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BUCH: «Es ist die Knautschzone zwischen Menschen»

Der Satiriker Andreas Thiel hat ein Buch über den Humor geschrieben. Durchaus eine geistreiche und amüsante Streitschrift für Meinungsfreiheit und gegen Heuchelei nach «Charlie Hébdo».
Der streitbare Satiriker Andreas Thiel kommt für drei Auftritte nach Luzern. (Bild: PD/Stefan Kubli)

Der streitbare Satiriker Andreas Thiel kommt für drei Auftritte nach Luzern. (Bild: PD/Stefan Kubli)

Sein Buch über den Humor sei eine «mit Liebe erdachte Antwort auf alle anonymen und offenen Morddrohungen und Beschimpfungen», sagt der Schweizer Satiriker Andreas Thiel. Er hatte sich in einem «Weltwoche»-Artikel kritisch gegen eine Passage im Koran geäussert, die zur Verfolgung und Tötung der Juden aufruft.

Vernunft und Gelassenheit

«Scharia versus Meinungsfreiheit» überschreibt Thiel ein interaktives Portal auf seiner Homepage. Eine türkische und zwei islamische Organisationen haben ihn wegen Rassendiskriminierung angeklagt. Für Andreas Thiel kann man jetzt Geld spenden. Denn das Prozessrisiko übersteige seine finanziellen Möglichkeiten, schreibt er auf seiner Website.

Was darf Satire in Zeiten von «Charlie Hébdo»? Thiels Buch «Humor. Das Lächeln des Henkers» kommt im richtigen Moment. Humor fördere Toleranz und vereine Vernunft und Gelassenheit, sagt der Satiriker, der vielfach ausgezeichnet wurde, etwa 2013 mit dem Deutschen Kabarettpreis. Und Thiel wird deutlich: «Humorlosigkeit sitzt im Vorzimmer der Gewalt.»

Das Böse fürchtet den Humor

Humor sei ein Charakterzug und die «unaufgeregte Art, Dinge wahrzunehmen», oder auch die «Kunst des souveränen Verlierens». Und Humor überwinde Differenzen. Das ist die wich­tigste These in Andreas Thiels Buch, das den Humor mit leichter Hand immer wieder auf eine philosophische Ebene hebt.

Das Böse habe Angst vor dem Humor. Und wir brauchten die Satiriker, um der Welt den Spiegel hinzuhalten. Man erfährt in Thiels Buch viel über Dinge, über deren Unterschied man vielleicht noch nie so bewusst nachgedacht hat. So zeigt Thiel den Unterschied zwischen Lachen und Lächeln auf. «Das Lächeln hat viel mehr mit Humor zu tun als das Lachen.» Böses Lachen gibt es, bösen Humor nicht.

Thiel nimmt den Leser mit auf eine Reise durch das Lächeln in verschiedenen Kulturen. Er entführt in den Buddhismus oder nach Altindien, zeigt aber auch geistreich die unterschiedlichen Ausprägungen von Humor in verschiedenen europäischen Ländern auf.

Liebenswürdig und langweilig

Scharf gewürzt sind Andreas Thiels Streifzüge durch die Welt des Humors mit seinen eigenen satirischen Texten, bissigen Sketches und wunderbaren Car­toons. Höchst amüsant wird es, wenn Andreas Thiel den Schweizer Humor vom deutschen abgrenzt: «Der Schweizer ist nie richtig lustig und nie richtig ernst, das macht ihn liebenswürdig und langweilig.» Der Schweizer Humor diene der Deeskalation von Alltagssituationen, bevor sie überhaupt eskalieren können.

Viel erfährt man auch darüber, wie Komiker ihr Publikum zum Lachen bringen, wie sie es anstellen, dass Pointen auch wirklich sitzen und welche humoristischen Strategien sie dabei anwenden. In «Humor. Das Lächeln des Henkers» erfährt man viel Spannendes über die verschiedenen Kunstmittel wie die Überraschung, die Ironie oder die Spielerei, um nur einige zu nennen.

Waffe gegen Fanatismus

Deutlich ist auch Thiels Abgrenzung von der Comedy: «Comedy ist da, damit auch humorlose Menschen etwas zu lachen haben.» Gute Satire und geistreiche Komik seien heute nicht einfach nur schöne kulturelle Zerstreuung. Sie seien vielmehr eine wichtige Waffe gegen Intoleranz, gegen Fanatismus und eben gegen die Humorlosigkeit. Der «Degenfechter unter den Schweizer Satirikern», wie Thiel auch genannt wird, definiert Humorlosigkeit als «die Unfähigkeit, eine Welt zu akzeptieren, die anders ist, als wir sie gerne hätten».

Humor hingegen sei als «Knautschzone zwischen Menschen» unerlässlich, um in Frieden zusammenleben zu können. Diese wichtige Erkenntnis rollt Andreas Thiel so amüsant wie auch lehrreich und gelassen in seinem neuen Buch aus.

Martin Preissig

Hinweis

Andreas Thiel: Humor. Das Lächeln des Henkers. Werd Verlag, 172 S., Fr. 39.–.

Thiel live: 6./8. und 9. Januar im Kleintheater und 27. Januar im Theater Fischbach in Küssnacht. Infos: www.andreasthiel.ch

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