Bühne
Le Théâtre sagt Musical für Ende August ab – das nächste Stück «Der Ball» steht aber schon in den Startlöchern

Das Emmer Musicalhaus verschiebt «On Your Feet» auf Ende 2022 und präsentiert ein neues Stück für dieses Jahr.

Stefan Welzel
Drucken
Teilen
Im Musicalhaus Le Théàtre Emmen soll es im Dezember und dem Stück «Der Ball» wieder losgehen.

Im Musicalhaus Le Théàtre Emmen soll es im Dezember und dem Stück «Der Ball» wieder losgehen.

Bild: Le Théâtre Emmen

Zentralschweizer Latin-Pop- und Musicalfans müssen sich noch etwas gedulden. Der Start der Produktion «On Your Feet» über das Leben und Wirken der grossen Sängerin Gloria Estefan im Le Théâtre Emmen war auf Ende August geplant. Nun geben die Verantwortlichen bekannt, dass sie das Musical in den Winter 2022/23 verschieben.

Gleichzeitig kündigt das Le Théâtre eine neue Produktion auf den Dezember dieses Jahres an: Wenn weitere pandemische Hürden ausbleiben, soll es zur Schweizer Erstaufführung und Adaption des Broadway-Stücks «The Prom» (bei uns vor allem bekannt durch die Netflix-Verfilmung mit Meryl Streep und Nicole Kidman) kommen. Unter dem übersetzten Titel «Der Ball» wird die Handlung dabei von den USA ins Luzerner Hinterland und nach Berlin verlegt.

Sie wollen als Paar zum Abschlussball: Setzen sie sich durch? Ausschnitt aus der Netflix-Verfilmung des Musicals «The Prom».

Sie wollen als Paar zum Abschlussball: Setzen sie sich durch? Ausschnitt aus der Netflix-Verfilmung des Musicals «The Prom».

Bild: PD

Die vorläufige Absage und Verschiebung von «On Your Feet» führt Sonja Greber, Co-Leiterin des Hauses, auf das zu grosse Risiko zurück. Die neusten Covid-19-Verordnungen geben zwar vielen Kulturveranstaltern und -freunden die Hoffnung auf bessere Zeiten zurück, doch laut Greber ist für die Durchführung einer grossen Musicalproduktion «die Liste der Unwägbarkeiten nach wie vor ellenlang, das internationale Umfeld, woher ein Grossteil unserer Künstlerinnen und Künstler stammt, zu labil punkto Coronavorschriften».

Hinzu kommt die Frage nach der Anzahl an Plätzen, die tatsächlich in den Verkauf gehen können. Grebers Co-Leitungskollege Andréas Härry (untenstehend lesen Sie das Interview) über die Grenze, ab welcher eine Produktion rentabel ist: «Wir brauchen 80 Prozent Auslastung. Alles, was drunter ist, muss via Ausfallentschädigung kompensiert werden, was ja aktuell geschieht oder geschehen soll, wenn das entsprechende Gesetz im Kantonsrat durchgeht.»

«Dicken Fisch» an Land gezogen

Generell haben vorab die enge Partnerschaft mit der Gemeinde Emmen (Mieterleichterungen), die Sponsoren und der Förderverein Les Amis du Théâtre das Haus am Leben gehalten, wie Härry ausführt. «Die wahren Freunde lernst du in der Krise kennen.» Kurzarbeitgelder seien auch immer geflossen, das habe alles funktioniert, so Härry. Mit der neuen Produktion «Der Ball / The Prom» habe man nun einen «dicken Fisch» nach Emmen ziehen können, wie die Co-Leitung stolz verkündet.

Das Musical basiert auf wahren Begebenheiten über ein lesbisches Highschool-Paar und treffe den Geist der Zeit. «Im Stück wird das Topthema geschlechtliche Vielfalt und Toleranz nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit Charme, Humor, Gefühl und süffigster Musik behandelt», sagt Härry. Ein 24-köpfiges Ensemble singt und tanzt ab dem 11. Dezember, Regie führt Silvio Wey.

Als wie sicher stuft Härry das Stattfinden des neuen Musicals ein? «Betreffend Pandemieentwicklung glauben wir, dass eine Handling-Sicherheit zumindest bis im Winter bestehen wird.» Im Vergleich zu «On Your Feet» und dem Ensemble, das teils aus Übersee stammt, habe «Der Ball» den Vorteil, dass die ganze Besetzung aus Künstlerinnen und Künstler aus dem deutschsprachigen Raum bestehe. «Deutschland, Österreich und die Schweiz – das wird machbar sein», ist Härry zuversichtlich.

