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BUCH: Weshalb Luzern zur einer Hochburg des Plakatschaffens wurde

«Poster Town Lucerne» macht von sich reden: Der Grafiker Erich Brechbühl erklärt, warum Luzern zu einer Hochburg des Plakatschaffens wurde. Am Samstag startet zudem das Festival Weltformat.
Pirmin Bossart
Amadeus Waltenspühl für eine Party im Südpol. (Bild: PD)

Amadeus Waltenspühl für eine Party im Südpol. (Bild: PD)

Interview: Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Erich Brechbühl, Sie gehören zum Herausgeberteam von «Poster Town»: Was war der Anlass für dieses 780-seitige Werk rund um die Plakatkunst aus Luzern?

Der Anstoss kam von aussen. Als wir im Rahmen des Luzerner Kulturauftritts in Moskau 2013 unsere Plakatausstellung zeigten, wurden wir immer wieder nach einem Katalog gefragt. Das war auch an den späteren Ausstellungen in Berlin, Peking und Kairo so. Die Plakate kamen sehr gut an, und die Leute erkundigten sich nach unserer Szene in Luzern. Auch bei internationalen Plakatwettbewerben sind häufig Luzerner dabei. All das hat uns bewogen, dieses Buch zu wagen.

Wie kommt das Buch bei Ihnen an? Was bringt ein solches Werk?

Ich sehe es als ein riesiges Inspirationsbuch. Normalerweise erscheinen solche Werke, um auf eine Ära zurückzu­blicken. Dieses Buch mit seinen über 750 Plakaten, die nicht chronologisch, sondern nach Farben und Formen ­geordnet sind, kündet eher von einem Aufbruch und müsste eigentlich einen neuen Schub in der Grafikerszene bewirken. Es ist voll von Ideen und schönen Verrücktheiten.

Wie nehmen Sie die hiesige Gestalterszene wahr?

Sie ist sehr lebendig und am Austausch interessiert. Es herrscht ein gutes Konkurrenzverhältnis mit Protagonisten und kleinen Ateliers, die sich nicht beneiden, sondern befruchten und einander die Erfolge gönnen. Wie ich oft höre, ist das andernorts nicht so selbstverständlich. Es gibt auch die Gelegenheit, sich alle zwei Monate an einem «Show & Tell» zu treffen: An diesen Meetings sitzen wir zusammen, essen und trinken, stellen einander unsere Projekte vor und diskutieren.

Luzern ist offenbar eine Hochburg des zeitgenössischen Plakatschaffens: Wie hat sich das entwickelt?

Es hat sicher viel damit zu tun, dass an der Hochschule Luzern Kunst und Design sowie an der Fachklasse für Grafik das Medium Plakat einen hohen Stellenwert geniesst. Mit Ralph Schraivogel oder Martin Woodtli haben wir Dozenten, die international zu den besten Plakatexperten zählen. Auch das Plakatfestival Weltformat hat an Ausstrahlung gewonnen. Schliesslich gibt es in Luzern mit dem Treibhaus, dem Südpol und dem Neubad Kulturhäuser, die stark auf Plakate setzen und es überhaupt ermöglichen, dass sich immer wieder junge Gestalter entfalten können.

Gibt es wichtige Protagonisten, die in der Plakatszene von Luzern Spuren hinterlassen?

Es gibt hier viele Plakatgestalter, die ausgezeichnete Arbeit leisten und über die Schweiz hinaus wahrgenommen werden. Eine Ausnahmeerscheinung ist sicher Felix Pfäffli (Studio Feixen), der international zu den Superstars gehört und auch für grosse Konzerne arbeitet. Er hat auf Instagram fast 100'000 Followers. Seit Jahren erfolgreich ist die Kreativ-Agentur Velvet, die unter anderem für prominente Kulturhäuser in Berlin und Hamburg oder für die Berliner Biennale Plakate kreiert.

Heute sind es die sozialen Medien, mit denen Kulturanlässe und andere Veranstaltungen in erster Linie beworben werden. Welche Gründe sprechen heute noch für das Plakat?

Ich sehe das Plakat nicht als etwas Alleinstehendes. Seine Bildsprache funktioniert auch in den sozialen Medien. Auch auf diesen Kanälen braucht es «plakative» Bilder, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wenn ein geiles Plakat, das man im öffentlichen Raum hängen sieht, zusätzlich in den sozialen Medien auftaucht, ergibt das einen extremen Wiedererkennungswert – und umgekehrt.

Wie sind Sie selber zur Plakatkunst gekommen? Hatten Sie Vorbilder?

Ich hatte zuerst Typograf gelernt und bekam dann die Möglichkeit, bei Niklaus Troxler eine zweite Ausbildung zum Grafiker zu machen. Das hat mich natürlich sehr inspiriert. In dieser Zeit begann ich, für den Kulturkeller Im Schtei in Sempach regelmässig Plakate zu gestalten. Die ersten grossen Plakate machte ich für das Musikfestival Sempler und die Innerschweizer Filmtage. Niklaus Troxler hat mich auch ermuntert, an internationalen Wettbewerben teilzunehmen. Ich konnte meine Plakate jeweils gleich mit seinen mitschicken. 2000 bin ich in Warschau erstmals in die Auswahl gekommen.

Sie haben für die Kulturhäuser Wärchhof, Treibhaus, Südpol, Neubad die visuellen Auftritte gestaltet. Haben Sie dort auch das Plakat gepusht?

Im Treibhaus habe ich die visuelle Kommunikation so konzipiert, dass im Bereich der Monatsprogramme oder Plakate ein grosser Spielraum zum Ausprobieren blieb. So haben immer wieder junge Grafiker und Gestalter, die noch in Ausbildung waren, mit diesem Medium experimentieren können. Diese Möglichkeit hat am Anfang auch der Südpol geboten und bietet bis heute das Neubad. Das führt zu einer grossen Dynamik, die immer wieder neue Talente hervorbringt.

Sie haben 2009 auch mitgeholfen, das Plakatfestival Weltformat auf neue Beine zu stellen: Wo steht dieses Festival heute?

Wir dürfen feststellen, dass wir inzwischen ein ziemliches Renommee haben. Es gibt bereits Weltformat-Ableger in Seoul und in Kairo, die sich explizit auf uns beziehen und mit denen wir regelmässig in Austausch sind. Auf die zehnte Ausgabe 2018 hin wollen wir uns organisatorisch weiter professionalisieren, die Geschäftsstelle ausbauen und die Kommunikation intensivieren. Es muss etwas gehen: Schliesslich gibt es sonst kein anderes Grafikfestival in der Schweiz.

Hinweis

Das Plakatfestival Weltformat 17 findet vom 23. September bis am 1. Oktober statt. Es gibt acht Ausstellungen sowie mehrere Rahmenveranstaltungen und Workshops. Infos:www.weltform.at. Poster Town Lucerne, Spector Books, 780 Seiten, Buchvernissage: 23. September, 16 Uhr, Historisches Museum Luzern.

Einige Beispiele für das vielfältige Luzerner Plakatschaffen: (Bilder PD)

Einige Beispiele für das vielfältige Luzerner Plakatschaffen: (Bilder PD)

Erich Brechbühl für das Jugendtheater Sempach. (Bild: PD)

Erich Brechbühl für das Jugendtheater Sempach. (Bild: PD)

Felix Pfäffli mit einem Plakat für den Luzerner Südpol. (Bild: PD)

Felix Pfäffli mit einem Plakat für den Luzerner Südpol. (Bild: PD)

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