Gotthard zwischen hart und zart

Mit «Need To Believe» veröffentlichen die Tessiner Rocker ein starkes Album. Heute Abend sind sie im Restaurant Einstein in Aarau beim Radio Argovia Promitalk zu Gast.

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Gotthard Eröffnung der UBS Arena in...
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 ...in Biel.
 Der verstorbene Steve Lee in Avenches...
 ... am Oz'Arènes Festival.
 Die beiden Gitarristen Leo Leoni und Freddy Scherer am Gotthard Open Air Festival.
 Gitarrist Leo Leoni und der verstorbene Leadsänger Steve Lee bei einem Konzert ...
 ...auf dem Pilatus.
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Gotthard Eröffnung der UBS Arena in...

Keystone

VON PASCAL MÜNGER

Gotthard, die Band um den Ausnahmesänger Steve Lee, hat sich in den letzten Jahren eine beachtliche Fangemeinde in Europa erspielt. Auch das neue Album «Need To Believe» wird sehnsüchtig erwartet. «Unsere Konzerte in Deutschland oder Spanien finden in immer grösseren Hallen statt», bestätigt Gitarrist Freddy Scherer. «Gotthard definieren sich im Ausland nicht über einen speziellen Song, sondern als Live-Band.»

ANGEFANGEN HAT DIE TRUPPE aus dem Tessin in den Neunzigern mit lupenreinem Hardrock. Vor der Jahrtausendwende wurde sie zu einer Schmuseband, die dieses Image nie wieder ganz abstreifen konnte. Zu Unrecht. Zwar sind auch auf der neuen CD mit Songs wie «Tears To Cry» starke Balladen vertreten. Am besten ist die Band aber, wenn sie rockt. In dieser Hinsicht hat «Need To Believe», das vom Kanadier Rich Chycki (Aerosmith) produziert wurde, ein paar gewaltige Brocken zu bieten. «Shangri La» oder «Unspoken Words» grooven wie ein Schweizer Uhrwerk und überzeugen mit hymnischen Refrains. «Seit Freddy Scherer dabei ist, haben wir immer wieder überraschende und neue Ideen in unseren Songs», meint Steve Lee. «Leo Leoni und ich haben in all den Jahren schon über 150 Songs zusammen geschrieben. Irgendwann weiss man nicht mehr, ob eine Idee nicht auf einer Melodie aus einem früheren Song basiert. Freddy denkt am modernsten von uns und wurde dadurch in den letzten fünf Jahren zu einem wichtigen Teil von Gotthard.»

Gotthard im Einstein Aarau Do, 3. September 2009, 19 Uhr Promi-Talk im Restaurant Einstein Aarau mit Steve Lee und Freddy Scherer. Eintritt frei.

Gotthard im Einstein Aarau Do, 3. September 2009, 19 Uhr Promi-Talk im Restaurant Einstein Aarau mit Steve Lee und Freddy Scherer. Eintritt frei.

Natürlich werden sie das Rad im Rock 'n' Roll dadurch nicht neu erfinden: «Ein Gotthard-Song wird man immer als solchen erkennen. Das Schwierigste für uns ist, dass der Fan eigentlich überrascht werden möchte, von etwas, was er schon kennt», meint Lee philosophisch. Seit ihrem Album «Lipservice» aus dem Jahr 2005 steigt die Zahl der Gotthard- Fans steil an. Gotthard wird zum Exportschlager und definiert das neu aufkeimende Image der rockenden Schweiz. Freddy Scherer: «Wir leiden nicht unter der Marke Schweiz, andere Schweizer Rockbands werden deshalb belächelt. Wir beweisen mit jeder Show, dass die Schweiz mehr zu bieten hat als nur Schokolade und Käse.» Gotthard wäre die perfekte Band, um das Image der Schweizer Musik im Ausland aufzuwerten. Der Euro Song Contest würde eine gute Gelegenheit bieten. Doch Steve Lee winkt ab: «Ich würde niemals am Contest teilnehmen. Solange ich bei Gotthard spiele, werden wir nicht dabei sein. Wir hätten nicht besser abgeschnitten als die Lovebugs in diesem Jahr. Dieser Event ist nicht das Richtige für eine Rockband. Da geht es um Zirkus und nicht um Musik.»

Gotthard oder Krokus?

Die Diskussion aus den Siebzigern um die Fanlager der Beatles und der Rolling Stones beschäftigt uns bis heute.Wer die Fab Four aus Liverpool mag, gilt eher als Romantiker und Frauenversteher, während die Anhänger der Stones richtige Rocker mit Motorrädern sind. Beide kann man zwar mögen, entscheiden muss man sich aber doch für einen Liebling. So wollen es die Gesetze der Musik und der Klischees. Ähnlich verhält es sich in der Schweiz mit Gotthard und Krokus. Während Gotthard vor allem mit Balladen wie «Father» und «One Life,One Soul» in Verbindung gebracht werden, hört man bei Krokus «Screaming in the Night» und «Bedside Radio». Die eine Band steht für grosse Gefühle, die andere für tighten Rock. Obwohl diese Diskussion mit einem Augenzwinkern zu betrachten ist, tut sie der Musikszene Schweiz gut. Das findet auch Freddy Scherer von Gotthard: «Die Schweiz hat Platz für zwei grosse Rockbands. Krokus haben für uns Türen geöffnet. Und wir öffnen Türen für andere. Solange Rock ein Gesprächsthema ist, profitiert die ganze Szene.» (PME)

HAT GOTTHARD NICHT ANGST, dass die wiedervereinigten Krokus den Süd- Schweizern die Krone im helvetischen Rockmarkt wieder abnehmen könnten? «Krokus haben immer gute Musik gemacht, die wir früher bewundert haben. Heute haben wir mit Gotthard aber schon so viel erreicht, dass wir keine Angst davor haben, dass uns Krokus zur grossen Konkurrenz werden könnten», sagt Lee. Die Verschiebung des Veröffentlichungsdatums für das neue Krokus-Album von September auf den Frühling 2010 zeigt dem Sänger, dass Krokus mehr auf Gotthard gucken als umgekehrt. «Der Release unserer neuen CD könnte einer der Gründe sein, wieso Krokus ihren nach hinten geschoben haben. Zwei solche Alben zum selben Zeitpunkt würden in der kleinen Schweiz keinen Sinn machen. Das wissen auch Krokus.»

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