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BUCHVERNISSAGE: Fehlerhafte Texte liefern Stoff für ein neues Kunstbuch

Am Samstag wird im Rahmen des Comix-Festivals Fumetto Luca Schenardis Buch «Meyer spricht von Gratiskaffee» vorgestellt. Der Urner Illustrator hat zwei Jahre lang Teletext-Fehler gesammelt.
Der Zufall hat in Luca Schenardis neustem Buch besten schwarzen Humor geschaffen. (Bild: PD)

Der Zufall hat in Luca Schenardis neustem Buch besten schwarzen Humor geschaffen. (Bild: PD)

Schon als Kind hat Luca Schenardi die Teletext-Seiten im Fernsehen gerne aufgerufen. «Es hat etwas Beruhigendes an sich, diese Seiten anzuschauen», sagt der 39-jährige Urner Illustrator. Auf der Fernbedienung klickte er sich mit Interesse durch die Schlagzeilen. «Die Schrift und die Gestaltung waren stets schlicht gehalten», so Schenardi. «Es sah über all die Jahre immer gleich aus. Eigentlich änderte sich nichts am Erscheinungsbild.»

Und dann passierte es: Nach der Umstellung von analogem auf digitales Fernsehen fielen Schenardi bei der Benutzung des Teletexts rätselhafte Satzkombinationen auf. Teletext-Schlagzeilen waren nach diesem technischen Umbruch durcheinander gemischt und scheinbar zufällig Sender übergreifend neu zusammengesetzt worden.

Gratiskaffee für Pegida-Demonstranten

Vorerst schenkte Schenardi dem Phänomen wenig Beachtung. Ende 2014 stolperte er aber über folgende Textpassage: «In Dresden haben am Abend erneut Anhänger und Gegner des Pegida-Bündnisses demonstriert. Nach Polizeiangaben waren etwa 17500 Pegida-Aktivisten zur Semperoper gekommen. Meyer spricht von Gratiskaffee ...»

Die Meldung fand er derart speziell, dass er begann, die Teletext-Seiten systematisch zu durchforsten. Er hielt die fehlerhaften Zeilen in A5-Heften fest und versah sie mit skizzenhaften Illustrationen. In den kommenden Wochen und Monaten kam ein grosser Fundus zusammen. Schenardi füllte nicht weniger als 23 A5-Hefte. Auf 800 Seiten ist seine Sammlung inzwischen angewachsen.

«Das Thema ist sehr aktuell: Zurzeit sind Fake News in aller Munde», sagt Schenardi. Betrachtet man die vielen Seiten im neuen Buch, wird eines schnell klar: Zum Lesen sind die ge­fundenen fehlerhaften Texte recht unterhaltsam. Der Zufall hat dem Künstler geholfen, besten schwar­zen Humor zu schaffen. Mit seinen Arbeiten ist der Urner weit über die Zentralschweiz hinaus bekannt. Er illustriert für die «Neue Zürcher Zeitung», die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» und das Musikmagazin «Rolling Stone». Schenardis neues Buch «Meyer spricht von Gratiskaffee» ist in der Edition Patrick Frey erschienen. Auf 200 Seiten werden die Texte und Illustrationen zu den fehlerhaften Teletext-Seiten abgedruckt. Die renommierten Grafiker Megi Zumstein und Claudio Barandun haben sich um die Gestaltung gekümmert. «Es ist für mich eine tolle Sache, dass ich in einem renommierten Verlag mein Buch herausgeben kann», sagt der Illustrator erfreut. «In der Kunstszene ist es ein Privileg, bei Patrick Frey ein Buch zu machen», so der Künstler.

Schenardi hat nun einiges in der Agenda. Morgen Samstag um 16 Uhr findet im Erfrischungsraum an der Rössligasse 12 in Luzern die Vernissage des Buchs und die Eröffnung der Ausstellung statt. Dabei gibt es ein Künstlergespräch zwischen Verleger Patrick Frey und Luca Schenardi. Zudem findet am kommenden Mittwoch, 5. April, 18 Uhr, in der Buchhandlung Kunstgriff an der Limmatstrasse 270 in Zürich eine Buchvorstellung und Lesung statt. Am Samstag, 8. April, nimmt Luca Schenardi in Luzern an einem Podiumsgespräch im Rahmen von Fumetto teil.

Schenardis Ausstellung dauert bis zum nächsten Sonntag, 9 April. Die Ausstellung im Rahmen von Fumetto sei für ihn ein Höhepunkt. Es gibt für den Betrachter einiges rund um die Entstehung des Buchs zu sehen. Gezeigt werden auch die Originalhefte mit allen Skizzen und Texten zu den Fehlern im Teletext. «Zurzeit erfahre ich grosse Medienaufmerksamkeit», sagt der Urner und freut sich. «Das ist eine sehr gute Gelegenheit, meine Arbeit einem grossen Publikum zu zeigen.»

Der Spuk bleibt für Schenardi ein Rätsel

Das mit den durcheinandergewirbelten Sätzen im Teletext hat sich immer noch nicht gelöst. Bis zum heutigen Tag ist Schenardi dieser Spuk, den er auf seinem Fernsehgerät feststellen konnte, ein Rätsel geblieben. Doch darüber hat er sich nicht geärgert – im Gegenteil. «Die Fehler sind ein Geschenk für mich.» Und vor allem lieferte ihm sein Fernsehgerät dadurch viel Stoff für seine künstlerische Arbeit.

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

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