Vaarwel Vincent, tschüss Van Gogh

Heute schliesst die erfolgreichste Basler Kunstausstellung aller Zeiten ihre Pforten: Doch die Van-Gogh-Schau «Zwischen Erde und Himmel» hat auch in Fachkreisen für Aufsehen gesorgt, wie der Direktor des Amsterdamer Van Gogh-Museums bestätigt.

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Van Gogh

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Schweiz am Sonntag

Von Bojan Stula

«Wenn Sie erwartet hätten, dass ich etwas Negatives über die Basler Ausstellung sage, muss ich Sie enttäuschen.» Axel Rüger, der Direktor des Van Gogh-Museums in Amsterdam lässt nicht den geringsten Zweifel daran, für wie geglückt er die «Zwischen Erde und Himmel»-Ausstellung im Basler Kunstmuseum hält.

Der 41-jährige Dortmunder, der seit 2006 das weltweite Zentrum des künstlerischen Van-Gogh-Vermächtnisses leitet, hat es aber auch nicht nötig, mit Blick auf das befreundete Basler Kunstmuseum Kollegen-Neid zu entwickeln. Zum einen hat das Amsterdamer Van Gogh-Museum in der Person von Chefkonservator Sjraar van Heugten beratend an der Konzeption der Basler Ausstellung mitgewirkt und selber nicht weniger als fünf der insgesamt 70 Bilder zur Verfügung gestellt. Andererseits ist es für Rüger und sein Museum nichts Aussergewöhnliches, mit Sonderausstellungen über das niederländische Mal-Genie für Furore zu sorgen: Dies war bei der im Juni zu Ende gegangenen Schau «Van Gogh und die Farben der Nacht» nicht anders, als es mit der am 9. Oktober beginnenden Exposition «Van Goghs Briefe» sein wird; auf die ihrerseits im Januar 2010 das Projekt «Der wahre Van Gogh: Der Künstler und seine Briefe» in der Londoner Royal Academy of Arts folgt, das in enger Zusammenarbeit mit den Amsterdamer Van-Gogh-Spezialisten entstanden ist.

Rund 20 Sonderausstellungen hat es alleine in den letzten 14 Monaten weltweit gegeben, in denen eines oder mehrere Werke Vincent van Goghs gezeigt wurden. So ist der berühmte «Le Jardin de Daubigny» aus der Basler Sammlung Rudolf Staechelin bereits als Leihgabe für die Royal Academy of Arts im kommenden Frühjahr vergeben. Dass sich das Kunstmuseum Basel in diesem wettbewerbsmässig «mörderischen Umfeld» nicht nur glänzend behaupten, sondern auch weltweite Impulse aussenden konnte, hält Direktor Rüger für eine aussergewöhnliche Leistung - «nicht zuletzt in logistischer und organisatorischer Hinsicht». Zwar möchte er zwischen «Erde und Himmel» nicht in irgendeiner Rangliste platziert wissen und hält sich auch sonst mit Superlativen zurück («Die nächste Van-Gogh-Ausstellung kommt bestimmt»), doch ist Rüger überzeugt davon, dass die Basler Ausstellung im Gedächtnis haften und deshalb wohl auch prägend sein wird. Das Zentrale an «Zwischen Erde und Himmel» sei gewesen, dass erstmals ein bedeutender Überblick über eines der wichtigsten Themengebiete in Van Goghs Werk geschaffen wurde. «Van Gogh hat sich durchaus als Landschaftsmaler verstanden», erklärt der Experte für niederländische Kunst. Die hohe Qualität der in Basel ausgestellten Exponate habe dafür gesorgt, dass ein äusserst wertvolles Projekt herausgekommen sei. «Die Besucherinnen und Besucher konnten sich dank der intelligenten Ausstellungskonzeption einen guten Überblick über die Entwicklung in Van Goghs Œuvre verschaffen.»

Rüger selbst hat die Ausstellung in Basel zweimal besucht. Was er dabei sah, hat ihn beeindruckt, obschon er natürlich alle gezeigten Werke längst und bestens kennt. «Die Ausstellung wurde elegant konzipiert und kommt für den Betrachter gut dosiert daher», urteilt der Museumsdirektor mit dem Auge des Experten. Zudem seien die Ausstellungsräume im Obergeschoss des Basler Kunstmuseums ideal: «Der Einfall des natürlichen Sonnenlichts verändert die Betrachtungsweise zusätzlich im positiven Sinne.» So viel fundiertes Lob aus Amsterdam hört man in Basel natürlich gern, wobei sich noch kein weiteres gemeinsames Projekt zwischen den beiden befreundeten Häusern abzeichnet.

Während im Amsterdamer Van Gogh-Museum bereits am nächsten grossen Wurf gearbeitet wird, geht es in Basel nach der «Jahrhundert-Ausstellung» zunächst einmal beschaulich weiter. Für die am kommenden Samstag beginnende Sonderausstellung «Dürer bis Grober - 101 Meisterzeichnungen» wird die Schallgrenze von einer halben Million Besucherinnen und Besucher unerreichbar bleiben. Wer mit «Zwischen Erde und Himmel» die erfolgreichste Basler Kunstausstellung aller Zeiten verpasst hat, dürfte zu Lebzeiten keine zweite Chance mehr erhalten.