BÜRGENSTOCK/FLÜELI: Die eigene Sprache des Holzes

Bis Ende Oktober stellt Reto ­Odermatt einige seiner ­Holzskulpturen beim Hotel ­Villa Honegg aus.

Merken
Drucken
Teilen
Holzskulpturen vor schöner Aussicht: Reto Odermatt stellt bei der «Villa Honegg» aus. Im Bild das Werk «Kehrsiten». (Bild: Rosemarie Bugmann)

Holzskulpturen vor schöner Aussicht: Reto Odermatt stellt bei der «Villa Honegg» aus. Im Bild das Werk «Kehrsiten». (Bild: Rosemarie Bugmann)

Rosemarie Bugmann

«Ich bin der Ansicht, dass das Naturmaterial Holz eine eigene Sprache spricht», schreibt Reto Odermatt in seinem Lebenslauf zu seiner Philosophie. Reto Odermatt, Koch, Künstler. «Ich bin Kunsthandwerker», präzisiert er. Die Kochlehre hat er gemacht, weil ein Onkel, ebenfalls Holzbildhauer, ihm zu einem Beruf geraten hat, mit dem er seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Acht Jahre hat Reto Odermatt in der Gastronomie gearbeitet. Dann besuchte er einen anderen Onkel in den USA, der sich auf Eisskulpturen spezialisiert hatte. «Zuerst habe ich Handlangerarbeiten gemacht, bis ich selber eine Eisskulptur herstellte».

Schule in Brienz besucht

Der Onkel hat ihn motiviert, diesen Weg, der ihm irgendwie schon in den Genen lag, weiterzuverfolgen. So entschloss sich Reto Odermatt, die Schule für Holzbildhauerei in Brienz zu besuchen. Jetzt arbeitet er als selbstständiger Kunsthandwerker, er hat sich mit seiner Frau und den drei kleinen Söhnen in Flüeli-Ranft niedergelassen. Atelier und Privatleben unter einem Dach, das braucht eine grosse Disziplin. «Ja, ich halte meine Arbeitszeiten ein», sagt er dazu. Nur, Talent allein reicht nicht, Geschäftssinn gehört auch dazu. «Das habe ich in der Gastronomie gelernt», fährt er fort.

«Kehrsiten» auf dem Bürgenberg

Neben seinen Auftragsarbeiten nimmt er sich Zeit, seine eigenen Ideen zu verwirklichen. Vier davon sind zurzeit bis Ende Oktober im Park des Hotels Villa Honegg auf dem Bürgenberg zu sehen. «Gebannt», «Ineinander», «Hoch hinaus» und «Kehrsiten» sind an prominenter Lage mit zum Teil herrlicher Aussicht ausgestellt. Alle Skulpturen sind aus einem Stück geschnitzt. «Das ist Ehrensache in der Holzbildhauerei», betont Reto Odermatt. Von jeder Skulptur kennt er die Herkunft und auch das Fälldatum.

Holz von der «Marienlinde»

Speziell ist die Geschichte der «Kehrsiten». Auf den ersten Blick sieht die Skulptur aus wie zwei zufällig ­daliegende geschälte Baumstämme. Beim genauen Hinsehen fällt auf, dass sie hohl sind und dass innen die Baumrinde eingeschnitzt ist, ein umgekehrter Baum sozusagen. Dazu kommt, dass das Holz von der gefällten Linde bei Kehrsiten stammt. Die «Marienlinde» überlebte mehrere Generationen, und ihr Ende vor ein paar Jahren gab sehr viel zu reden. Durch die Skulptur von Reto Odermatt lebt sie nun weiter. «Mit der Installation der ‹Kehrsiten› zeige ich auf, dass das Geistige der Geschichte nun mit der Rinde im Inneren geschützt ist und noch viele Generationen nachhaltig weitergetragen wird», schreibt Reto Odermatt zu seinem Werk.

Auch die anderen drei Skulpturen haben ihre Geschichte und viele Gedanken im Hintergrund und die eingangs erwähnte eigene Sprache des Naturmaterials Holz. «Es ist meine Aufgabe, diese Sprache den Menschen weiterzugeben, indem ich vom Holzstück die schönsten Seiten seines Seins freilege» so Reto Odermatt, dem es gelungen ist, seine Berufung zum Beruf zu machen.

Hinweis

www.retoodermatt.ch