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Innerschweizer Kunstszene verliert ihren Doyen

Vergangene Woche starb der Kunstmaler Charles Wyrsch kurz vor seinem 99. Geburtstag. Vieles hat sein Werk geprägt, darunter ein Schicksalsschlag. Aber auch die existenzielle Befragung seiner selbst.
Kurt Beck
Charles Wyrsch. (Bild: Melk Imboden)

Charles Wyrsch. (Bild: Melk Imboden)

Er war nicht der der lauteste, und doch machte er sofort auf sich aufmerksam, wenn er sich bei Vernissagen oder anderen Kulturanlässen zeigte. Charles Wyrsch war eine starke, ungewöhnliche Persönlichkeit der Innerschweizer Kunstszene. Und deren Doyen nach dem Tod von Hans Erni.

Eine gewisse Noblesse in ­Haltung und Kleidung pflegte er. Ein freundlicher Herr, meist in Schwarz mit Hut und Gehstock, so kannte man ihn. So bleibt er auch dank seiner zahlreichen Selbstbildnisse in Erinnerung.

Charles Wyrsch, 1920 geboren, verlor früh seine Mutter und wuchs bei den Grosseltern in Buochs auf. Im Geschäft seines Vaters absolvierte er eine Lehre als Flachmaler. Dann besuchte er die Kunstgewerbeschule Luzern, wo der bei Max von Moos und Werner Hartmann studierte. 1943 zog er nach Genf und schrieb sich an der Ecole des Beaux-Arts ein. Von 1949 bis 1952 lebte und ­studierte er in Paris. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz heiratete er Edith Hug und hatte mit ihr zwei Söhne und eine Tochter. Diese starb bei einem Unfall mit 3 Jahren. Der Schicksalsschlag traf den Künstler hart und beeinflusste sein bekanntestes Werk, die «Kreuzwegstationen» (1966) in der Piuskirche Meggen.

Charles Wyrsch war 37, als er seine erste Einzelausstellung in der Galerie an der Reuss in Luzern hatte. Später richtete ihm das Kunstmuseum Luzern mehrere Einzelausstellungen ein – die letzte 2002. Zum 90. Geburtstag präsentierte das Museum Bellpark 2010 sein Schaffen in einer Ausstellung, die von Jean-Christophe Ammann mitkuratiert wurde. 1980 erhielt Wyrsch den Kunst- und Kulturpreis der Stadt Luzern und 1995 als Erster den Krienser Kulturpreis. In Kriens lebte und arbeitete der Künstler von 1971 bis zu seinem Tod.

Ausser einem Abstecher in die Abstraktion pflegte der gut ausgebildete Maler die figurativen Ausdrucksformen. Thematisch konzentrierte er sich auf traditionelle Themen wie Landschaften, Stillleben, Akte und Porträts. Einen besonderen Stellenwert hatte das Selbstporträt. In vielen Zeichnungen und Malereien hat er seinen Kopf abgebildet: Frontal mit Hut, Brille und weissem Bart oder seitlich mit bleicher Stirn und dunklen Augenhöhlen – mehr Totenschädel als lebendiges Antlitz.

Diese Selbstporträts, die sein Alterswerk prägten, sind das ­Ergebnis einer schonungslosen Selbstbefragung. Fern aller narzisstischen Selbstbespiegelung stellte sich er existenziellen Fragen, ohne auszuweichen oder das Leiden auszublenden. Die Passion gehört neben anderen christlichen Motiven ebenfalls zu den Themen, mit denen er sich immer wieder auseinandersetzte.

Thematisch wie formal war Wyrsch nicht einer der experimentierfreudigen Avantgardisten. Dennoch hat er sich als eigenständiger Exponent der hiesigen Kunstszene behauptet, auch wenn er in seiner künstlerischen Bedeutung sogar etwas unterschätzt wurde. Aber auch dies ertrug er mit Haltung und Noblesse.

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