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Brahms, plastisch und strukturiert

Der Schweizer Pianist Benjamin Engeli legt eine neue Solo-CD mit Schlüsselwerken von Johannes Brahms vor. Sein Interpretationen setzen mehr auf Klarheit als auf allzu viel Romantik.
Martin Preisser
Pianist Benjamin Engeli. (Bild: Marco Borggreve)

Pianist Benjamin Engeli. (Bild: Marco Borggreve)

Gefühlt werden Brahms’ Soloklavierwerke in Konzerten weniger häufiger programmiert als beispielsweise Chopin oder Schumann. Und viele Pianisten spielen eher mal virtuosere Romantik ein als sich an Brahms zu wagen.

Nach dem Russen Arcadi Volodos, der 2017 eine feine, klanglich fast versponnene Brahms-Sicht vorgelegt hat, gibt jetzt der Schweizer Pianist Benjamin Engeli einen Überblick über Brahms' Welt, von den Balladen op. 10 über die Rhapsodien op. 79 bis zu den «Wiegenliedern meiner Schmerzen», wie Brahms seine drei Intermezzi op. 117 tituliert hat. Die Interpretationen von Engeli bewegen sich nicht im klanglich Grüblerischen, auch nicht in der Welt von allzu viel romantisch Ausuferndem samt ständiger Temposchwankungen. Vielmehr setzt er auf Klarheit, Plastizität und Übersicht.

Das bekommt den Werken durchaus, auch weil es das klassische Denken von Brahms selbst unterstreicht. In den Balladen op. 10 führt Engelis Spiel bei der ersten zu warm-gedeckter Farbigkeit, bei der dritten zu klar strukturierter Poetik und in der vielleicht schönsten, vierten, zu einem ruhigen Fliessen ohne die aufgesetzte Sentimentalität, wie man sie in manch anderen Interpretationen hört. Zum besten Ergebnis führt Benjamin Engelis klarer und eben klassischer Zugriff bei den beiden Rhapsodien op. 79. Da klingt alles kraftvoll, sehr vorwärtsdrängend und stilsicher ohne eine unbedachte, sich selbst zelebrierende Virtuosität.

Am barocken Original orientiert

Brahms hat, dennoch stets verinnerlicht, auch virtuose Werke geschrieben, etwa die Paganini-Variationen. Oder die Transkription von Bachs Chaconne aus der Partita d-Moll für Violine solo. Gesetzt ist diese Bearbeitung für die linke Hand allein. Benjamin Engeli setzt auch hier nicht einfach auf reines Virtuosentum, obwohl er das sehr schwere Stück virtuos beherrscht. Er lässt sich, wie Brahms selbst, vom barocken Originalklang der Violine inspirieren. Er spielt das Stück mit erstaunlich wenig rechtem Pedal. Die nachahmende Phrasierung der Violine steht im Vordergrund.

So versteht man diese Transkription nicht als Zirkusnummer, sondern als echte Beschäftigung mit dem Vorbild, um die es Brahms ging. Übrigens später auch Ferruccio Busoni mit seiner Bach-Chaconne für zehn Finger. Auch bei den intimsten Intermezzi op. 117 verliert sich Engeli nicht in verträumter Melancholie, sondern setzt wiederum auf Klarheit und genau dosierten Klang.

Hinweis

Benjamin Engeli spielt Brahms; Ars 38 250

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