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BRUDER KLAUS: Er folgte dem Ruf der Seele

Während Jahren hat Niklaus von Flüe – innerlich zerrissen – um seine Berufung gerungen. Der Entscheid, alles aufzugeben, ist das Thema des neuen Musiktheaters in Kappel.
Monika Wegmann
Markus Amrein in der Rolle des Bruder Klaus.

Markus Amrein in der Rolle des Bruder Klaus.

Monika Wegmann

redaktion@zugerzeitung.ch

In Kappel, wo sich vor knapp 500 Jahren Reformierte und Katholiken erbittert bekriegten, ist längst Frieden eingekehrt. Ein Zeichen dafür ist der Entscheid des Klosters Kappel – das Bildungshaus der Reformierten Landeskirche –, 2017 sein Kurs- und Veranstaltungsprogramm dem Gedenkjahr «600 Jahre Niklaus von Flüe» zu widmen. Höhepunkt ist das vom Kloster in Auftrag gegebene Musiktheater «Der Ranft-Ruf». Am Bettagssamstag erlebte das vom Kirchenmusiker und Pfarrer Simon Jenny aus Gümligen erarbeitete Werk in der fast voll besetzten Klosterkirche eine erfolgreiche Uraufführung.

Die Wahl des Jahresthemas hatte gewisse Kritik ausgelöst, gibt Markus Sahli, Theologischer Leiter des Klosters Kappel, zu. Er betont jedoch: «Bruder Klaus ist nicht nur eine katholische Person, sondern gehört auch den Reformierten, da er von 1417 bis 1487 vor der Reformation gelebt hat.» Man verehre ihn zusammen mit den Reformatoren Heinrich Bullinger und Huldrych Zwingli. Auch sie hätten Niklaus von Flüe hoch geschätzt wegen seiner Konsequenz, sich den Leiden Christi zu widmen, seiner Spiritualität und seines Einsatzes gegen das Söldnerwesen, das viel Unglück verursacht habe.

Als Pfarrer weiss Markus Sahli, dass Bruder Klaus im katholischen Bereich tatsächlich eine grössere Bedeutung hat: «Doch fast vergessen geht bei den Reformierten das Gemeinsame. Er hat uns allen viel zu sagen. Auch wir brauchen heute wegweisende Visionen.» Bei ihm stehe Bruder Klaus für das Ringen zwischen Familie, Beruf und Berufung. «Das hat heute noch grosse Bedeutung, denn gesellschaftlich steht unser Land an einer Schwelle, wo sich jeder Einzelne solche Fragen stellen muss.»

Ergreifende Szenen

Wir wissen heute, dass es für Niklaus von Flüe damals sehr schwer gewesen sein muss, seine Ämter und die Familie aufzugeben, um sich im Ranft der Einsiedelei zu widmen. Dieser innere Prozess, der ihn fast zerreisst und auch von seiner Frau nur schwer nachvollzogen werden kann, ist das Thema des Musiktheaters «Der Ranft-Ruf» vom Berner Autor und Komponisten Simon Jenny.

Die Aufführung beginnt in der Klosterkirche Kappel mit Geläute. Drei Jugendliche betätigen die an langen Stricken hängenden Glocken im Turm. Ruhe breitet sich aus, bis ein Cello ertönt und zum Prolog überleitet, wo sich Bruder Klaus (Markus Amrein) in einem schlichten Gewand auf eine Holzbank legt, um zu sterben. Der vierköpfige Chor singt: «O Tod! Ich bin bereit.»

Die Handlung des Stückes läuft auf den zwei Ebenen von Gegenwart und Vergangenheit ab: Eine Journalistin (Sylvia Garatti) will mit Hilfe eines Historikers (Luc Müller) mehr über Niklaus von Flüe erfahren. Durch ihre heute nachvollziehbar skeptischen Fragen wird ihr der Mystiker allmählich nähergebracht. Eindrücklich sind die Szenen, wenn Niklaus von Flüe seiner Frau (Dorothée Reize) von den Visionen und den Bildern berichtet, die ihn fast zerreissen zwischen seinen Pflichten als Ehemann, Vater und Amtsträger.

Neben den besinnlichen Momenten blitzt auch feiner Humor durch, wenn die Journalistin Dorothea fragt, wo sie Niklaus von Flüe kennen gelernt habe und wie sie einen Mann mit Visionen aushalten konnte. Mit traurigem Lächeln antwortet Dorothea ergreifend schlicht: «Ein Teil seines Wesens war für mich nicht fassbar. Ich habe aber gespürt, es war etwas Wichtigeres da als ich.»

Originale Visionstexte integriert

Es sind eindrückliche, von meditativer Musik umrahmte Sze- nen, welche das hervorragende Schauspielerteam bietet. Wenige schlichte Requisiten und das dezente Lichtdesign lassen auch die Visionen erleben, denn Simon Jenny hat originale Visionstexte in Klangsprache und Musik umgesetzt. Und Christof Mohr (Cello) und das Vokalquartett mit Larissa Bretscher (Sopran), Anne Heffner (Alt), Tamás Henter (Tenor) und Yves Brühwiler (Bass) sorgen für geradezu sphärische Klänge im Kirchenraum.

Für Autor und Komponist Simon Jenny war von Anfang an klar, dass in diesem Stück nicht nur gesprochen werden sollte, sondern auch Musik und Gesang dazugehören. «Diese Kirche ist zum Singen gebaut, nicht nur zum Reden.» Und eine Vision könne man nicht nur mit Worten beschreiben. «Alles zwischen Himmel und Erde muss tönen, aber dem Raum angepasst», sagt Jenny. Bei Niklaus von Flüe findet er die Entwicklung spannend. «Das ist ebenso für Reformierte interessant. Es geht letztlich um die Frage: Wer bin ich?» Für dieses Stück hat Simon Jenny erstmals mit Profischauspielern gearbeitet, wie mit Markus Amrein, welcher Bruder Klaus spielt. «Er hat ihn bereits 2013 im Fernsehen dargestellt, und wir haben schon einige Projekte zusammen gemacht.» Die Arbeit mit dem Team habe bei ihm einen Prozess ausgelöst. «Ich wollte nicht nur ein gutes Stück machen, der Weg dahin war genauso wichtig für mich.»

Initiiert hat das Projekt Markus Sahli vom Kloster Kappel. Er rechnet mit einem Budget von rund 85000 Franken. «Davon übernimmt die Landeskirche rund 20000 Franken. Weitere Beiträge kommen vom Kulturfonds des Klosters, von der öffentlichen Hand, den Stiftungen und aus Ticketeinnahmen.» Das vom Verein Musiktheater Ranft-Ruf organisierte Werk geht bis Ende November weiter auf Tournee durch die Schweiz. Die letzten zwei Aufführungen finden in Emmenbrücke und Luzern statt.

Hinweis

«Der Ranft-Ruf: Niklaus von Flüe – unter einem Stern geboren» wird ein weiteres Mal in der Klosterkirche Kappel aufgeführt am 8. Oktober, 17 Uhr. Weitere Daten und Gastspielorte: www.ranft-ruf.ch

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