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CAMPUS: Wenn der Professor mit der Studentin ausgeht

Die #MeToo-Debatte hat die Wissenschafter kalt erwischt. Geplänkel zwischen Professoren und Studierenden sollen an US-Universitäten verboten werden.
Christina Horsten, dpa
Hierarchien und Abhängigkeiten, wie sie zwischen Dozenten und Studierenden bestehen, bilden die Grundlage für Missbrauch. (Bild: Getty)

Hierarchien und Abhängigkeiten, wie sie zwischen Dozenten und Studierenden bestehen, bilden die Grundlage für Missbrauch. (Bild: Getty)

Christina Horsten, DPA

Vor gut einer Woche wurde öffentlich, dass die University of California ein Ermittlungsverfahren wegen sexueller Belästigung gegen den Astronomieprofessor Geoffrey Marcy anstrengt. Vor gut einem Monat berichtete der Dachverband der US-Universitäten über eine alarmierend hohe Zahl von Opfern sexueller Gewalt, die sich auf dem Gelände der Hochschulen ereignet hat. Und eine Studie hat zusammengetragen, dass die Mehrzahl aller befragten Graduierenden und Postdocs der Fächer Anthropologie und Archäologie über Belästigungen bei der Arbeit im Feld klagten.

Grosse Verunsicherung bei den Wissenschaftern

Der Rede- und Handlungsbedarf in Sachen sexuelle Übergriffe an Universitäten ist riesig. Und das Thema prägte auch die weltgrösste Wissenschaftskonferenz der AAAS (American Association for the Advancement of Science), die gestern in Austin zu Ende ging. An der Diskussionsveranstaltung zum Thema «Belästigung in Wissenschaft und Technik» gingen die Hände im Publikum immer wieder in die Höhe, auch als die Veranstaltung längst zu Ende sein sollte.

«Die Wissenschaft in den USA ist in dieser Hinsicht wahrscheinlich nicht besser oder schlechter als andere Branchen», sagt Shirley Malcolm, die bei der AAAS für Bildung und Personal zuständig ist. Die Forscher ringen mit sich, das wird schnell deutlich. Eigentlich sehen sie sich an der Speerspitze der Gesellschaft beim Erkennen von Problemen und Finden von Lösungen – wie kann es da sein, dass die Universitäten und Forscherverbände des Landes erst ganz langsam überhaupt zugeben, dass es ein Problem gibt?

Die Institutionen und Verbände machen sich viele Sorgen: Wo sollen das Geld und die Kapazitäten herkommen, um all den Vorwürfen nachzugehen? Werden Vorwürfe die Finanzierung von Forschungsinstitutionen negativ beeinflussen? Zudem sei die Wissenschaft völlig anders als Hollywood, sagt Jamie Lewis Keith, Anwältin der Beratungsfirma EducationCounsel in Washington. «In der Entertainment-Industrie werden Menschen aus Filmen herausgeschnitten oder der Film wird nicht veröffentlicht. Das scheint mir in der Forschung nicht zu funktionieren.»

Die Grundlagen, die sexuelle Belästigung in der Wissenschaft möglich machen, seien die starken Hierarchien und die immer noch deutliche Mehrheit der Männer in der Forschung, gerade bei Naturwissenschaften, sagt Meg Urry, Astrophysikerin an der Elite-Universität Yale. «Wir haben keine Gleichheit von Geschlechtern in unserer Gesellschaft und unsere wissenschaftlichen Institutionen spiegeln das wider.» Sie könne gar nicht mehr zählen, wie viele Frauen zu ihr gekommen seien und ihr von ihren Erfahrungen erzählt hätten, sagt Urry. Eine ganze Bandbreite von Belästigungen sei da vertreten, nichts davon sei trivial. Eine junge Frau stellte die Ergebnisse ihrer Forschung auf einem Poster vor. «Was ist attraktiv an deinem Poster – ausser dir?», fragte ein Mann. Die Rückmeldung zu bekommen, ihre Arbeit sei weniger entscheidend für ihre Erfolg als ihr Aussehen – oder ihre sexuelle Verfügbarkeit –, habe wohl schon viele weibliche Wissenschaftskarrieren beendigt.

Beziehungsverbot zwischen Studenten und Professoren

Als Gegenmittel schlägt Urry zunächst strengere Regeln und Ethikvorgaben vor. «Professoren sollte es verboten sein, eine Beziehung mit Studenten einzugehen, die noch keinen Abschluss haben – Punkt», schreibt die Präsidentin der American Astronomical Society in einem Essay. Einige Universitäten hätten diesen Kodex bereits umgesetzt.

In der Schweiz besteht auf Nachfragen, etwa an der ETH Zürich, zurzeit kein Bedarf nach einem Beziehungsverbot auf dem Campus. Auch habe man keine Kenntnis von gehäuftem Machtmissbrauch. Mit Präventionskampagnen, die mehr Respekt einfordern, will man Belästigungen aber verhindern. Die amerikanische National Science Foundation hingegen hat die Vergabe von Fördergeldern kürzlich mit neuen Richtlinien verknüpft. Etwa, dass Universitäten klar formulieren müssen, wie sie mit Missbrauchstätern umgehen und sich dann auch konsequent daran halten müssen.

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