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Schauspieler Bruno Ganz ist tot

Der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz ist tot. Er starb im Alter von 77 Jahren in seinem Heim in Zürich, wie sein Management am Samstag mitteilte. Ganz erlag einem Krebsleiden.

(sda) Der Schauspieler spielte in zahlreichen Filmen und Theaterinszenierungen und erlangte im deutschsprachigen Raum unter anderem durch seine Rolle als Adolf Hitler in «Der Untergang» grosse Bekanntheit.

Ärzte hatten im Juli 2018 bei Bruno Ganz ein Karzinom im Darm entdeckt. In der Inszenierung der Mozart-Oper «Die Zauberflöte» bei den Salzburger Festspielen hätte Ganz die Rolle des Sprechers übernehmen sollen. Das war ihm nicht mehr möglich. Für ihn sprang Klaus Maria Brandauer ein.

In der Schule erreichte Bruno Ganz den Gipfel nicht - er verliess das Gymasium auf eigene Initiative kurz vor der Matura. Auf der Theaterbühne und im Film aber gelang ihm dies mit Leichtigkeit. Seit Jahrzehnten gehörte er zu den grossen Schauspielern im deutschsprachigen Raum.

1986 spielte Ganz bei den Salzburger Festspielen die Hauptrolle in Peter Handkes Aischylos-Bearbeitung «Der gefesselte Prometheus». Dazu schrieb der Kritiker Curt Bernd Sucher in seinem Buch «Theaterzauberer»: «Ganz kam ohne falsche Innerlichkeit aus, er verliess sich nicht auf seine erprobten Mittel, sondern wagte sich weit vor: in eine neue Dimension des Sprechens.»

Bruno Ganz als Adolf Hitler (vorne) und Heino Ferch als Hitlers Reichsarchitekt Albert Speer in einer Szene des Kinofilms «Der Untergang». (Bild: Keystone)Bruno Ganz als Adolf Hitler (vorne) und Heino Ferch als Hitlers Reichsarchitekt Albert Speer in einer Szene des Kinofilms «Der Untergang». (Bild: Keystone)
In der Rolle des Adolf Hitler. (Bild: Keystone)In der Rolle des Adolf Hitler. (Bild: Keystone)
Ganz erhielt ein Bambi Preis für seine Rolle als Adolf Hitler in dem Film «Der Untergang». (Bild: Keystone)Ganz erhielt ein Bambi Preis für seine Rolle als Adolf Hitler in dem Film «Der Untergang». (Bild: Keystone)
«In Zeiten des abnehmenden Lichts» wurde am 16. Februar 2017 am Berliner Filmfestival vorgestellt. (Bild: Keystone)«In Zeiten des abnehmenden Lichts» wurde am 16. Februar 2017 am Berliner Filmfestival vorgestellt. (Bild: Keystone)
Bruno Ganz gewann am Samstag, 6. März 1999, in Glattbrugg den Prix Walo in der Sparte Schauspieler. (Bild: Keystone)Bruno Ganz gewann am Samstag, 6. März 1999, in Glattbrugg den Prix Walo in der Sparte Schauspieler. (Bild: Keystone)
Der Schauspieler freut sich über den erhaltenen Kunstpreis der Stadt Zürich an der Preisverleihung im Zürcher Kaufleuten am Sonntag, 5. November 2006. Der Preis ist mit 50'000 Franken dotiert. (Bild: Keystone)Der Schauspieler freut sich über den erhaltenen Kunstpreis der Stadt Zürich an der Preisverleihung im Zürcher Kaufleuten am Sonntag, 5. November 2006. Der Preis ist mit 50'000 Franken dotiert. (Bild: Keystone)
Klaus Kinsky und Bruno Ganz am 14. Februar 1979 anlässlich der Pressevisionierung für den Film «Nosferatu». (Bild: Keystone)Klaus Kinsky und Bruno Ganz am 14. Februar 1979 anlässlich der Pressevisionierung für den Film «Nosferatu». (Bild: Keystone)
Klaus Kinski und Bruno Ganz in Zürich. (Bild: Keystone)Klaus Kinski und Bruno Ganz in Zürich. (Bild: Keystone)
Der Schweizer Schauspieler am 14. Februar 1979 in Zürich. (Bild: Keystone)Der Schweizer Schauspieler am 14. Februar 1979 in Zürich. (Bild: Keystone)
In Wien am 1. Dezember 2006. (Bild. Keystone)In Wien am 1. Dezember 2006. (Bild. Keystone)
Am 10. September am Filmfestival in Venedig. (Bild: Keystone)Am 10. September am Filmfestival in Venedig. (Bild: Keystone)
Der Hans-Reinhart-Ring wird am 13. Januar 1992 im Kunsthaus in Zürich an den Schauspieler Bruno Ganz verliehen. Ausgezeichnet wird er damit für sein gesamtes schauspielerisches Schaffen. (Bild. Keystone)Der Hans-Reinhart-Ring wird am 13. Januar 1992 im Kunsthaus in Zürich an den Schauspieler Bruno Ganz verliehen. Ausgezeichnet wird er damit für sein gesamtes schauspielerisches Schaffen. (Bild. Keystone)
Der Schauspieler erhält am 20. Januar 2017 in München bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises im Prinzregententheater seine Auszeichnung. Er wurde mit dem Ehrenpreis des Ministerpräsidenten ausgezeichnet. (Bild: Keystone)Der Schauspieler erhält am 20. Januar 2017 in München bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises im Prinzregententheater seine Auszeichnung. Er wurde mit dem Ehrenpreis des Ministerpräsidenten ausgezeichnet. (Bild: Keystone)
Ganz als Sigmund Freud während der Dreharbeiten zu «Der Trafikant» von Nikolaus Leytner am 20. Oktober 2017, in Wien. (Bild: Keystone)Ganz als Sigmund Freud während der Dreharbeiten zu «Der Trafikant» von Nikolaus Leytner am 20. Oktober 2017, in Wien. (Bild: Keystone)
Am 1. Februar 2014 wurde Ganz ein Lifetime Achievement Award in Berlin verliehen. Bild: Keystone)Am 1. Februar 2014 wurde Ganz ein Lifetime Achievement Award in Berlin verliehen. Bild: Keystone)
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Bilder aus dem Leben des Schauspielers Bruno Ganz

