstimmung der Auffassung und der Ausführung schafft eine Darstellung wie aus einem Guss. Die Selbstverständlichkeit, mit der Manz und die Chaarts dem Publikum das reine Mozart-Glück schenken, verblüfft. Entscheidend ist die Lockerheit in den Ecksätzen, die gepaart ist mit hoch konzentrierter Sensibilität im zweiten Satz, von dem ein Hörer schwärmt: «Die grossen Bögen des Adagios führen direkt in die Ewigkeit.»

Wie sehr dieses Adagio unter die Haut geht, ist in Boswil zu erleben – mit einem Solisten, der ein Pianissimo spielen kann, wie man es in dieser fast bestürzenden Intensität kaum je zu hören kriegt: bis zum Verlöschen. Ergreifend. Da wird es das «Butterfly Lovers»-Konzert – in China ein Klassiker – schwer haben, denkt man. Falsch. Minuten später ist man überrascht, wie selbstverständlich man eintaucht in eine völlig anders geartete, ebenso schwelgerische wie poetische Klangwelt.

Woran erinnert diese Musik gewordene Geschichte zweier Liebender, deren Geister am Ende als Schmetterlinge vereint sind? Immer wieder an Filmmusik. «Honig süss» lautet das Motto für den Boswiler Auftakt – genau so spielt der chinesische Geiger Xiaoming Wang seinen Solopart. Er lässt ihm (nie kitschige) Süsse und Zartheit sowie eine Emotionalität und Dramatik angedeihen, die die «Butterfly Lovers» zu einer ebenso packenden wie berührenden Geschichte adeln.

Die Ironie von Haydn

Dass nach den Schmetterlingen auch das Huhn Platz beanspruchen darf, mutet nur folgerichtig an. Bei Haydns Sinfonie Nr. 83 g-Moll «La poule» wird man zunächst einmal von der stürmischen Brise der Musik mitgerissen; sodann von den geschärften Akzenten (der Geiger und Leiter Stephan Mai gibt hier Impulse) und dem Humor: Man glaubt tatsächlich, das Gackern der Henne zu hören. Die Chamber Artists arbeiten Haydns Ironie nicht nur in den burlesken Hennen-Partien, sondern auch in den furiosen Passagen wunderbar aus – und so stellt man am Ende augenzwinkernd fest: Das war wortwörtlich ein Haydn-Spass.

Elisabeth Feller

kultur@luzernerzeitung.ch

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