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Interview

Benedikt von Peter: «Der Neubau wäre eine Chance für ein neues Theatermodell»

Das historische Gebäude erweitern oder durch einen Neubau ersetzen? Intendant Benedikt von Peter sagt, wieso der Theaterplatz so oder so ideale Voraussetzungen bietet für ein in der Schweiz einzigartiges Theater der Zukunft.
Urs Mattenberger
Ideal für ein Theater als Ort der Begegnung: Benedikt von Peter auf dem Theaterplatz, auf dem der Anbau oder ein Neubau zu stehen käme. Bild: Pius Amrein (20. August 2018)

Ideal für ein Theater als Ort der Begegnung: Benedikt von Peter auf dem Theaterplatz, auf dem der Anbau oder ein Neubau zu stehen käme. Bild: Pius Amrein (20. August 2018)

Benedikt von Peter, der Bericht zur Testplanung für ein neues Luzerner Theater favorisierte in vielerlei Hinsicht einen Neubau und hält doch die Option eines Anbaus an das heutige Gebäude im Rennen. Sind wir in dieser entscheidenden Frage also keinen Schritt weiter?

Benedikt von Peter: Nein, das sehe ich nicht so. Der Planungsbericht macht ganz klare Aussagen, die Grundlage für diesen Entscheid sein können. Er hält vor allem fest, dass ein Neubau nicht teurer wäre als ein Anbau an das historische Gebäude. Das ist eine wichtige Erkenntnis und dürfte viele überraschen.

Woran liegt das?

Zum einen fallen auch bei einer Renovation hohe Investitionskosten an. Das zeigt sich im Projekt der HHF Architekten in Basel, die diese Variante gewählt haben. Das Volumen des heutigen Zuschauerraums bliebe zwar erhalten. Aber ansonsten müsste das Haus praktisch ausgekernt und neu aufgebaut werden.

Und wieso sind die Betriebskosten bei einem Anbau an das heutige Gebäude höher?

Das liegt daran, dass der bestehende Theaterraum auf der Bahnhofseite liegt, der Anbau aber auf der Seite zur Jesuitenkirche zu liegen kommt. Da lassen sich Betriebsabläufe, etwa was die Bühnentechnik, Nebenräume und Anlieferung betrifft, unmöglich so optimal organisieren wie bei einem Neubau.

Der Planungsbericht spielt den Ball unter anderem jenen zu, die das Haus künstlerisch betreiben werden. Hand aufs Herz, sind Sie für einen Neubau oder für die Renovation des Altbaus?

Beides hat interessante Aspekte. Zum einen schätze ich die Intimität des heutigen Theaterraums und seine Nähe zum Publikum. Und Altes mit Neuem zu verbinden, finde ich nicht nur architektonisch interessant – im Theater ist das sogar mein Beruf (lacht). Andererseits gäbe ein Neubau die Chance, hier ohne Einschränkungen im betrieblichen Bereich ein neuartiges Haus für ein zeitgemässes Theater zu bauen und künstlerische Entwicklungen zu ermöglichen. Da sind uns heute schmerzliche Grenzen gesetzt. Es wäre ein Haus, das für ein Theatermodell steht, wie es heute in der Schweiz noch keines gibt.

Was wäre an diesem Theater so einzigartig und neu?

Dazu gehört, dass verschiedene Akteure und Institutionen letztlich mit entscheidend sind, wenn in Luzern ein neues Theater der Zukunft entstehen soll: so das Luzerner Sinfonieorchester, Lucerne Festival und auch die freie Theater- und Tanzszene. Sie alle sind wichtige Stimmen. Es braucht flexible Raumabfolgen, die gleichermassen den Charakter einer Halle, eines Wohnzimmers oder eine Guckkastenbühne bieten. Die Variabilität der Nutzung ist aber auch eine Voraussetzung dafür, dass das Theater in verschiedene soziale Kontexte integriert werden kann.

Verschiedene Zielgruppen – das ist aber nicht neu?

Nein, ich meine etwas, das viel weiter geht und wofür ein Haus an diesem zentralen Platz mitten in der Stadt ideale Voraussetzungen bietet. Es geht darum, dass das Theater vermehrt ein Ort der Begegnung wird. Ein Ort, an dem soziales Erleben, Partizipation und Vermittlung zum Kern der Theaterarbeit mit dazu gehören. Das Theater als Meeting Point: Auch das hat viel mit Infrastruktur zu tun. Das Projekt der HHF Architekten Basel finde ich spannend, weil es in der Verbindung von Alt und Neu viele Ansätze in diese Richtung bietet. Zum Beispiel mit der Möglichkeit, das Erdgeschoss nach aussen zu öffnen: Der Theaterplatz, der durch die Erweiterung und den Anbau verloren geht, wird dadurch zurückgewonnen. Der Theaterplatz als Ort der Begegnung ist in einem solch zeitgemässen Theater das Theater selber!

