Opernhaus Zürich
Opernhaus Zürich: Homoki zündet Feuerwerk

Zürichs Opernhausdirektor Andreas Homoki stellt die Saison 2015/2016 vor: Auf dem Papier bietet man ein beneidenswert perfektes Programm.

Christian Berzins
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Cecilia Bartoli singt nächstes Jahr gleich zwei Produktionen: Bellinis Norma und Rossinis «Comte d’Ory»

Cecilia Bartoli singt nächstes Jahr gleich zwei Produktionen: Bellinis Norma und Rossinis «Comte d’Ory»

Schon mal nach einem Feuerwerk Fragen gestellt? Kritisiert, dass da zu viel rot, zu viel blau, zu viele Knaller gewesen wären? Es wäre doof.

Als Andreas Homoki gestern nach einem 45-minütigen Feuerwerk der grossen Namen und der spannenden Produktionen ins Rund fragte, ob da noch Fragen seien, wurde es still im Spiegelsaal des Opernhauses. Was sollte man da kritisch nachfragen, wenn die interessantesten jungen Sänger der Welt am Haus debütieren, wenn Stars wie Cecilia Bartoli in gleich zwei Produktionen auftauchen, wenn ein Bassbariton-Wunder wie Bryn Terfel den Verdi-Helden Falstaff singt oder eine Nina Stemme die Puccini-Dame Turandot? Wenn die angesagtesten Regisseure wie Dmitri Tcherniakov «Pelléas et Mélisande», Herbert Fritsch «King Arthur» oder Barrie Kosky «Macbeth» inszenieren? Wenn Alte und Neue Musik ihren Platz finden? Wenn Deutsches und Italienisches im Gleichgewicht liegen und auch das Französische beachtet bleibt? Wenn Edita Gruberova zumindest einen Liederabend singt? Wenn der Hausherr Homoki und der Chefdirigent Fabio Luisi sich gemeinsam an so Unterschiedliches wie Bellinis «Puritani» oder Alban Bergs «Wozzeck» wagen?

Mit diesem «Wozzeck» starte man am 13. September exemplarisch in die Saison: Christian Gerhaher, der gefragteste deutsche Bariton dieser Tage, wird die Titelrolle singen. Der gute alte Christoph Marthaler, im ersten Homoki-Jahr unglücklich mit «Sale» beschäftigt, wird im Dezember Gioacchino Rossinis «Il Viaggio a Reims» inszenieren: Ob gerade dieses turbulente Werk für den dreifach verspielten Regisseur ideal ist, darf allerdings bezweifelt werden. Viel diskutiert wird auch Sebastian Baumgarten, der in Zürich «Don Giovanni» in den Sand setzte. Er inszeniert Wolfgang Rihms (*1952) 1987 uraufgeführte Oper «Die Hamletmaschine».

Christian Spucks Ballett-Erfolgswelle wird honoriert: Gleich vier Premieren sind angesagt: zwei Dreiteiler und zwei grosse Abende («Schwanensee» mit Choreografenstar Alexei Ratmansky und «Sandmann» von Spuck selbst).

Die Saison beginnt mit einem grossen Fest am 12. September. Dann zu sehen ist auch die Hauptprobe von «Falstaff» mit Terfel: gratis notabene. «Wo gibts sonst so etwas?», fragte Direktor Homoki zum Schluss. Andere Fragen?