Theater Basel

Mordspirale mit peitschender Musik

In einer spartenübergreifenden Produktion von Oper und Schauspiel feierte am Theater Basel das Musiktheater «Oresteia» nach Aischylos und mit Musik von Iannis Xenakis Premiere. Mit schockierend realistischen Darstellungen polarisierte Regisseur Calixto Bieito einmal mehr.

Anja Wernicke
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Tötet die Mutter und leidet grandios: Michael Wächter als Orest, angestachelt vom Chor.

Tötet die Mutter und leidet grandios: Michael Wächter als Orest, angestachelt vom Chor.

Sandra Then

«Da ist ja alles drin, was an Schandtaten geht», stellt ein Besucher am Ende der Musiktheaterpremiere «Oresteia» fest: «Mord, Vergewaltigung, Inzest.» Und tatsächlich öffnet die griechische Tragödie von Aischylos die Pforten zu den schwärzesten menschlichen Abgründen.

Calixto Bieito inszeniert die von Rache angetriebene Mordspirale im Geschlecht der Atriden gewohnt schockierend realistisch: den Muttermord an Klytaimnestra durch den Sohn Orest im Endloswürgezappel-Griff an der Bühnenkante, grandios gespielt von Michael Wächter, der sich davor und danach als Sohn Orest im selbstzerstörerischen Leidenskrampf windet. Beim Applaus zeigte sich einmal mehr, dass Bieito polarisiert: während viele jubelten, hatten einige den Saal schon verlassen.

Die energiegeladene, rhythmisch-peitschende Musik von Iannis Xenakis (Basel Sinfonietta unter der Leitung von Franck Ollu) hätte zu Beginn mehr Pfeffer vertragen können, entwickelte aber im Verlauf der fast zweistündigen Aufführung zunehmend an Kraft.