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BÜHNE: Luzerner Theater wühlt in menschlichen Abgründen

In seiner neusten Produktion wühlt das Luzerner Theater tief in menschlichen Abgründen. Die Schweizer Sängerin Marina Viotti erklärt, warum Trauer und Schmerzen derart starke Kräfte sind.
Roman Kühne
Sängerin Marina Viotti (31) will Emotionen vermitteln, aber nicht zu viel: «Das Publikum muss seine eigenen Gefühle entwickeln können.» (Bild: Ingo Höhn (27. Februar 2018))

Sängerin Marina Viotti (31) will Emotionen vermitteln, aber nicht zu viel: «Das Publikum muss seine eigenen Gefühle entwickeln können.» (Bild: Ingo Höhn (27. Februar 2018))

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Es gibt kein Libretto, keine Partitur, ja bis vor kurzem gab es noch nicht einmal eine Geschichte. Mit dem Projekt «Flow My Tears – Das letzte Fest» begibt sich das Luzerner Theater auf ein Abenteuer. Unter der Regie von Wouter Van Looy, der in Luzern schon die «Zauberflöte» gestaltete, wurde in den letzten Wochen eine Oper entwickelt. Oder besser ein Singspiel. Denn der gewählte Komponist John Dowland hat zwar vieles komponiert, aber keine Oper.

In der Hauptrolle singt Marina Viotti, die in Luzern unter anderem die Isabella in «L’italiana in Algeri» interpretiert hat. Sie erklärt: «Die Musik von John Dowland ist voll von Wehmut und Trauer. Dies ist typisch für die Kunst dieser Zeit. Aber es ist nicht ein Schmerz, an welchem die Menschen verzweifeln. Das Leiden ist hier eher ein Accessoire.»

Schwermut als Lifestyle-Produkt

Denn im 16. Jahrhundert war es in England, zumindest in besseren Kreisen, durchaus chic, sich einer gewissen Melancholie hinzugeben. Für Künstler wie John Dowland war die Schwermut eine Inspirationsquelle. Marina Viotti ist überzeugt, dass dies auch heute noch so ist: «Du brauchst die dunkle Seite. Die Traurigkeit ist immer da, wenn ich etwas gestalte, aber nicht isoliert, sondern zusammen mit der Hoffnung. Licht und Schatten sind Geschwisterpaare.»

Doch es darf auch nicht zu viel sein. Für die gebürtige Lausannerin und in Frankreich aufgewachsene Marina Viotti ist die richtige Balance wichtig. Sie möchte nicht, dass die Emo­tionen überhandnehmen und es pathetisch wird: «Das Publikum muss seine eigenen Gefühle entwickeln, seine eigene Vergangenheit hinterfragen. Ich führe es ­lediglich.»

Die Inszenierung am Luzerner Theater untersucht hingegen mehr die verschiedenen Stadien des Kummers, der etwa aus einem Verlust entsteht. «Es ist wie eine Reise rund um das Herzweh der Kompositionen», führt Marina Viotti aus. «Wir schreiten musikalisch durch die fünf Phasen der Trauer: Zurückweisung, Zorn, Handeln mit Gott, Depression und Akzeptanz.» Der Sängerin Rolle ist es, das Publikum und das Stück durch das allgemeine Klagen zu führen. Sie ist die Vermittlerin zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen.

Dem Göttlichen? Marina Viotti dazu: «Die Philosophie, etwa diejenige von Platon, geht davon aus, dass wir alle dieses Göttliche in uns tragen und nach ihm suchen. Früher passierte dies in der Kunst, heute mehr in der Meditation und Ähnlichem.»

«Ich brauche die Stimme auch als Instrument»

Diese Themen werden natürlich nicht sich selber überlassen, sondern aktiv in die Moderne übertragen. Neben der traditionellen Laute kommt auch die elektrische Gitarre zum Einsatz. Marina Viotti erklärt: «Die Musik von John Dowland, die Kunst dieser elisabethanischen Zeit ist eigentlich sehr modern. Für mich ist die Aufführung künstlerisch ebenfalls sehr interessant. Ich brauche die Stimme nicht nur zum Singen, sondern auch als Instrument. Ich mache Geräusche, ich tanze. Es ist mehr eine Performance denn ein einfaches Konzert.»

Die Musik von John Dowland ist auch für andere zeitgenös­sische Künstler Ideengeber und Moderne zugleich. Schon vor 10 Jahren tourte der Rockmusiker Sting mit seinen Stücken durch Europa. Marina Viotti geht sogar noch weiter: «Für mich hat diese Musik vieles vom Gothic Rock. Die Farben der Klänge, Texte wie ‹In the darkness let me dwell› – ‹In der Dunkelheit lass mich wohnen› – sind wie geschaffen für eine Metal-Band.» Sie muss es wissen. Jahrelang hat sie für die gotische Band Soulmaker die Stücke geschrieben und diese auch gesungen.

Hinweis
«Flow My Tears – Das letzte Fest». Premiere am Freitag, 19.30 Uhr, im Globe des Luzerner Theaters. Weitere Vorstellungen bis zum 10. März. Einführung jeweils 45 Minuten vor Beginn.www.luzerntheater.ch

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