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CD: Marc Trauffer: «Das ist meine Realität»

Marc Trauffer (39) ist der derzeit erfolgreichste Schweizer Musiker. Ein Gespräch mit dem Berner «Alpentainer» über Neider, Kritik, Sexismus und Politik.
«Ich verlange von niemandem, dass er meine Musik gut findet», sagt Marc Trauffer. Hier mit Geiss Fritzli. (Bild: Adrian Bretscher, Hangar Entertainment)

«Ich verlange von niemandem, dass er meine Musik gut findet», sagt Marc Trauffer. Hier mit Geiss Fritzli. (Bild: Adrian Bretscher, Hangar Entertainment)

Interview: Michael Graber


Trauffer liebt man, oder Trauffer hasst man. Wieso polarisiert Trauffer derart?

Wenn ich das wüsste. Ich verstehe es auch nicht.

Ist es Neid?

Sicher möglich.

Und wie haben Sie sich den verdient?

Wohl durch meinen Erfolg. Wenn man so weit oben auf dem Gipfel ist wie ich, löst das automatisch Neid aus. Und wenn man dann noch sagt, dass man kein Künstler, sondern ein Unterhalter ist, löst das bei vielen Musikern einen Schüttelreflex aus. Ich verstehe ja, dass es für einige frustrierend sein kann, dass ausgerechnet ich so einen grossen Erfolg habe, aber mein eigener Einfluss daran ist gering. Viel war auch Glück.

Was ist Ihr Anteil?

Wir haben immer und überall gespielt. Dabei haben wir gemerkt: Hey, die Leute laufen nicht weg, sondern bleiben. Und es gefällt ihnen. So haben wir uns eine grosse Fanbasis erspielt. Von unserem letzten Album haben wir dann 60 000 Einheiten verkauft. Irgendetwas müssen wir richtig gemacht haben.

Trifft Sie angesichts solcher Erfolge Kritik überhaupt noch, oder wird sie einem irgendwann egal?

Natürlich wird sie mit der Zeit einfach egal. Was mich nervt, ist dann, wenn es unfair wird.

Ab wann ist es unfair?

Ich verlange von niemandem, dass er meine Musik gut finden muss, aber man sollte zumindest ernst nehmen, dass es Leute gibt, die sie gut finden. Ich sage dann oft: Kommt doch mal an ein Konzert von mir. Ihr müsst die Songs nicht mögen, aber schaut mal, wie viel Freude sie auslösen.

Vieles an Trauffer wirkt aber auch berechnend. Etwa die zahlreichen Schweiz-Klischees in den Texten. Es geht um Berge, Käse und den Stammtisch im «Rössli».

Die Leute vergessen, dass das meine Realität ist. Wenn ich aus dem Haus komme, sehe ich die Berge. Wir haben in unserer Region noch ein «Rössli». Käse esse ich auch gerne. Meine Firma stellt Spielzeug aus Holz her, darunter viele Kühe. Das ist meine Welt und darüber erzähle ich in meinen Texten. Alles andere wäre irgendwie komisch.

Die Welt von Trauffer hört doch nicht bei den Alpen auf.

Das sage ich ja gar nicht. Sie werden auch keinen Text finden, in dem ich das behaupte.

Trotzdem wirkt die Trauffer-Welt manchmal etwas klein.

Ich glaube, Sie finden etwas anderes störend: Ich habe keinerlei Bedürfnis, mich irgendwie zu entwickeln. Ich mache jetzt nicht plötzlich ein Free-Jazz-Album einfach, weil ich mich verändern will. Ich weiss, was ich kann, und ich mache, was ich kann.

Was können Sie?

Unterhalten!

Bei den Aufnahmen zu Ihrem neuen Album wurden Sie von SRF begleitet. Dabei geht es im Gespräch mit den Produzenten oft darum, was «beim Publikum funktioniert». Ist das nicht anbiedernd?

Überhaupt nicht. Eben: Ich bin ein Unterhalter. Ich will unterhalten. Und wer unterhalten will, der muss sich nach dem Publikum richten. Ich habe nicht das Bedürfnis, einen möglichst tiefschürfenden Text zu schreiben, sondern ich will, dass die Leute an meinen Konzerten ein gutes Fest haben. Da ist es doch nur logisch, dass man sich überlegt, welches Lied nun besser ankommen wird.

Also berechnend.

Berechnend oder nicht – und das glauben mir viele komischerweise nicht: Ich singe jeden einzelnen Song gerne und finde jeden einzelnen Song wirklich gut. Ich muss hinter dem stehen können, was ich mache, und das kann ich zu hundert Prozent.

Aber zumindest die Tatsache, dass Ihr neues Album in einer Alphütte, begleitet vom Schweizer Fernsehen, aufgenommen wurde, ist doch ein berechnender PR-Gag.

