BROADWAY USA: Tony-Awards – mit Hip-Hop Geschichte vermitteln

Das Musical «Hamilton» erzählt die Gründung der USA mit Gesang, Hip-Hop und Jazz. Es ist der grosse Sieger bei der Verleihung der Tony-Awards.

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Lin-Manuel Miranda ist Komponist, Librettist und Hauptdarsteller von «Hamilton» in Personalunion. (Bild: Keystone)

Lin-Manuel Miranda ist Komponist, Librettist und Hauptdarsteller von «Hamilton» in Personalunion. (Bild: Keystone)

sda. In diesem Jahr richten sich an den Tony-Awards – der Verleihung der Theater- und Musicalpreise im Beacon Theatre am Broadway in der Nacht auf Montag – alle Augen auf ein einziges Stück, dessen Idee furchtbar klingt, das aber einen seit Jahrzehnten nicht gesehenen Rummel auslöst: «Hamilton». Mit einer Mischung aus Hip-Hop, Musical und Pop wird darin die Geschichte von Alexander Hamilton erzählt, dem ersten Finanzminister der USA.

Es hat bereits den Pulitzer-Preis als bestes Drama gewonnen, das zugehörige grammyprämierte Album hat Platinstatus, ein 40 Dollar teures Begleitbuch wurde laut «New York Times» mehr als 100 000-mal verkauft.

Auf Monate ausverkauft

Prominente von Barack Obama über Hillary Clinton bis hin zu Beyoncé Knowles und Paul McCartney brüsten sich damit, im Publikum gesessen zu haben. Tickets sind auf Monate hinweg ausverkauft, in den Schwarzmarktbörsen im Internet gibt es kaum Plätze unter 1000 Dollar. In der Warteschlange vor dem Theater campen Fans in der Hoffnung auf zurückgegebene Karten.

Die Stars des Stücks sind seit Monaten Dauergäste im US-Fernsehen, allen voran Lin-Manuel Miranda, Ideengeber, Komponist, Librettist und Hauptdarsteller in einem. Kritiker feiern ihn und seine Arbeit nicht nur dafür, dass seine vielseitige Musik und Inszenierung das Stück sowohl für Rap- als auch für Musicalfans zugänglich machen.

Sie loben auch, wie die Geschichte über den getriebenen und ehrgeizigen Politiker jedem Zuschauer die Frage stellt, was er oder sie selbst hinterlässt. Und dem Trump-geplagten Teil der USA bietet «Hamilton» noch mehr: eine Vision davon, wie ein offenes Amerika aussehen könnte, an dessen Geschichte nicht nur die Weissen beteiligt sind. Bejubelt wird Mirandas Entscheidung, nahezu alle Rollen mit Migranten zu besetzen.

Überschattet vom Massaker

Prämiert wurde «Hamilton» an den Tony-Awards dann elfmal. Unter anderem als bestes Musical, für das Libretto, die Musik, den Hauptdarsteller (Leslie Odom Jr.) und die Nebendarsteller Daveed Diggs und Renée Elise Goldsberry. Die 70. Verleihung der wichtigsten amerikanischen Theater- und Musicalpreise wurde aber von dem Massaker in einem Schwulenclub in Orlando überschattet.