Die bereits verkauften Tickets für «On Your Feet» behalten ihre Gültigkeit. Auf Wunsch können die Karten in Tickets für «Der Ball» umgetauscht werden.
Weitere Infos: www.le-theatre.ch


Herr Härry, wie sind Sie gerade auf das neue Musical «The Prom» und das Thema der lesbischen Liebe und deren Ausgrenzung gestossen?

Le Théàtre-Co-Leiter Andréas Härry.

Le Théàtre-Co-Leiter Andréas Härry.

Philipp Schmidli (Emmen, 7. September 2018)

Härry: Wir suchen immer neue Stoffe für die Schweiz. Man beachte unsere CH-Premieren der letzten Jahre wie «Sister Act», «Rock of Ages» und eigentlich auch «On Your Feet». Auf «The Prom» sind wir anhand der Kritiken vom Broadway, die wirklich einhellig waren, gestossen. Im Stück wird das Top-Thema geschlechtliche Vielfalt und Toleranz nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit Charme, Humor, Gefühl und süffigster Musik behandelt. Diese Show bewirkt sicher mehr Gutes für das Thema als viele Politikerinnen- und Politikerstatements. Das hat uns überzeugt, wir wollten die Ersten sein in Europa, die dieses Musical professionell zeigen.

Sie haben die Rechte an dieser ersten professionellen Inszenierung ausserhalb der USA erworben. Ist so was nicht ziemlich teuer?

Bei jedem verkauften Ticket geht ein Prozentsatz an die Urheber und den Verlag. Der Rest ist Verhandlungssache. Beim Aushandeln von Rechten profitieren wir im Le Théâtre von unserem Ruf in der Branche. Man gibt uns gerne Erstaufführungen in Deutsch oder Schweizer Premieren, weil die Urheber wissen, dass wir keine Stücke nachhaltig imagemässig «vercheiben». Wir gehen sorgfältig damit um, machen die Show auch für ganz grosse Bühnen spielbar. Ein Beispiel ist das Musical «Flashdance». Vor Le Théâtre war das überall ein Flop. Wir haben die deutsche Erstaufführung mit viel Detailarbeit gemacht, und mit grossem Erfolg.

Wie viele Besucher brauchen Sie pro Vorstellung, um wirtschaftlich rentabel zu sein?

Wir brauchen 80 Prozent Auslastung. Alles, was drunter ist, muss via Ausfallentschädigung kompensiert werden, was ja aktuell geschieht, oder geschehen soll, wenn das entsprechende Gesetz im Kantonsrat durchgeht.

Wie stehen sie finanziell da? Sind staatliche Stützen ausreichend geflossen, um den Betrieb von Le Théâtre auch in Zukunft zu gewährleisten?

Was uns vorab am Leben gehalten hat ist die enge Partnerschaft mit der Gemeinde Emmen und deren Mieterleichterungen, unsere Sponsoren und unser Förderverein «Les Amis du Théâtre». Die wahren Freunde lernst du in der Krise kennen. Wir kennen sie jetzt alle, wir erlebten wirklich berührende Momente. Kurzarbeits-Gelder sind auch immer geflossen, das hat alles funktioniert. Ausfallentschädigungen sind noch nicht eingetroffen, da warten wir – wie die ganze Luzerner Kultur-Szene – auf den Kantonsrats-Entscheid und die anschliessenden Auszahlungen. Ich pflege zu sagen: Wenn schon Covid, dann bitte in der Schweiz. Wenn wir hören, wie Berufskolleginnen und -kollegen im Ausland aktuell rudern, müssen wir eingestehen, dass es uns eigentlich noch ganz ordentlich geht.

Wie sicher schätzen Sie die Lage ein, dass es im Winter tatsächlich wieder mit «Der Ball» losgehen kann? Nicht zuletzt ist es ja auch eine Frage, wie international besetzt so ein Ensemble ist.

Was die Pandemie-Entwicklung betrifft, glauben wir, dass zumindest eine Handling-Sicherheit bis im Winter bestehen wird; das betrifft unter anderem Aspekte wie Kapazitäten, Abstände und dergleichen. Das stellt aktuell ja eine «Finger-in-die-Luft-Übung» dar. Der Cast für «Der Ball» besteht nur aus Künstlerinnen und Künstler aus dem deutschsprachigen Raum: Deutschland, Österreich und die Schweiz - das wird machbar sein. Bei «On Your Feet» haben wir Leute aus den USA.

Aktuelle Nachrichten