Pathos war ihm fremd

Bruno Ganz hat sich auf der Bühne und im Film immer weit vor und weit in die Höhe gewagt. Und ist doch mit humorvoller Sachlichkeit und selbst in beissenden Satiren - hervorragend als Hitler im Film «Der Untergang» von Oliver Hirschbiegel (2004) - immer standfest auf dem Boden geblieben. Pathos jeder Art war seine Sache nicht.

Wie Ganz Hitler spielte, löste Begeisterung aus. Der Wurf gelang ihm dank seiner Distanz zu dieser Figur, wie er der «Frankfurter Allgemeinen» sagte: «Dadurch, dass ich Schweizer bin, bin ich mit den moralischen Problemen nicht so kurzgeschlossen. Ich kann immer meinen roten Pass dazwischen schieben. Wenn ich Deutscher wäre, könnte es gut sein, dass ich das nicht würde spielen wollen.»

Auch andere überraschende Rollen übernahm Bruno Ganz. 2015 spielte er den gutmütigen Grossvater in Alain Gsponers Film «Heidi». Dazu sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur APA, er habe gar keine Wahl gehabt, die Rolle abzulehnen. «Das ist ein nationaler Mythos, ich bin Schweizer und alt genug, also muss das gemacht werden.» Er biss in den sauren Apfel - und hatte Freude dabei.

Dem Theater den Rücken gekehrt

Geboren wurde Bruno Ganz 1941 in Zürich als Sohn einer Italienerin und eines Schweizer Fabrikarbeiters. An der heutigen Zürcher Hochschule der Künste studierte er Schauspiel. Während fast 50 Jahren stand er auf Theaterbühnen und arbeitete mit Regisseuren wie Peter Zadeck, Peter Stein, Claus Peymann oder Luc Bondy zusammen. Engagements hatte er in Bremen, am Schauspielhaus Zürich, am Wiener Burgtheater oder an der Berliner Schaubühne.

1973 war Ganz «Schauspieler des Jahres», 1991 erhielt er den Hans-Reinhart-Ring der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur. 1996 vermachte ihm Josef Meinrad den Iffland-Ring, der seit über 100 Jahren an den «jeweils bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters» weitervererbt wird. Ganz hatte testamentarisch Gert Voss als seinen Nachfolger festgelegt, der starb allerdings im Juli 2014.

Seine letzte Bühnenrolle spielte Ganz 2012. Zu seinem Abgang vom Theater sagte er der «Welt»: «Keiner von diesen Bundesliga-Erste-Sahne-Regisseuren im deutschen Theater lässt Identifikation zu. Die scheuen das wie der Teufel das Weihwasser. Also habe ich da nichts mehr zu suchen.»

Zahlreiche Filmpreise

Dem Film aber blieb Bruno Ganz treu. Zuletzt spielte er in Lars von Triers «The House That Jack Built» (2018). Zu seinen wichtigsten Filmen gehören neben «Der Untergang» (2004) «Pane e tulipani» (2000) von Silvio Soldini, «Der amerikanische Freund» (1977) von Wim Wenders, «Night Train to Lisbon» (2013) von Bille August oder «Der Baader-Meinhof-Komplex» (2008) von Uli Edel.

Auch in zahlreichen Schweizer Filmen spielte Bruno Ganz mit, so in Kurt Gloors «Der Erfinder» (1980), «La Provinciale» von Claude Goretta (1980), «Dans la ville blanche» (1983) von Alain Tanner, «Vitus» (2006) von Fredi M. Murer und schliesslich in «Heidi» von Alain Gsponer.

Für seine filmischen Darstellungen erhielt Ganz den Europäischen Filmpreis (2000, 2004 und 2010), den Schweizer Filmpreis (2000), den Kunstpreis der Stadt Zürich, einen Ehrenleoparden am Festival del film in Locarno (2011), die Goldene Kamera für sein Lebenswerk (2014) und schliesslich 2016 den SwissAward - Lifetime Award für sein Lebenswerk.

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