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Klub der jungen Dichter:
Der Mordfall

Celina Bosshard aus Altdorf erzählt im "Klub der jungen Dichter", wie eine Erinnerung gesucht und auf dramatische Art gefunden wird.
Celina Bosshard

Nachts um halb vier schreckte ich hoch. Und mir wurde klar, dass ich tief im Schlamassel steckte.

Celina Bossard, Altdorf, 3. Sek.

Celina Bossard, Altdorf, 3. Sek.

«Aufstehen, Loren, es ist Zeit zu gehen». Detektiv John, der sich neben mir auf einem hölzernen Stuhl platzierte, raunzte mich unfreundlich an. Vorbei mit der wohlverdienten Ruhe. Ich gehorchte und zog mir schnell eine dicke Jacke über, folgte dem grimmen Kerl zum Ausgang. Sein Atem roch nach Zigaretten und Alkohol, seine Augen gerötet von einer kurzen Nacht. Vielleicht hätte ich eine andere Entscheidung treffen können, vielleicht war ich aber in dieser Situation auch einfach nicht in der Lage gewesen, einen klaren Gedanken zu fassen. «Versuch dich zu erinnern, Loren», sage ich ­leise zu mir selbst.

Ich war kurz davor abzuschweifen, aber schon unterbrach mich John in meinen Gedankengängen. «Wir fahren zum Tik Tak, um etwas zu trinken und den Fall anzuschauen», räusperte John. Das Tik Tak war eine Bar am Stadtrand. Ein beliebter Treffpunkt. Während der Autofahrt schoss mir unverhofft eine Erinnerung durch den Kopf. Ein kalter, unheimlicher Raum, voll mit Blut. Keine Türen, keine Fenster. Drei unbekannte Personen standen bei einer Leiche. Es sah aus wie bei einer Kulisse eines billigen Horrorfilms. Dann plötzlich – eine Vollbremsung von John. Ich stiess einen Schrei aus. Er war beileibe ein schlechter Fahrer. Die Strasse nass und rutschig. John dachte, er hätte eine Katze gesehen. Irgendwann setzen wir unsere Fahrt fort.

Nach einer halben Stunde erreichten wir endlich das Tik Tak. Wir setzten uns in eine Ecke, als ein junges Bedienungsmädchen in unsere Richtung zusteuerte, um eine Bestellung aufzunehmen. Wir bestellten einen Drink. John steckte mir nun eine dicke Aktenmappe entgegen. Ich kannte den Inhalt. Meine Stimmung verschlechterte sich, weil ich vermutete, in welchen Schlamassel ich hineingeraten war. Vielleicht ohne einen Ausweg? Trotzdem öffnete ich die Mappe, holte die Unterlagen hervor.

Meine Hände zitterten. Erneut fiel ich in eine Art Wachkoma. Unerwartet sah ich in Gedanken eine weisse Frau. Sie fragte mich etwas, was ich nicht verstand. Danach streckte ich ihr ein Seil entgegen. Wortlos schritt sie mit dem Seil in der Hand durch eine Türe. Ein Geist?

Bevor ich weitere Details sah, schreckte ich erneut auf. Die Bedienung knallte meinen Drink auf den Tisch. «Bitte schön»! Ich nahm einen Schluck, musste mich jedoch fast übergeben. «Was ist das für eine Brühe?», schimpfte ich gegenüber John. Unerwartet trat ich ein drittes Mal komplett weg, sah jetzt einen Mann in einer Küche. Er hielt eine Rohrzange, zeigte abschätzend in meine Richtung. «Loren, aufwachen, Loren ...». John schüttelt mich heftig durch. Er deutete auf die Unterlagen. «Schau es dir genau an.» Ich befolgte seinen Rat und blätterte aufmerksam die zahlreichen Blätter durch.

Dabei stiess ich auf ein Foto mit einer Frau in einem weissen Kleid. Eigenartig. Irgendwie sah sie gleich aus wie die Frau in meinen Träumen. Fieberhaft versuchte ich, meine Erinnerung aufzufrischen. Tatsächlich. Ich versetzte mich in Trance.

Wiederum stand ich in besagtem Haus. Die Frau wirkte nervös, unruhig, ratlos. Auf einmal schrie sie extrem laut. Ich hielt meine Ohren zu. Glücklicherweise riss mich John aus meinem gefährlichen Zustand. Ziemlich benommen sass ich auf dem Stuhl in der Ecke vom Tik Tak, wusste nicht, wie mir geschah. Die Situation geriet ausser Kontrolle, denn ich begriff allmählich, weshalb mich solch komische Erinnerungen begleiteten und woher ich die beiden Menschen bereits kannte. «Loren, du hast zuerst den Mann mit einer Rohrzange erschlagen und die Frau mit einem Seil umgebracht. Was ist bloss mit dir passiert?» Die Handschellen klickten – dachte ich jedenfalls, bevor irgendwann der Wecker klingelte. Es war nur ein bitterböser Traum gewesen. Erleichtert atmete ich durch und wischte mir die Schweissperlen vom Gesicht.

Entscheidet mit, welche Geschichte den Spezialpreis gewinnt

Nicht weniger als 5123 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2018 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Feuer und Flamme» sowie ein Textanfang. Wir publizieren die Texte in der Print- sowie in der Onlineausgabe unserer Zeitung. Neu ist, dass ihr, liebe Leserinnen und Leser, mitvoten können. Wir vergeben nämlich einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat euch also ein Text gefallen, könnt ihr ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen.

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