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BUCH: Wie man berühmte Songtexte missversteht

Journalist Michael Behrendt hat über die «66 grössten Songmissverständnisse» geschrieben. Ein Muss für jeden Popfan – mit lustigen, aber auch tragischen Irrtümern.
Michael Behrendt stöberte erfolgreich nach missverstandenen Popsongs. (Bild: Ernst Stratmann/PD)

Michael Behrendt stöberte erfolgreich nach missverstandenen Popsongs. (Bild: Ernst Stratmann/PD)

Man kennt ja die sogenannten «Agathe-Bauer-Songs» («I Got The Power»), die phonetisch umgedeutet werden können. Aber der deutsche Musikjournalist Michael Behrendt bietet viel mehr. Und betitelte sein Buch mit einem der herzzerreissendsten Songmissverständnisse aller Zeiten: Für viele drückt «I Don’t Like Mondays» von den Boomtown Rats die ganz normale Übellaunigkeit aus, die man empfindet, wenn das Wochenende vorbei ist.

Dabei wurde das Lied inspiriert von einem Schulmassaker im Jahr 1979. Die 16-jährige Amerikanerin Brenda Ann Spencer, die von ihrem Fenster aus auf den Schulhof schoss. Auf die Frage eines Radioreporters: «Sag mir warum?», antwortete sie: «I don’t like mondays.» Der Brite Bob Geldof schrieb das Lied, nachdem er die entsprechende Meldung zufällig gelesen hatte.

Wie im Fall des Montagssongs entstehen Songmissverständnisse meist dadurch, dass jemand nur den Titel kennt oder sonst nur hört, was er hören will. Die Deutung kann sogar das Gegenteil des Gemeinten sein. «Born In The USA» etwa ist kein Loblied auf die Vereinigten Staaten, sondern das Gegenteil. Ronald Reagan missverstand und wollte den Anti-Republikaner-Song für seinen Wahlkampf. Bruce Springsteen verbot es.

Songmissverständnisse können Musikern schaden oder nützen. «Burli» von der Ersten Allgemeinen Verunsicherung wurde lange nicht im Radio gespielt, weil man es für behindertenfeindlich hielt. In Wahrheit war das Lied über den kleinen Burli mit seinen grotesken Missbildungen eine Anti-Atomkraftsatire.

Wenn Liebe wie Hämorrhoiden brennt

Ein missverstandener Titel kann den Verkauf aber auch aus unguten Gründen fördern. «Killing An Arab» von The Cure aus dem Jahr 1978 wurde während des Golfkriegs und nach 9/11 von US-Radiosendern ausgegraben und rauf und runter gespielt. Dabei bezog sich der Songtext ursprünglich auf eine literarische Figur, den Meursault aus Albert Camus’ Roman «Der Fremde».

Manchmal wird ein Titel umgedeutet. «Ring Of Fire» von Johnny Cash etwa wurde von einer US-Werbefirma benutzt, um eine Hämorrhoidensalbe zu bewerben; schliesslich brennt bei dieser Erkrankung ja der ringförmige Schliessmuskel auch.

Behrendt fährt eine Menge an Beispielen auf, alle minutiös belegt wie in einer Studie, aber mit Witz beschrieben. Man nehme etwa die an Modern Talking angelehnte Kapitelüberschrift «Modern Stalking». Das Kapitel handelt von «Every Breath You Take» von The Police, das nicht von einem Verehrer, sondern von einem Stalker erzählt.

Für das Schlusskapitel hob sich der Autor einen Leckerbissen auf: die berühmte Anfangsszene aus dem Film «Reservoir Dogs» von Quentin Tarantino. Da erklärt ein Gangster namens Mr. Brown (Tarantino selber) seinen Kumpanen den Inhalt von Madonnas «Like A Virgin»: Das sei allen Ernstes eine «Metapher für einen grossen Schniedel».

Irene Widmer (SDA)

kultur@luzernerzeitung.ch

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