Theater/Konzert
Ohne Ausländer geht nichts auf den Schweizer Bühnen

Die grossen Kulturinstitutionen leben von Ausländern. Beim Zürcher Opernhaus etwa liegt der Anteil an Ausländern bei den Festangestellten bei 45 Prozent.

Christian Berzins
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Im europaweit bewunderten Zürcher Ballett tanzen kaum Schweizer.

Im europaweit bewunderten Zürcher Ballett tanzen kaum Schweizer.

.Bettina Stöss/Opernhaus

Am Samstag der Premierenjubel im Opernhaus Zürich – am Sonntag nach dem Abstimmungsresultat die Stille? Keine Angst: Das Zürcher Ballett bleibt vorerst auf Höhenflug, auch wenn – oder viel eher «weil»? – man in der Compagnie die Schweizer mit der Lupe suchen muss.

Nicht nur hier, auch von der zweiten Geige im Orchester bis zum Intendanten Andreas Homoki arbeiten viele Ausländer im Haus. Homoki bestätigt, dass man eine grosse Anzahl an internationalen Künstlern in unterschiedlichen Bereichen beschäftige und bekräftigt, dass es für das Haus wichtig sei, weiterhin die international besten Künstler präsentieren zu können. 45 Prozent beträgt der Anteil an Ausländern bei den Festangestellten.

Homoki meint: «Es ist noch zu früh, um genau sagen zu können, welche Auswirkungen die Einwanderungsinitiative auf unseren Spielbetrieb haben wird, da zu diesem Zeitpunkt noch unklar ist, wie die Umsetzung konkret aussehen wird. Wir werden die Entwicklung beobachten und mit den Behörden in engem Kontakt stehen.»

Orchester der 18 Nationen

Bei der Tonhalle-Gesellschaft Zürich tönt es ähnlich, auch hier arbeiten viele Ausländer, Intendant inklusive. Im Orchester hat jeder zweite Musiker einen ausländischen Pass. Diese Menschen stammen aus rund 18 Nationen. Es gibt auch einige Musiker im Orchester, die seit vielen Jahren mit ihren Familien in der Schweiz leben und in der Zwischenzeit einen Schweizer Pass haben.

Aber auf die Frage, ob man einschätzen könne, was die Umsetzung der Initiative mit sich bringen wird, gibt auch Intendant Elmar Weingarten bloss eine vage Antwort: «Im Augenblick ist noch nicht abzusehen, welche Auswirkungen die ausformulierte Gesetzesvorlage in den nächsten drei Jahren auf die Zusammensetzung des Orchesters haben wird.»

Die grossen Kulturinstitutionen blieben im Vorfeld der Abstimmung still. Auch das Schauspielhaus Zürich. Auch jetzt hat man dort nicht das Bedürfnis, sich über das Bühnengeschehen hinaus zu äussern – oder nur partiell. Intendantin Barbara Frey spreche heute im Fernsehen über das Thema und könne anderen Medien nicht auch noch Auskunft geben, hiess es. Alle anderen Auskunftsgeber seien krank.