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Klub der jungen Dichter:
Mister Ziegenbock

Céline Roos aus Zell erzählt im "Klub der jungen Dichter", wie ein Liebestraum etwas anders herauskommt als erhofft.
Céline Roos

Nachts um halb vier schreckte ich hoch. Und mir wurde klar, dass ich tief im Schlamassel steckte. Ich hörte den Ziegenbock vom Altersheim, obwohl er einen Kilometer entfernt war, bis hierhin meckern! Voller Entsetzen rannte ich aus dem Bett, die Treppe hinunter, raus in die dunkle Nacht, mit dem Fahrrad Richtung Altersheim.

Céline Roos, Zell, 6. Primar

Céline Roos, Zell, 6. Primar

Seit einiger Zeit hatte ich dort einen Wochen­endjob, bei dem ich die Tiere fütterte. Meine Mutter hatte mich mehr als einmal daran erinnert, dass sie an meiner Stelle diesen Job nicht annähme, da ich es eh die halbe Zeit vergessen würde, die Tiere zu füttern. Es konnte doch nun nicht sein, dass sie recht hatte. Das motivierte mich, mitten in der Nacht, im Pyjama und mit zerzausten Haaren, noch schneller in die Pedalen zu treten. Schliesslich kämpfte ich um meine Ehre.

Endlich erreichte ich ziemlich ausser Atem mein Ziel. Ich fütterte die Tiere und genoss für einen Moment die wunderbare Stille, als der Ziegenbock endlich Ruhe gab und sich genüsslich über sein Futter hermachte. Nun konnte ich ruhig wieder nach Hause fahren. Doch oh Schreck, die Türe hatte sich geschlossen und ich konnte von innen ohne Schlüssel nicht raus. Nach mehrmaligem Versuch, über den Zaun zu gelangen, musste ich schliesslich aufgeben. Nicht etwa weil er zu hoch war, nein, der Scheisszaun stand in der Nacht scheinbar unter Strom. Das Gute daran war, ich war nun gar nicht mehr so müde, anscheinend wirkten die Stromschläge aktivierend, und sogar meine sonst glatten Haare waren nun ziemlich gekraust.

Inzwischen hatten sich Mister Ziegenbock und die anderen Tiere zu mir gesellt und schauten mich fragend an. Nun steckte ich noch tiefer im Schlamassel. Nach und nach begaben sich die Tiere in den Stall und legten sich schlafen. Nur Mister Ziegenbock blieb bei mir und schaute mich immer noch an. Da ich im Moment keine andere Lösung sah, legte ich mich auch in den Stall. Das war gar nicht mal so übel, das Stroh war schön warm und weich. Zu meinem grossen Erstaunen legte sich tatsächlich mein neu gewonnener meckernder Freund neben mich. Ich war ziemlich froh darüber, schliesslich hatte ich immer noch nur meinen Pyjama an. An Mister Ziegenbock angekuschelt schlief ich schliesslich ein und landete schon bald im Land der Träume.

Ich lag am Strand, und vor mir stand plötzlich ein wirklich hübscher Junge mit wunderschönen blauen Augen und hellem Haar. Ich war ganz hin und weg von ihm. Eigentlich wollte ich ihn ja ansprechen, aber ich brach vor lauter Aufregung kein einziges Wort mehr hervor. Stattdessen setzte sich der knackige Beachboy neben mich und seine Lippen kamen meinem Gesicht immer näher. Ich muss sagen, dass er besser aussah. als er küssen konnte, und ich öffnete langsam meine Augen.

Statt des Jungen, von dem ich jetzt doch eben geträumt hatte, leckte mich eine lange schlabbrige Zunge, die aus einem haarigen Gesicht herausragte, genüsslich ab. Es war Mister Ziegenbock. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, stand auch noch der Abwart vom Altersheim mit einem breiten Grinsen im Gesicht daneben. Das war nun zu viel. Ich rannte, so schnell ich konnte, zu meinem Fahrrad und wollte einfach nur noch nach Hause. Meine Mutter hatte inzwischen schon bemerkt, dass ich nicht in meinem Bett lag und war in voller Aufregung. Als ich zur Tür hereinkam, nahm sie mich in die Arme und sagte immer wieder, wie froh sie sei, dass ich wieder da bin. Als sich alle etwas beruhigt hatten, fing ich an zu erzählen, was gestern Nacht passiert war: «Nachts um halb vier schreckte ich hoch. Und mir wurde klar, dass ich tief im Schlamassel steckte ...»

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Nicht weniger als 5123 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2018 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Feuer und Flamme» sowie ein Textanfang. Wir publizieren die Texte in der Print- sowie in der Onlineausgabe unserer Zeitung. Neu ist, dass ihr, liebe Leserinnen und Leser, mitvoten können. Wir vergeben nämlich einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat euch also ein Text gefallen, könnt ihr ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen.

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