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Chaotisches Lichterspektakel: Baarer veröffentlicht Videospiel

Marc Breuer will in der grössten Unterhaltungsbranche der Welt Fuss fassen.
Federico Gagliano

Marc Breuer hat sich die letzten vier Jahre nur einer Aufgabe gewidmet: ein eigenes Videospiel zu entwickeln. Seit dem 2. September ist sein Spiel namens «Devader» für PC erhältlich – doch jetzt folgt der schwere Teil. Denn auf der Internet-Vertriebsplattform für Computerspiele Steam, auf der Breuer sein Spiel veröffentlicht hat, werden täglich rund 20 neue Spiele veröffentlicht. Im September waren es insgesamt 768. Dort aufzufallen, ist eine grosse Herausforderung. Vor allem, wenn man wie Breuer seine ersten Schritte als Gameentwickler macht.

Breuer, ein Softwareentwickler aus Baar, bastelte in seiner Freizeit an einem Webprojekt in Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz (KI). «Ich erschuf eine KI-Kampfarena, danach ein kleines KI-Rennspiel. Später wurde daraus etwas komplett neues, ein richtiges Spiel», erzählt Breuer. Er tüftelte immer weiter daran, bis das Endresultat, «Devader», entstand. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Twin-Stick-Shooter. In solchen Videospielen steuert der Spieler mit einem Stick des Controllers die Spielfigur, mit dem anderen die Schussrichtung. Dabei versucht man, gleichzeitig Gegner zu treffen und deren Schüssen auszuweichen. Protagonist ist ein kleiner Roboter, der einen Planeten vor ausserirdischen, insektenähnlichen Wesen beschützen muss: «Dazu stehen ihm eine Vielzahl an Drohnen, Raketen und sonstigen Waffen zur Verfügung», so Breuer. Untermalt wird das Ganze von harter Musik, die Rock- und Electro-Elemente verbindet. Das Geschehen ist hektisch und rasant. Erste Kritiken des Spiels fielen durchaus positiv aus: Das Spiel sei nicht nur dem Genre treu, sondern auch für ein Erstlingswerk besonders gut gelungen.

Alleine auf einer Insel

Keine schlechte Leistung, da es sich Breuer nicht leicht machte: Sein Spiel baut auf Webtechnologie auf, die von wenigen zur Entwicklung von komplexen Videospielen verwendet wird. Breuer hat über die Jahre seine eigene Grundlage für «Devader» entwickelt. Während sich andere Entwickler auf bestehende Systeme für Physik, Audio und Darstellung ihrer Videospiele verlassen können, musste Breuer eigene Lösungen finden. «Das ist für mich aber auch ein grosser Reiz bei der Arbeit», so Breuer. Ein bisschen Hilfe bekam er trotzdem: Die immer grösser werdende Gemeinschaft aus Schweizer Videospielentwicklern stand ihm zur Seite. Dank der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und dem unabhängigen Verein Swiss Game Developers Association (SGDA) konnte er bereits einen Stand an der weltgrössten Videospielmesse, der «Gamescom» in Köln, aufstellen. Breuer war mit seinem Spiel auch schon an der Videospielentwicklerkonferenz in San Francisco und an Messen in der ganzen Schweiz anwesend. Den Grossteil der Kosten musste er dabei aus eigener Tasche bezahlen. Die nächste Messe steht bereits an: das «HeroFest» in Bern. Trotz der Begegnungen an solchen Messen sei es aber eine einsame Arbeit. Teilweise habe er sich wie auf einer Insel gefühlt, erzählt Breuer. Die positiven Reaktionen seien nun aber die Belohnung für seine Mühen.

Marc Breuer an der Zurich Game Show.

Marc Breuer an der Zurich Game Show.

Auch Genre-Fans haben das Spiel begeistert aufgenommen – und spielen bereits besser als Breuer. «Einige stellen bereits Rekorde auf der schwersten Schwierigkeitsstufe auf. Ich selber habe da keine Chance», gesteht er. Er hat eine ganz andere schwere Aufgabe vor sich: Das Spiel, welches 15.50 Franken kostet, muss sich rund 40 000-mal verkaufen, damit sich seine Arbeit gelohnt hat. Alleine die Übersetzung habe mehr gekostet, als sich das Spiel bisher verkauft habe. Breuer ist damit kein Einzelfall: Viele unabhängige Entwickler investieren viel Zeit und Geld in der Hoffnung, dass ihr Spiel entdeckt wird. Doch in der Flut von täglich veröffentlichten Spielen ist es schwer, nicht unterzugehen. Viele setzen auf Mundpropaganda durch Youtuber oder Streamer. In der Szene ist inzwischen weitbekannt, dass ein Video von solchen Influencern grosse Aufmerksamkeit mit sich bringt – und höhere Verkaufszahlen. Der weltgrösste Youtuber Pewdiepie hat beispielsweise bereits Schweizer Videospielen wie «Drei» und «Plug & Play» zu grosser Bekanntheit verholfen.

Die nächsten Schritte für Breuer sind deshalb klar: Zunächst will er noch kleinere Verbesserungen an «Devader» vornehmen, die er mit seiner kleinen Spieler-Community erarbeiten will. Diese ist vor allem beim Balancieren der schwierigsten Spielstufe hilfreich, da er selbst nicht gut genug spielt. Danach will er kräftig die Werbetrommel rühren. Marketing sei zwar Neuland für ihn, aber auch das gehöre zum Beruf des unabhängigen Spieleentwicklers. Sollte alles klappen, will er fest zu diesem Beruf wechseln. Ideen für weitere Spiele hätte er bereits – sein Fokus liege aber momentan komplett auf «Devader».

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