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Jazztage Lichtensteig:
Eine Chefin mit Galgenhumor

Die Berner Mundart-Sängerin Steff la Cheffe lieferte am Samstag eine mitreissende Show – ein Höhepunkt der 30. Jazztage Lichtensteig. Tausende feierten in den verwinkelten Gassen des Toggenburger Städtchens.
Melissa Müller
Sängerin zum Anfassen: Energiebündel Steff la Cheffe singt sich den Schmerz von der Seele (Bild: Ralph Ribi)

Sängerin zum Anfassen: Energiebündel Steff la Cheffe singt sich den Schmerz von der Seele (Bild: Ralph Ribi)

Sie imitiert eine Eule, haucht Küsschen ins Mikrofon, wischt sich zwischendurch mit einem weissen Frotteetuch den Schweiss von den Achseln: Sängerin Stefanie Peter alias Steff la Cheffe hat das Publikum in Lichtensteig sofort in der Tasche. «I wott di numme für mi ha/ wie mis Zahnbürschtli/ i fühl dir uf de Zahn, Bürschtli», raunt die Bernerin, und tanzt geschmeidig im jeansblauen Overall über der Bühne der Jazztage Lichtensteig. Es gehe im Song «Badmeister» um «mein Begehren in seiner reinsten Form, um Geilheit und Libido», erklärte die «Chefin» kürzlich in einem Radiointerview. Nun hüpft ihr langer brauner Zopf zum Takt der knackigen Beats. Eine beschwingte Live-Show, stark und erfrischend wie der eiskalte Caipirinha von der Bar nebenan. Das Schöne an den Jazztagen Lichtensteig: Die Bühne ist nicht abgeriegelt, das Publikum ganz nah dran bei den Künstlern.

Steff la Cheffe hat zwei neue Backgroundsänger. (Bild: Ralph Ribi)

Steff la Cheffe hat zwei neue Backgroundsänger. (Bild: Ralph Ribi)

Weniger Rap, mehr Pop: Steff la Cheffe ist vom «Meitschi vu de Breitsch» zur ausdrucksvollen Popsängerin gereift. Aufmüpfig ist sie geblieben: «Bi e Hippie, e Streunere, es Gipsy, beröie keis bizli», singt sie im Song «Streunerin». Und beichtet:

«I ha so viu Herze broche, i ga gloub nächschtens is Chloster.»

Fünf Jahre hatte sie sich von der Bühne zurückgezogen; sie konnte es nicht ausstehen, beim Brötchenholen erkannt zu werden. Nun aber meldet sich die 31-Jährige zurück auf der Bühne und spielte an jedem Wochenende landauf, landab einen Gig. Zwei Gitarristen, ein Schlagzeuger, ein Perkussionist, ein Pianist, zwei Backgroundsänger begleiten sie dabei – und reichern die Songs mit Rasseln, Bongos und südamerikanischen Rhythmen an. Doch sie schlagen auch Mollklänge an: In ihrem grossartigen Song «Vakuum» schmettert Steff la Cheffe dem Publikum Schmerz und Verzweiflung entgegen: «Du bisch Russisch-Roulette/und du hesch mer Muet gmacht/du hesch mir Angscht gmacht/ und du hesch mi abgfuckt.» Ein Wortsalvengewitter von solcher Dringlichkeit, dass sogar ein paar Plappertaschen, die das Konzert mit ihrem Geschnatter stören, aufhorchen.

Herzchen für Steff la Cheffe. (Bild: Ralph Ribi)

Herzchen für Steff la Cheffe. (Bild: Ralph Ribi)

Zwischen den Stücken plaudert die Sängerin mit dem Publikum. «Au du meine Fresse, die Liebe. Sie ist schön und schrecklich, und ich blicke da immer noch nicht durch», gesteht sie. «Aber immerhin bin ich immer noch am Leben. Und es ist ein gutes Album draus geworden.» Dieser Mut wird bejubelt. Nach nur einer Stunde spielt die Band als Zugabe noch den Ohrwurm «Ha keh Ahnig», den Sommerhit von 2013.

Noah Veraguths Stimme von Pegasus kennen viele vom Radio. (Bild: Ralph Ribi)

Noah Veraguths Stimme von Pegasus kennen viele vom Radio. (Bild: Ralph Ribi)

«Psst! Luege, lose, d’ Schnörre hebä»

Ebenso massentauglich ist der weichgespültere Pop von Pegasus aus Biel, die danach zu späterer Stunde das Publikum zum Hüpfen und Johlen bringen. In jeder verwinkelten Gasse des Städtlis ist etwas los an diesem Samstag. Man folgt bezaubert dem Klang einer Violine – und findet sich plötzlich in der Chalberhalle bei einem volkstümlichen Konzert der Alderbuebe. Auf den Gesichtern der Lauschenden liegt ein verklärter Glanz. Vor der Dorfbäckerei trompeten Blasmusiker, in einem Zelt macht eine Bluesband den Soundcheck. Auf den Tischen steht ein Warnschild: «Psst! Luege, lose, d Schörre hebä!» Das Servierpersonal trägt T-Shirts mit der Aufschrift «Chrampfer». 300 ehrenamtliche Helfer packen mit an beim kleinen Festival, das den Jazz zwar noch im Namen trägt, aber längst ein musikalisch breiteres Spektrum bietet. «Ein reines Jazz-Festival würde finanziell nicht rentieren», sagt Presse­sprecher Daniel Blatter.

Begeistertes Mitklatschen beim Auftritt des "Item Quartett" in der Chalberhalle. (Bild: Ralph Ribi)

Begeistertes Mitklatschen beim Auftritt des "Item Quartett" in der Chalberhalle. (Bild: Ralph Ribi)

26 Formationen spielten an drei Tagen auf, von Pop über World Music, Louisiana Blues bis hin zu Volkstümlichem. In den Gassen ist fast kein Durchkommen, ein ohrenbetäubendes Stimmengewirr, ein lauer Sommernachtstraum. Am Freitag zog das Festival 2500 Gäste an, am Samstag sogar 3500. Dann treffen sich traditionell die Exil-Toggenburger in Lichtensteig, «es ist wie eine Klassenzusammenkunft, man kennt jede zweite Nase», sagt Blatter.

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