Cannes
Die wundervollen Zeitreisen mit Woody Allen

Cannes begrüsst seine Weltstars zum Filmfestival in Cannes. Mit dabei auch Woody Allen. Dieser präsentiert seine neue Liebeskomödie «Midnight in Paris».

Hans Jürg Zinsli, Cannes
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Zu Beginn eines Filmfestivals werden jeweils die grössten Schauwerte aufgefahren. Man zeigt, was man hat. Je glamouröser, desto besser. Einen Woody-Allen-Film würde man normalerweise nicht in dieser Kategorie vermuten. Aber was er mit seinem jüngsten Œuvre abgeliefert hat, ist grosses Kino.

Von London bis nach Barcelona

Nach London («Match Point») und Barcelona («Vicky Cristina Barcelona») zeigt Allen diesmal Paris von seiner besten Seite. Kurz vor der Hochzeit riskiert ein amerikanischer Souvenirverkäufer (Owen Wilson) mit seiner Freundin (Rachel McAdams) einen Abstecher in die französische Metropole – und findet sich nach Mitternacht plötzlich in den Goldenen Zwanzigern wieder. Der erstaunte Blondschopf begegnet künstlerischen Koryphäen wie Scott F. Fitzgerald, Salvador Dalí oder Ernest Hemingway, erhält Tipps für die eigenen schriftstellerischen Versuche und verguckt sich in die Muse von Pablo Picasso (Marion Cotillard).

«Midnight in Paris» ist eine leichtfüssige Liebeserklärung an die Stadt der Liebe geworden. Es hätte auch ein schlechter oder gar kein Film werden können, wie Woody Allen in Cannes verrät. «Als Erstes kam mir die Idee für den Filmtitel», sagt der 75-Jährige, «doch ich hatte keine Ahnung, wohin mich diese Reise führen würde.»

Sehnsucht nach besserer Zeit

Herausgekommen ist eine Art Science-Fiction fürs Bildungsbürgertum. Das Spiel mit Sehnsüchten nach einer besseren Zeit beinhaltet einiges an Verklärung, allerdings auf raffinierte Art. So wünscht sich eine in den Zwanzigerjahren lebende Figur nach 1890 zurück. Von herrlichem Witz ist zudem die Szene, als die Hauptfigur Salvador Dalí, Luis Buñuel und Man Ray seine Zeitreise zu erklären versucht – worüber die Surrealisten natürlich kein bisschen erstaunt sind.

Kein Zweifel: Der Altmeister ist wieder in Topform. Wie er persönliche Motive humorvoll verschleiert und Raum für Interpretationen schafft – das macht ihm so schnell keiner nach.

Bleibt die Frage nach der französischen Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy, die in «Midnight in Paris» in drei kurzen Szenen zu sehen ist. «Ich habe Bruni-Sarkozy nicht aus politischen Gründen gewählt», sagt Woody Allen, «sondern weil sie als Sängerin über einen künstlerischen Background verfügt. Und weil sie ein Naturtalent ist.» Tatsache ist, dass Carla Bruni kurzfristig ihre Teilnahme an den Filmfestspielen von Cannes absagte – und damit den Spekulationen über eine Schwangerschaft neuen Auftrieb gab.

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