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Klub der jungen Dichter: Ein Traum geht in Erfüllung

Charleen Wismer aus Eich erzählt im "Klub der jungen Dichter", wie jemand trotz einer Behinderung etwas Grosses erreicht.
Charleen Wismer

Triiiiiiiiiing, Triiiiiiiiiiiing, Triiiiiiiiiiiiiiing. «Oh Schreck! Schon halb sieben!», dachte ich und zog schnell einen Morgenmantel über und stieg aus meinem Bett. Ich lief nach unten in die Küche, um eilig zu frühstücken, bevor ich in Windeseile meine Schulsachen zusammenpackte und zu meinem Bus lief, den ich gerade noch knapp erwischte.

Charleen Wismer, Eich, 3. Kanti.

Charleen Wismer, Eich, 3. Kanti.

Eigentlich ein ganz normaler Morgen, wie ihn jeder andere auch erlebt. Aber doch war er anders. Ich bin nämlich nicht wie alle anderen Mädchen: Ich bin blind. Und das, seit ich sieben Jahre alt bin. Jetzt bin ich stolze vierzehn und versuche mich in meinem Leben als blinder, teilweise schusseliger und manchmal trotziger Teenager zurechtzufinden. Wie alle anderen Teenager gerate ich in haarsträubende Konflikte mit meinen Eltern, in denen wir uns um irrelevante Dinge, wie «Soll ich meine Haare drei oder vier Mal die Woche waschen» streiten.

Jedoch kann ich nicht wie alle anderen mit Kollegen tanzen gehen oder eben mal schnell in den Supermarkt einkaufen gehen. Für das brauche ich alles Hilfe, eine Menge Zeit und Nerven. Viele Nerven! Aber das wäre alles nicht so schlimm, wenn ich laufen könnte. Ich meine nicht gehen – sondern laufen, so wie Usain Bolt es tut. Schon als kleines Kind wollte ich immer einmal in einen Lauf-Klub gehen und so lange rennen, bis ich nichts mehr fühle und nur noch den Wind um meine Nase spüre.

Jetzt interessiert euch sicher, warum ich denn auf einmal blind geworden bin. Das ist leider eine sehr traurige Geschichte. Zwei Tage nach meinem 7. Geburtstag ging ich mit meiner Tante in ein Einkaufszentrum, um die Gutscheine einzulösen, die ich zum Geburtstag bekommen hatte. Wir hatten eine Menge Spass zusammen. Als wir nach Hause fuhren und gerade darüber sprachen, was denn das schönste Geschenk war, das ich bekommen hatte, passierte es: Eine Katze rannte über die Einbahnstrasse, und meine Tante erschrak heftig, riss das Lenkrad herum, und wir krachten in eine Strassenbande. Das letzte, was ich gesehen hatte, war, wie die Katze durch den Aufprall durch die Luft geschleudert wurde. Meine Tante hatte nicht schnell genug reagiert und die Katze trotzdem erwischt.

Danach wurde alles schwarz und ich erwachte in einem Raum voller piepsender Geräte und mit Schläuchen in meinen Armen auf. Meine Tante hatte, weil sie auf dem Fahrersitz sass, und wir links in die Bande gekracht waren, nicht überlebt und ist, wie mir später erzählt wurde, im Krankenwagen gestorben. Ihre letzten Worte sollen gewesen sein: «Es tut mir so leid! Wenn ich wieder gesund bin, werde ich ihr jeden Wunsch erfüllen, den sie hat. Meine kleine Nichte!» Jedoch wurde sie nie mehr gesund. Jetzt wacht sie im Himmel über mich.

Das mit dem Wunsch muss Gott wohl gehört haben. Heute hat mir meine Mutter einen Zeitungsartikel vorgelesen, in dem stand, dass in Luzern in der Swissporarena ein neues Experiment stattfindet. Man will eine neue Laufbahn testen, auf der Blinde gefahrlos laufen können. Auf dieser Bahn mit speziellen Sensoren wird sofort mit lauten Tönen angezeigt, sobald du die Spur verlierst und zu stark nach links oder rechts rennst. Ich habe mich natürlich sogleich angemeldet. Obwohl ich ein bisschen Angst davor hatte, dass mein Wunsch, zu laufen, für immer zerstört sein würde, wenn dieses Experiment nicht funktionieren würde.

Dann war ich da. Ich stand am Start. Dann sagte eine wohlklingende Frauenstimme zu mir: «Sobald du dich bereit fühlst, kannst du loslaufen.» Ich atmete tief durch, dachte an meine Tante und wie sie sich wünschen würde, dass sich mein Traum endlich erfüllen würde, und lief los. Ich lief und lief, bis ich nichts mehr fühlte und nur noch den Wind an meiner Nase spürte.

Entscheidet mit, welcher Text den Spezialpreis gewinnt

Nicht weniger als 5123 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2018 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Feuer und Flamme» sowie ein Textanfang. Wir publizieren die Texte in der Print- sowie in der Onlineausgabe unserer Zeitung. Neu ist, dass ihr, liebe Leserinnen und Leser, mitvoten können. Wir vergeben nämlich einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat euch also ein Text gefallen, könnt ihr ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen.

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