Kultur
Neue Nüchternheit in der alten Reithalle: Es gibt grosse Umwälzungen in der Aarauer Theaterszene

Es ist eines der grössten Kulturprojekte der letzten Jahrzehnte im Kanton: Bis 2021 soll in der ursprünglich vom Militär genutzten «Alten Reithalle» beim Aarauer Kasernenareal ein kulturelles Mehrspartenhaus entstehen. Das geplante Konzert- und Theaterhaus sorgt für grosse Umwälzungen in der Aarauer Theaterszene.

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So soll der 2000 Quadratmeter messende Innenraum der «Alten Reithalle» aussehen. Hinten die Beton-Einbauten mit den Toiletten und Garderoben.Barão-Hutter.Atelier

So soll der 2000 Quadratmeter messende Innenraum der «Alten Reithalle» aussehen. Hinten die Beton-Einbauten mit den Toiletten und Garderoben.Barão-Hutter.Atelier

Barão-Hutter.Atelier

Es ist eines der grössten Kulturprojekte der letzten Jahrzehnte im Kanton: Bis 2021 soll in der ursprünglich vom Militär genutzten «Alten Reithalle» beim Aarauer Kasernenareal ein kulturelles Mehrspartenhaus entstehen, das Projektkoordinator Hanspeter Thür als «schweizweit einzigartig» bezeichnet. Die Investitionskosten von rund 20 Millionen Franken wollen sich Kanton, Stadt Aarau und private Sponsoren wie folgt aufteilen: Kanton und Stadt schiessen je acht Millionen ein, private Sponsoren vier Millionen, wovon die Aargauer Kantonalbank bereits drei Millionen Franken in Aussicht gestellt hat. Noch fehlt also eine Million von privater Seite. Thür gibt sich optimistisch: «Die Signale, die wir erhalten sind positiv.»

Nun werden zum ersten Mal Details zum Umbau und zum künftigen Betriebskonzept bekannt. Klar ist: im Vergleich zum Vorprojekt «Oxer», das letztes Jahr Schiffbruch erlitten hatte, soll die Alte Reithalle zurückhaltend saniert werden.

Von aussen wird sich das Erscheinungsbild der Halle nicht gross ändern. Das Konzept der St. Galler Architekten Barão-Hutter sieht vor, dass im 2000 Quadratmeter grossen Innenraum an den beiden Enden der 77 Meter langen Halle zwei mehrstöckige Einbauten aus gefärbtem Beton entstehen, in denen Künstlergarderoben, Besuchertoiletten, Technik- und Lagerräume untergebracht sind. Dazu soll das Dach isoliert werden, ohne die auffällige Dachbalkenkonstruktion anzurühren. Die Halle soll so möglichst flexibel für die verschiedenen Nutzungen und in der ganzen Länge bespielbar sein. Nötig machen das die unterschiedlichen Nutzer: Nebst den Schwerpunkten Tanz, Theater und zeitgenössischem Zirkus soll die Alte Reithalle auch zum neuen Zuhause des Argovia Philharmonic werden.

Der politisch heikelste Punkt ist das Betriebsbudget, das gemäss Vorprojekt jährlich rund 1,75 Millionen Franken betragen soll, was Hanspeter Thür als «radikal tief» bezeichnet. Die Stadt Aarau setzte die politische Vorgabe, dass die öffentliche Hand auch nach dem Umbau der Alten Reithalle nicht mehr für Theater ausgeben will als heute. Diese Vorgabe führt nun zu einem fundamentalen Umbau der Aarauer Theaterszene. Thür sagt: «Wir werden die Kräfte bündeln.» Das bedeutet konkret: Sollte die Alte Reithalle gebaut werden, fusionieren die drei subventionierten Aarauer Theater-Veranstalter Theatergemeinde, Tuchlaube und Fabrikpalast. Ein neuer, kantonal verankerter Trägerverein soll eine künstlerische Leitung einsetzen.

Politisch geht das Projekt «Alte Reithalle» nun in eine entscheidende Phase. Der Aarauer Stadtrat und der Aargauer Regierungsrat werden in den nächsten Monaten über den Projektierungskredit von 1,2 Millionen beraten, den sich Stadt und Kanton zu je 600 000 aufteilen. Politische Widerstände zeichnen sich in der Stadt Aarau bereits ab. Die Fraktion von Pro Aarau, Grünliberalen und EVP den Planungskredit sind dafür, die 1,4 Millionen Franken 2017 vom Stimmvolk absegnen lassen. Projektleiter Hanspeter Thür hält das für keine gute Idee: «Aus meiner Sicht wäre es vernünftiger, dann abzustimmen, wenn das ganze Vorhaben genügend konkret ist.»

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