Das vorgeschlagene Neubau-Projekt des Luzerner Teams Bosshard & Luchsinger füllt den Theaterplatz bis nahe an die Jesuitenkirche. Ist der Platz für ein derart multifunktionales Gebäude nicht doch zu klein?

Nein, überhaupt nicht. Gerade das Projekt von Bosshard & Luchsinger zeigt, dass hier ein klassischer Theaterneubau Platz hat und in stadtplanerischer Hinsicht raffiniert sein kann. Es zeigt auch, dass man hier nicht nur das Raumprogramm unterbringen kann, das als absolut zwingend definiert wurde, sondern auch all jene Nebenräume, die notfalls ausgelagert werden könnten. Der Preis ist zwar, dass das Volumen den Platz bis nahe an die Jesuitenkirche füllt. Aber die Redimensionierung, zu der der Platz zwingt, ist so oder so wegweisend für das 21. Jahrhundert, weil er vor Masslosigkeit schützt. Darum werden wir nun auch noch überlegen, ob es noch ein räumliches Reduktionspotenzial gibt.

Also eine Reduktion nicht nur aus Kostengründen?

Die Zeit der grossen Kulturtempel ist vorbei. Man darf also nicht der Vorstellung nachhängen, dass hier ein zweites KKL gebaut wird. Theater haben eine andere Aufgabe als Konzerthallen. Aber ein kleineres, flexibel genutztes Gebäude kann genauso sexy sein wie das KKL. Entscheidend dafür ist, dass man auch in der Projektierung neue Wege geht, etwa mit einer Ausschreibung, die die Zusammenarbeit zwischen Architekten und Kulturakteuren vorsieht. Wenn man am Anfang richtig investiert, erspart man sich spätere Kosten für Nachbesserungen aller Art. Gelingt all das, könnte das Theater das nächste kulturelle und touristische Grossprojekt Luzerns werden und wäre insofern doch mit dem KKL vergleichbar.

Die Frage nach Neubau oder Anbau wird sich auch daran entscheiden, wie weit ein Abriss des heutigen Gebäudes von der Bevölkerung akzeptiert würde. Wie schätzen Sie diese Chancen ein?

Es ist jetzt sicher eine entscheidende Aufgabe, diese Empfindung gegenüber dem Haus abzuklären. Natürlich ist ein Neubau ein stärkerer Eingriff in das Stadtbild. Anderseits muss man sich auch in dieser Diskussion bewusst sein, dass ein Anbau nicht günstiger und im Betrieb teurer wäre. Und klarstellen, dass selbst die Minimalvariante, die dringend nötige Sanierung des heutigen Hauses, rund 40 Millionen Franken kosten würde, aber dem Theater und den anderen Akteuren keine Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Dann müsste man grundsätzlich diskutieren, welche Art von Theater Luzern wünscht oder braucht.

Braucht es für solche Debatten einen Kommunikator, wie es Thomas Held für das KKL war?

Nein, auch diese Fixierung auf einen Mann oder eine Frau, die es richten sollen, ist nicht mehr zeitgemäss. Heute sind es vielleicht mehrere Personen, die einen Teil von Helds damaligem Engagement übernehmen. Schon vor bald 200 Jahren wurde dieses Haus von Bürgern der Stadt Luzern gebaut. Ein neues, partizipatives Theater für das 21. Jahrhundert ginge, in einem Neubau oder im erweiterten Altbau, ein Stück weit zurück zu diesen Wurzeln.

Nächste Schritte für Januar angekündigt

In einer ersten Testplanung für ein neues Luzerner Theater prüfte das Luzerner Team Bosshard & Luchsinger die Variante Neubau sowie die HHF Architekten aus Basel die Variante Anbau ans heutige Gebäude (wir berichteten). Der abschliessende Bericht kam im Oktober aufgrund der drei eingereichten Architekturprojekte zum Schluss, dass am Theaterplatz sowohl ein Neubau wie auch eine Erweiterung des heutigen Gebäudes möglich ist. Die nächsten Schritte für die Planung eines neuen Luzerner Theaters, in die die Stadt und der Kanton involviert sind, werden momentan politisch abgeklärt und sollen im Januar kommuniziert werden.(mat)

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