Oper «Carmen» – der letzte Akt

Oper «Carmen» – der letzte Akt

Nach vielen erfolgreichen Vorstellungen wird in Schinznach-Dorf diese Woche die Stierkampfarena der Oper Schenkenberg abgebaut.

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Oper «Carmen» – der letzte Akt

Oper «Carmen» – der letzte Akt

Katja Schlegel

Vor über zwei Wochen lag Carmen das letzte Mal sterbend in Don Josés Armen. Die Derniere am 22. August, nach zehn Vorstellungen. Jetzt verschwindet Stück für Stück, was dem Feldschenplatz in Schinznach-Dorf die letzten zwei Monate lang spanisches Flair verliehen hat: die Stierkampfarena.

Die Arena ist skelettiert. Das nackte Gerüst steht noch da mit den Plastiksitzen. Vereinzelt stehen die Verkleidungen, die roten Wände herum, über den sandfarbenen Arenaboden ziehen sich Reifenspuren aus Dreck.

Doch irgendetwas ist noch da, ein Hauch von Carmen, noch immer werfen die leeren Ränge den Ton zurück, verstärkt und klar. «Es stimmt mich wehmütig», sagt Peter Bernhard, Intendant der Oper Schenkenberg und ehemaliger Don José.» Er steht vor der Arena. Es ist früh, die Arbeiter sind noch nicht da. «Unglaublich, wie man einem Platz Energie einhauchen kann, wie sie noch immer spürbar ist», sagt Bernhard und man glaubt plötzlich wieder, Bizets Musik zu hören.

Franco reist extra

Dann kommen die Arbeiter. Zehn Mann und ein Techniker. Seit Montag sind sie an der Arbeit, versenken mit Hubstaplern die Teile in den Bäuchen der 40-Tönner. Jedes Puzzleteil ist markiert, der genaue Standort notiert. Acht Lastwagen sollten reichen, um die 50 Tonnen Material nach Polen in eine Lagerhalle zu bringen. Ein neunter Lastwagen ist für die sperrige Statue reserviert: Franco hoch zu Ross.

In Polen wird die Arena liegen bis zum nächsten Sommer. Dann soll «Carmen» wiederauferstehen. Die holländische Produktionsfirma Supierz Music Management aus Amersfoort hat die Arena gekauft, für einen symbolischen Betrag von rund 10000 Euro. «Die Firma plant unsere Produktion nächstes Jahr in Holland aufzuführen», sagt Bernhard. Das heisst: Inszenierung, Kostüme, Franco, das ganze Know-how. Die «Carmen» aus Schinznach-Dorf in Holland.

Mit dem Vertrag über die Arena hat sich die Oper Schenkenberg die Möglichkeit einer Teilnahme an der holländischen Wiederaufnahmeproduktion gesichert, könnte quasi in Holland gastieren. Mit dabei vielleicht sogar einzelne Solisten, die in Schinznach-Dorf gesungen haben. «So ist es jedenfalls angedacht», sagt Bernhard. Schliesslich ist alles relativ kurzfristig, Solisten seien im Normalfall bereits auf Jahre ausgebucht.

«Nichts ist für die Ewigkeit»

Stück für Stück der Arena verschwindet im Lastwagen. Christof Martynowicz, Technischer Direktor der Supierz Music Management, dirigiert die Männer, jeder Zentimeter zählt. Am Abend wollen die Arbeiter fertig sein, auf nach Polen. «Wir Sänger machen nichts für die Ewigkeit, unser Gesang verhallt», sagt Bernhard. Innert zweier Wochen verschwinde alles, der Odem verhauche. Es tönt traurig und definitiv, was Bernhard sagt. Nach drei Jahren Vorbereitungszeit, so vielen Emotionen, so viel Erfolg. Aber «Carmen» wird nie mehr ganz aus Schinznach-Dorf verschwinden. «Carmen» ist hier zu Hause.