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BÜHNE: Mutters Zettel holte ihn nach Hause zurück

Seit 13 Jahren lebt Schauspieler Urs Stämpfli in Berlin. Jetzt kehrt der gebürtige Krienser mit einem eigenen Stück in seine Heimat zurück. In «Heimkehricht» sinniert er über Familienstrukturen und versucht in Worte zu fassen, was sprachlos macht.
Nadine Meier
Schauspieler Urs Stämpfli, fotografiert im Restaurant Parterre Luzern, kehrt mit seinem neuen Bühnenstück «Heimkehricht» in die Schweiz zurück. (Bild: Dominik Wunderli (9. Mai 2018))

Schauspieler Urs Stämpfli, fotografiert im Restaurant Parterre Luzern, kehrt mit seinem neuen Bühnenstück «Heimkehricht» in die Schweiz zurück. (Bild: Dominik Wunderli (9. Mai 2018))

Nadine Meier

kultur@luzernerzeitung.ch

Angefangen hat es mit einem Zettel. Eine von den Mitteilungen, die seine Mutter jeweils für ihn aufbewahrt. Letztes Jahr war es eine Ausschreibung der Nachwuchsplattform «Tankstelle Bühne» – ein Förderprogramm für Zentralschweizer Kulturschaffende. Als erfolgreicher Schauspieler braucht Urs Stämpfli solche Sprungbretter eigentlich nicht mehr. Der bald 40-Jährige steht seit Jahren auf der Bühne und ist mit Gastspielen im deutschsprachigen Raum unterwegs.

In etwas ist er indes noch Neuling: Produzent seines eigenen Stückes zu sein. Somit erfüllte er die Bedingungen der Tankstelle trotzdem, reichte sein Projekt ein und gewann 2017 prompt. Sein Ein-Personen-Stück «Heimkehricht» kam gar so gut an, dass Stämpfli von den Initiatoren ermutigt wurde, es zur abendfüllenden Produktion auszubauen und nun an den «Heimspielen» 2018 zu zeigen – ein Festival, das Zentralschweizer Kunstschaffende auf die Bühne bringt.

Abschiednehmen von einem dementen Vater

Dieser Rahmen passt gut. Das Stück dreht sich ums Abschiednehmen von einem dementen Vater sowie um die damit verbundene Rückkehr in die Heimat und spielt dabei mit autobiografischen Elementen, Fiktion und dokumentarischem Material aus der Innerschweiz.

Der gelernte Buchhändler Urs Stämpfli kam über Umwege zum heutigen Beruf. So entdeckte er seine Vorliebe für das Schauspielern als Radiomoderator beim Luzerner Radio 3FACH. In seiner eigenen Sendung «Stu in der Nacht» ermunterte er die Zuhörenden, anzurufen und ein wenig mit ihm zu plaudern. Natürlich war das eine Einladung für die Leute, ihn auf den Arm zu nehmen. Stämpfli hatte zwei Möglichkeiten: «Entweder lasse ich mich von den Leuten, die anrufen, an der Nase herumführen, oder ich spiele mit», sagt er. So entstand daraus ein Sammel­surium an absurden Dialogen, die ihm grossen Spass machten und ihn ermutigten, für ein Schauspielstudium vorzusprechen.

Nach einer Schauspielausbildung in Zürich zog er 2005 nach Berlin, spielte ausgedehnte Tourneen mit Shakespeare und Partner in ganz Deutschland und landete danach am Maxim Gorki und Kurfürstendamm Theater. Die letzten Jahre in Berlin nutzte er auch, um sich ein Netzwerk aufzubauen – was in einer Stadt wie Berlin, in der es bereits eine Unmenge an Schauspielern gibt, besonders wichtig ist.

Trotzdem, oder gerade deswegen, liegt ihm daran, nach all diesen Jahren mal etwas in der Schweiz zu machen. Mit der erfolgreichen Schweizer Filmeditorin Marion Tuor bildete er das Künstlerkollektiv Agglo Nord. Gemeinsam mit ihr entwickelte er das Mundartstück «Heimkehricht». Wobei sie schon mal die Essenz eines 50-seitigen Word-Dokuments herausfilterte, wenn Stämpfli drauflos getextet hatte.

Das knapp einstündige Werk schöpft denn auch aus ihrem gemeinsamen Fundus an Erfahrungen, ist aber so fiktional, dass sich auch andere Menschen in ihren Geschichten wiedererkennen können. So schreibt zum Beispiel der Schweizer Autor Dominik Busch über das Stück: «Da redet einer von sich, aber am Ende sind wir alle gemeint.»

Erfahrungen des Menschseins

Mit 40 komme man eben in ein Alter, in dem plötzlich diese Themen kommen, sagt Stämpfli, die Vergänglichkeit aufzeigen und das Menschsein ausmachen. Wie zum Beispiel die Eltern, die von ihren Ärzten Diagnosen bekommen, Sauerstoff brauchen, oder ein Vater, der bereits Kleinigkeiten beginnt zu vergessen.

«Ich finde es schön, dass das Theater solche Themen liebevoll bearbeiten darf», sagt Stämpfli. Es interessiere ihn, wie man von Trauer auf der Bühne erzählt. Die Zuschauenden sollen sein Stück als Echoraum für ihre persönlichen Erfahrungen nutzen können. Das ist, was Stämpfli mit seinem Werk erreichen möchte: in Leuten etwas anklingen lassen, sie berühren, Gedanken aussprechen, die sonst geheim bleiben.

Ein wenig nervös sei er schon ­wegen nächster Woche. Er sei ja schon lange weg gewesen. Trotzdem habe er immer noch viele Freunde in der Schweiz. Sagt‘s und winkt im nächsten Moment zwei Freunden, die mit ihren ­Velos am Parterre vorbeifahren. «Jetzt kommen noch einmal zwei mehr an die Aufführung», sagt Stämpfli, als er zurück zum Tisch kommt, und lacht.

Hinweis
Spieldaten «Heimkehricht» (Eine Liebeserklärung an die eigene Familie, mit Mitteln, die diese so nicht erwartet hätte): Do, 17. und Fr, 18. Mai, 20 Uhr, Südpol Luzern.

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