Das stimmt nicht. Als das Projekt entstanden ist, wussten wir nicht, dass SRF filmen will. Mir ging es darum, dass wir alle mal aus unserer Komfortzone kommen sollen. Früher hat man Alben in drei Wochen aufgenommen. Heute dauert das oft ein Jahr. Dutzendfach die gleichen Dinge einsingen, darauf hatte ich schlicht und einfach keine Lust mehr. Ich brauchte eine Veränderung.

Dabei haben Sie doch eigentlich gar kein Bedürfnis, sich weiterzuentwickeln ...

Musikalisch war das gemeint. An allem rundherum sind wir ständig am Schrauben und Pröbeln.

Hat sich der Aufwand mit der Alp gelohnt?

Ich finde schon. Zum einen glaube ich, dass meine Produzenten dank dieser Zeit besser verstehen, was ich mit Musik und Texten will, und zum anderen klingt es in meinen Ohren ungeschliffener und roher als die Vorgänger. Mir gefällt es jedenfalls.

Sie geben sich betont locker. Ist nach dem Grosserfolg der letzten Platte der Druck nicht riesig geworden?

Überhaupt nicht. Das ist vielleicht auch etwas, was viele Kritiker wütend macht: Ich muss nicht Musik machen. Verkaufe ich nur noch wenige CDs und die Säle sind plötzlich halb leer, dann höre ich halt auf und konzentriere mich auf meine Firma.

Also keine Angst vor Misserfolg?

Ich mache seit ein paar Jahren Musik und habe dabei auch begriffen, dass es immer ein Auf und Ab ist. Im Moment geht es bei mir nur nach oben, aber ich weiss auch, dass es nicht immer so bleibt und mal wieder runtergeht.

Wieso hat Trauffer all die Abs überstanden?

Weil ich fest an das glaube, was wir machen. Hätte ich das eine Sekunde nicht getan, gäbe es mich als Musiker nicht mehr.

Ihre Beharrlichkeit zahlte sich aus: Mittlerweile sind grosse Hallen voll. Von Zeitungen und vom Radio werden Sie aber grossmehrheitlich geschnitten. Trifft Sie das?

Es ist tatsächlich verrückt: Zu meinem Album «Heiterefahne» gab es kein einziges Review in einer Zeitung. Trotzdem holten wir Doppelplatin. Bei den Radiostationen finde ich es etwas tragisch – aber nicht für mich, sondern für die Sender. Die Zeiten, in denen Radio die Stars machte, sind definitiv vorbei.

Dafür sind Sie schnell in den Boulevard-Medien, etwa als Ihnen Sexismus wegen Ihrer Single «Geissepeter» vorgeworfen wurde. Da geht es um ein Heidi, das das «Röckli löpft» und die Bluse öffnet. Mit Verlaub: Dümmlich und plump ist das schon.

Es ist überzeichnete Unterhaltung! Dümmlich und plump stimmen meinetwegen, aber sicher nicht sexistisch. Die Anwürfe waren ein Hohn gegenüber allen Frauen, die tatsächlich von sexuellen Übergriffen betroffen sind. In einer Welt, in der bereits 11-Jährige Pornos auf dem Handy schauen können, hätten wir doch eigentlich andere Probleme.

Zu einer anderen Debatte haben Sie Position bezogen. Sie sprechen sich gegen die «No Billag»-Initiative aus.

Ich bin seit geraumer Zeit schockiert, wie verbissen diese Debatte läuft. Mit diesem extrem Links-rechts-Zeugs habe ich Mühe. Was fehlt in der Schweiz, ist eine vernünftige Mitte. Die ist irgendwie in den letzten Jahren komplett wegerodiert. Dabei wäre genau diese in solchen Debatten ein wichtiger Puffer, um es nicht derart eskalieren zu lassen.

Was macht Trauffer dafür, um die Mitte zu stärken?

Ich äussere mich da, wo ich etwas zu sagen habe, klar. Letzthin etwa zur Rentenreform – eigentlich gegen die Interessen meiner Firma. Aber das Ganze ist oft wichtiger als Einzelinteressen.

Für die Fasnacht

Das neue Album klingt wie Trauffer. Volkstümlicher Rock ’n’ Roll. Mit viel Örgeli, Jodel, Alphorn, Hackbrett und Texten über Erfolg und Gegenwind, Liebe oder Bier und Wurst. Das pendelt zwischen harmlos und belanglos. Es ist der Soundtrack für die nahende Fasnacht. Neo-Single Trauffer macht Musik hart am Schlager. (mg)

Trauffer: «Schnupf, Schnaps + Edelwyss» (Sony).

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