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CASINEUM: Die unglaubliche Leichtigkeit komplexester Rhythmen

Zwei Ensembles aus der Region verzauberten die Zuhörer im Casineum mit aussergewöhnlichen Rhythmen und Klangfarben. Sie zeigten, was mit einem riesigen Spektrum an Schlaginstrumenten alles möglich ist.
Alle Musiker im Zusammenspiel und Instrumente in Hülle und Fülle am Konzert im Casineum. (Bild: Norina Oostenbrug (23. Februar 2018))

Alle Musiker im Zusammenspiel und Instrumente in Hülle und Fülle am Konzert im Casineum. (Bild: Norina Oostenbrug (23. Februar 2018))

Wenn sich sechs professionelle Schlagzeuger zusammentun, gibt das ein Feuerwerk an Rhythmen und Klängen, das Menschen jeden Alters begeistert, gar kleine Kinder sind fasziniert. Das konnte man eindrucksvoll am Freitagabend im Casineum erleben.

Im zweiten der Feierabendkonzerte, die Gerhard Pawlica in seinem Kammermusikzyklus veranstaltet, trafen zwei beeindruckende Ensembles aufeinander. Mit einem riesigen Spektrum an Schlaginstrumenten zeigten sie, wie man Klänge aus Holz, Metall, Fell und anderem Material zaubert. Und dabei mit unglaublicher Leichtigkeit komplexeste Rhythmen zusammenbringt.

Die Feierabendkonzerte sind immer sehr gut besucht, bieten sie doch ungewöhnliche Musik mit hochkarätigen Künstlern zu kleinen Preisen in lockerem Rahmen. Dieses Mal gab es unter dem Thema «Schall und Rauch» Musik für Perkussionisten, neue Musik in unterschiedlichen Besetzungen, die Lust auf mehr machte. Viele Komponisten ­wenden sich inzwischen den vielfältigen Möglichkeiten der Perkussionsinstrumente zu und schaffen neue, hochspannende Klangverbindungen.

Von geheimnisvoll bis emotionsgeladen

Sonst an den Pauken im Luzerner Sinfonieorchester, demonstrierte Iwan Jenny seine Vielseitigkeit zusammen mit Marco Kurmann im Crusma Percussion Duo. Was da im «Lamento E Danza Barbara» von Nebosja Jovan Zivcovic (* 1962) zunächst geheimnisvoll von Marimba und Chimes (helle hängende Glockenstäbchen) erklang, steigerte sich zu einem emotionsgeladenen, exotischen Klanggemälde.

Die beiden Perkussionisten wechselten nahtlos zu anderen Instrumenten, die den ganzen vorderen Raum des Saales einnahmen. Schon vor dem Konzert bestaunten die vielen Besucher den Aufbau, in dem neben zwei Marimbas, zwei Vibrafonen, zwei Glockenspielen und zwei Drum-Sets Trommeln, Bongos, Congas, Tam-Tams und viele weitere Instrumente die Klangfülle bereits erahnen liessen.

Das Ensemble QuaDrums eröffnete das Konzert mit «Millenium Bug» von Giovanni Sollima (* 1962), in dem alle vier Musiker auf einem Marimbafon und davorstehenden Bongos und einer Trommel schon mal zeigten, welche Klänge mit einigen Schlägeln und vielerlei rhythmischen Verzahnungen möglich sind. Mit zwei Marimbas (Raphael Christen/Hans Patrick Surek), Drum-Set (Thomas Limacher) und Triangel (Christof Estermann) machten sie aus «Departures» des Franzosen Emmanuel Séjourné (* 1961) eine Reise durch fremde Welten. Leise schwebten die Töne durch den Raum, verloren sich in sanften Melodien, bevor Rhythmen an südamerikanische Tänze erinnerten, immer temperamentvoller wurden.

Mühelos handhabten die Musiker die jeweils vier Schlägel und entlockten den zwei Instrumenten eine dynamische Klangfülle, die von Drum-Set und Triangel (interessant die diversen Handhabungen des kleinen Instruments) dezent untermalt wurden.

Es folgte ein Duo an Drum-Set und Trommel, das Ivan Jenny und Marco Kurman mit wirbelnden Schlägeln spielten und dabei auch mal Plätze und Instrumente tauschten, ohne aus dem rasanten Rhythmus zu kommen. Dann spielten QuaDrum das orientalisch klingende «Udacrep Akubrad» des israelischen Komponisten Avner Dorman, indem die beiden Marimbas mit Bongos erweitert und erneut durch Drum-Set und orientalische Trommeln verstärkt wurden.

Eine Trommel, auf der man sitzt

Ganz besonders aber brachten alle sechs Musiker dann zwei ­Marimbas, zwei Vibrafone und zwei Cajons (aus Peru stammende Holzkistentrommel, auf der man sitzt) in «Catching Shadow» von Ivan Trevino (* 1983) und Becken zum Klingen. Nach sich wie im Kreis drehenden Harmonien und ekstatischen Rhythmen wurde es ruhig-kontemplativ, wobei sich die sanften Marimbaklänge mit den schwingenden Tönen der Vibrafone mystisch verbanden.

Die sechs Perkussionisten spielten wie aus einem Guss, ob in den hoch virtuosen Passagen oder in den lyrischen Teilen, von denen es durchaus mehr vertragen hätte, kamen doch da die klanglichen Möglichkeiten der Mallet-Instrumente besonders zur Geltung. Wie die Schlägel aus verschiedenen Materialien mal zart, mal hart und explosiv, dann wieder wie aus anderen Sphären klingen können, wurde eindrucksvoll inszeniert.

Mit grossen Augen verfolgten nicht nur die Kinder die bisweilen akrobatischen Bewegungen, die sich in Zauberklänge wandelten. Diese minimalistische, sich nur wenig verändernde Musik hatte eine soghafte, fast süchtig machende Wirkung. Und das Publikum reagierte mit Begeisterungsstürmen, nach denen die Zugabe «On Fire» von Michel Camillo jazzig endete. QuaDrums sind am 3. März mit dem Händelchor Luzern im Maihof wieder zu hören.

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

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