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BUCH: Ein reizvoller Blick auf Beethoven

Der Musikwissenschafter Martin Geck betrachtet Ludwig van Beethoven und sein Werk mit fremden Augen. Das Resultat ist ein Blick wie durch ein Kaleidoskop.
Rolf App
Beethoven von Martin Geck. (Bild: PD)

Beethoven von Martin Geck. (Bild: PD)

Vielleicht kennen Sie aus Ihrer Kindheit das Kaleidoskop. Es ist eine Röhre, an deren einem Ende sich farbige Gläser frei zwischen Glasplatten bewegen. Dank innen befestigter Spiegel nimmt man sie vom andern Ende her mehrfach gebrochen wahr. Und: Sobald man die Röhre bewegt, verändert sich das Bild.

Genau so ist dieses Buch beschaffen. Martin Geck geht in «Beethoven – Der Schöpfer und sein Universum» anders vor als etwa Jan Caeyers in seiner vor wenigen Jahren erschienenen, sehr gründlichen Beethoven-Biografie (Beethoven – Der einsame Revolutionär, C. H. Beck). Anders auch als der Pianist Rudolf Buchbinder, der seine lebenslange Erfahrung auf sehr anregende Weise in «Mein Beethoven» wiedergegeben hat (Residenz-Verlag). Geck schreibt keine Biografie, aber er schildert Wendepunkte in Beethovens Leben. Er bietet keine von dieser Biografie abgelöste Werkanalyse, kommt aber immer wieder auf – für ihn – zentrale Werke zu sprechen. Nein, er betrachtet Beethoven, wie wir die Glasplättchen im Kaleidoskop: Indem er Leben, Werk, Bedeutung durch die Augen derer sieht, die sich mit Beethoven befasst haben.

Dazu wählt er zentrale Begriffe (wie Titanismus, Festigkeit, Fantastik, Struktur und Gehalt, Utopien) und geht in jeweils drei Unterkapitel auf drei Namen ein. Von ihnen ausgehend, unternimmt er dann weite Ausflüge in die Musikgeschichte und in die Auseinandersetzung um Musik.

Vom Leben geprägt und dennoch autonom

Das Biografische bleibt dabei keineswegs ausgespart. Das Kapitel «Lebenskrisen, Gottergebenheit, Kunstfrömmigkeit» etwa befasst sich anhand von Beethovens unerfüllter Sehnsucht nach einer Geliebten mit der persönlichen Grundierung eines Spätwerks, das sich abwendet vom Heroismus der mittleren Jahre. Doch greift Geck auch weit aus. Im kalifornischen Exil sehen wir den Schriftsteller Thomas Mann und den Philosophen Theodor W. Adorno über Beethovens letzte Klaviersonate diskutieren. Und anhand des Dichters Paul Nizon geht Geck der Frage nach, wie seelisches Erleben in einem Werk durchscheint, das sich vom Autor löst und autonom wird.

Wie muss man dieses Werk im Falle Beethovens deuten? Abstrakt, von den Strukturen her, ohne den Blick auf zeitgeschichtliche oder private Erschütterungen? Martin Geck hält das für unmöglich, weil es gerade das Revolutionäre unterschlägt. So wäre es angebracht, nach der Lektüre dieses reich schillernden Buches Beethoven wieder einmal zu hören. Mit durch die Bekanntschaft mit Gecks Kaleidoskop gereinigten Ohren.

Rolf App

Martin Geck: Beethoven, Siedler, 508 S., Fr. 34.90

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