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Das ist die Brutstätte kreativer Bühnenbilder

Im Tribschenquartier wird gebaut, was auf der Bühne Wirkung entfaltet. Das Luzerner Theater feiert am Samstag «50 Jahre Werkstätten».
Pirmin Bossart
In der Werkstatt des Luzerner Theaters wird pro Jahr unter anderem 120 Kilo Holzleim verarbeitet. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 20. August 2019)

In der Werkstatt des Luzerner Theaters wird pro Jahr unter anderem 120 Kilo Holzleim verarbeitet. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 20. August 2019)

Es ist ein stattliches Gebäude mit grosszügigen Proportionen, in dem seit 50 Jahren die Werkstätten des Luzerner Theaters beheimatet sind. 1969 als Solitär erbaut, ist es heute umgeben von den Wohnblöcken der Tribschenstadt. «Bis 1969 wurden die Bühnenbilder alle im Obergeschoss des Luzerner Theaters angefertigt», sagt Marco Brehme, der seit drei Jahren die Werkstätten leitet. Im Theatergebäude verblieben sind Requisite, Maske und Kostüm. Die Hardware des Bühnenbaus ist seit 1969 ausquartiert.

Heute arbeiten 15 Leute in den Werkstätten. Fünf Schreiner, vier Malerinnen und Maler und eine Auszubildende, eine Tapeziererin, ein Schlosser, zwei Bühnenbildassistentinnen und der Leiter. Sie gestalten und bauen, was sich Bühnenbildner, Regisseure und Dramaturgen ausdenken und was schliesslich auch den Blick des Publikums erfreuen soll. In den letzten 50 Jahren hat sich in Sachen Material, Technik und auch Trends vieles geändert, dem verschiedenen Gewerke Rechnung tragen müssen.

Prospekte, Metall und Styropor

Früher wurden viele Bühnenbilder vor allem gemalt. Die Ansichten einer Stadt, einer Landschaft oder einer Säulenhalle wurden auf riesige Textilflächen gemalt, die im Bühnenhintergrund aufgespannt wurden. Die Zeiten solcher «Bühnenprospekte» hat auch das Luzerner Theater gekannt. In den Werkstätten gibt es einen schmalen und langgezogenen Raum, in dem Hunderte von zusammengerollten Prospekten gelagert werden. Ein Exotikum. Brehme lächelt. «Ein solches Prospekt-Lager gibt es sonst nirgends, nur in einem Theater.»

Heute wird neben Holz immer mehr Metall und Styropor verwendet. Pro Jahr werden 95 Kilo Schweissdraht, 130 Kilo Nägel und Schrauben, 4500 Meter Holzlatten, 120 Kilo Holzleim und 25 Kubikmeter Styropor verbaut. Brehme achtet darauf, dass konstruktive Elemente zunehmend standardmässig hergestellt werden, um sie modifiziert immer wieder neu einsetzen zu können. Dass alte Bestände wiederverwendet werden, kommt kaum mehr vor. Daher sind es in jeder Inszenierung wieder Prototypen, die in der Werkstatt kreiert werden.

«Das ist auch das Schöne an unserer Aufgabe. Meistens gibt es Teile darin, die ganz schön knifflig sind und bei denen man viel Gedankenarbeit investieren muss, um sie zu realisieren.» Das kann sehr herausfordernd werden. Brehme nennt als Beispiel die Produktion «Amt für Todesangelegenheiten», welche die letzte Saison eröffnete. «Wir mussten die anfänglichen Wünsche der Regie extrem herunterbrechen, um sie möglich zu machen. Es war ein faires Gerangel auf Augenhöhe», fasst Brehme den Findungsprozess zusammen.

Der Betrieb und insbesondere auch das Verhältnis von Werkstatt und Theater seien weniger hierarchisch geworden, stellt die Theatermalerin Brigitte Schlun­egger fest, die seit über 25 Jahren in den Werkstätten arbeitet und auch Ausbildnerin ist. «Die einzelnen Bereiche und Abteilungen sind durchlässiger geworden, auch die Arbeitszeiten sind geregelter. Wir sind wirklich ein Team, das im Austausch steht, während wir uns früher praktisch nur anzupassen hatten.» Das ist ganz im Sinne von Brehme. «Das Produktionsteam funktioniert mit abgeflachten Hierarchien. Im Theater geht es nur zusammen.»

Die Arbeitsabläufe in den Werkstätten sind rigoros durchgeplant. Am Anfang einer neuen Produktion steht ein grobes Konzept, das vom Produktionsteam (technische Leiter, Produktionsleiter, Beleuchtungsmeister, Werkstattleiter) auf die Machbarkeit geprüft wird. Rund 20 Wochen vor der Premiere gibt es eine Bauprobe auf der Bühne, wo die Teams ihre Arbeit vorstellen und die Bühne simuliert wird. «So können wir einschätzen, was es von den Materialien und von den Dimensionen her braucht», so Brehme. Nach der Werkstattübergabe, verbunden mit mehrstündigen Sitzungen, wird der Auftrag verfeinert. Während den Proben beginnt das Werkstatt-Team mit dem Bau. «Hier ist der letzte Zeitpunkt, wo wir im Austausch mit dem künstlerischen Team noch gewisse Wünsche erfüllen oder Sachen abändern können.»

Hoffen auf die Bühne der Zukunft

Im Gegensatz zu früher sind es heute wechselnde Produktionsteams, die von aussen kommen und am Luzerner Theater eine Inszenierung machen. Mit der Internationalität der Teams zieht Englisch als Standardsprache ein. Herausfordernd sind auch die Bühnen-Wünsche, die aufgrund der Erfahrung an grösseren Häusern oder vom Film mitgebracht werden, und nicht immer kompatibel sind mit den beschränkten Möglichkeiten einer normalen Guckkasten-Bühne mit Bühnenboden und Dekorationszügen wie in Luzern. «Wir haben keine Seitenbühne, keine Hinterbühne und keine Drehbühne. Es ist praktisch nicht möglich, für eine Oper oder sonstige Produktionen mehrere Bühnenbilder zu machen.»

Brehme hofft auch, dass mit dem Um- oder Neubau des Luzerner Theaters Optionen wie Podien oder Drehbühne dazukommen, damit man eine Bühne während einer Produktion verwandeln kann. «Das würde unseren Ansprüchen an ein zeitgemässes Theater entgegenkommen. Und sicher auch denjenigen der Zuschauerinnen und Zuschauer.» Umso erstaunlicher, was Werkstätten und Bühnentechnik unter den gegebenen Bedingungen schon heute auf die Reihe kriegen. Brehme nickt.

«Was unsere Teams im Tagesbetrieb und in kürzester Zeit herstellen, auf- und abbauen, ist beachtlich und verdient Respekt.»

Marco Brehme

Marco Brehme

Werkstätten-Fest
24. August. 10 Uhr bis 20 Uhr, Bürgenstrasse 28: Werkstätten-Fest. 10 bis 17 Uhr Programm für alle, mit Bühnenbild- und Kostümausstellungen, Führungen. Eintritt frei.

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