Grand Palais Classics Brunnen: Brillantes Klavierspiel mit Weitblick

Das neue Klassik-Festival Brunnen punktet mit internationalen Künstlern in einem wie dafür geschaffenen Raum. Der Saal im Grand Palais bietet sowohl intime Nähe als auch hervorragende Akustik. Zum Auftakt spielte der Pianist Jean-Baptiste Mueller.

Gerda Neunhoeffer
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Feinfühliger Gestalter: Der Pianist Jean-Baptiste Mueller. (Bild: pd)

Feinfühliger Gestalter: Der Pianist Jean-Baptiste Mueller. (Bild: pd)

Ein Belle-Epoque-Saal mit Flair, eine Aussicht zum Träumen, dazu erlesene Musik, die See- und Bergkulisse aufzunehmen scheint, das bietet das neue Kammermusikfest am Vierwaldstättersee: Grand Palais Classics Brunnen. Man geht zu dem imposanten Gebäude, ehemals Hotel mit sogar königlichen Besuchern, hoch und wird mit atemberaubendem Blick belohnt. Der reicht über den Urnersee mit den steilen Bergwänden und den sich öffnenden See bis hin zum Pilatus und dem Sonnenuntergang.

Durch die vielen hohen Fenster im Saal sieht man die sich langsam ändernde Abendstimmung – das Wetter ist dem Klassikfest gewogen – und lauscht dabei dem brillanten Klavierspiel von Jean-Baptiste Mueller. Der Schweizer ist nicht nur der Interpret des Eröffnungskonzerts am Donnerstag, er ist auch Initiator und künstlerischer Leiter des viertägigen Klassik-Festes. Das Eröffnungskonzert im Grand Palais ist fast ausverkauft, und mit internationalen Künstlern geht es hochkarätig weiter (siehe Hinweis).

Schlüssig und präzise strukturiert

Jean-Baptiste Mueller spielt auf einem Bösendorfer Flügel, und er lotet den gesanglichen Klang und die vielgestaltige Tiefe des Instrumentes voll aus. Mit glasklarem Anschlag gestaltet er die Partita Nr. 1 BWV 825 von Johann Sebastian Bach, mühelos perlen die Töne in den schnellen Sätzen, und die Temporelationen sind schlüssig und präzise strukturiert. In den Wiederholungen lässt er die Töne weicher, zarter klingen, das ist wie ein Nachspüren ganz aus dem Inneren heraus.

Ebenso vielgestaltig erklingen die Preludes aus op. 23 und 32 von Sergei Rachmaninow. Da breitet Mueller ein vielschichtiges Farbenspektrum aus, und wie die Sonne noch auf den Berggipfeln den Schnee leuchten lässt, so glänzen einzelne Passagen, und das rhythmisch prägnante Prelude op. 23 Nr. 5 reisst die Zuhörer förmlich mit.

Pastellfarbenes Klanggemälde

Die spiegelnden Lichtspiele auf dem See fliessen quasi in die Musik mit ein, das wird zu einem Erlebnis, das sich in Debussys Images 1 fortsetzt. Da klingt es wie sprühende Wassertropfen, wie Wasserfälle stürzen die Töne über die ganze Tastatur, und in «Mouvement» entsteht ein pastellfarbenes Klanggemälde. Das verbindet die Farben draussen, die sich stets verändern, mit den Klängen im Saal.

Chopins Ballade Nr. 4 scheint in Jean-Baptiste Muellers Interpretation alles Vorangegangene zu vereinen: Es sind klare Strukturen wie bei Bach, die Vollgriffigkeit Rachmaninows und Debussys Klangfarben werden zu einem lieblichen Walzer. Danach gibt es lang anhaltenden Applaus mit Standing Ovations, und Mueller bedankt sich mit Eigenkompositionen. Zuerst spielt er die Fuge in D, die er in barockem Stil komponiert hat, und dann «Valse de la confrérie du Sabre D’or» mit einem besonderen Nachspiel: Mueller köpft zum grossen Erstaunen der vielen Zuhörer gekonnt eine Champagnerflasche mit dem Säbel! Ein gelungener Übergang zum Apéro, bei dem man nochmals die Aussicht geniessen und sich mit dem Künstler und Gästen unterhalten kann.

25. Mai, 19.30, Trio Ashkenazy-Lang-Pawlica; am Sonntag, 26. Mai, 14 Uhr: Ekaterina Bonyushkina.

www.grandpalais-classics.com