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CHOR: Chorpartnerschaften sind in Zürich einen Schritt weiter

Andreas Felber dirigierte in Luzern die Singakademie Zürich. Und überraschte mit dem Partnerchor des Tonhalle-Orchesters dank einer Art «Molto Cantabile»-Programm.
Andreas Felber im Kirchensaal Maihof. (Bild: Jakob Ineichen)

Andreas Felber im Kirchensaal Maihof. (Bild: Jakob Ineichen)

Je höhere Qualitätsansprüche Orchester an sich stellen, desto mehr treten sie nur noch mit Profichören auf. Das Niveau im Bereich der Chorliteratur, das dies ermöglicht, zeigte kürzlich in Luzern – als Einzelfall – die Zusammenarbeit zwischen dem Luzerner Sinfonieorchester und dem verstärkten Ensemble Corund in einer Messe von Willem Mengelberg.

Das vom Luzerner Andreas Felber geleitete Konzert der Singakademie Zürich am Sonntag im Kirchensaal Maihof erinnerte daran, dass Zürich in dieser Hinsicht einen Schritt weiter ist. Denn gegründet wurde dieser Chor als Partnerchor des Tonhalle-Orchesters, mit dem er regelmässig auftritt.

Kommentare zum «letzten Glück» von Brahms

Andreas Felber leitet ihn zwar bloss interimistisch – als künftiger Leiter wurde Florian Helgath gewählt, der über mehr Erfahrungen mit Orchester-Chorprojekten verfügt. Solche dürfte Felber aber an der Stelle machen, die ihm in Deutschland in Aussicht gestellt wurde (vgl. Ausgabe vom Donnerstag). Sein Engagement bei der Singakademie ist wie ein Übergang hin zu diesem grossen Karriereschritt.

Der Auftritt des Chors zeigte, wie souverän Felber seine Aufgabe auch als Interimsdirigent wahrnimmt. So verband der von Felber neu formierte Chorklang mit einem Kernchor als Basis eine weich modellierte und umrissscharfe Klangkultur, die sich im Kirchensaal Maihof von profunden Bässen her homogen mischte und die für Orchesterkonzerte nötige Durchsetzungskraft verriet.

Die Pointe aber war, dass im Zentrum eine Werkkombination stand, die typisch ist für die originelle Programmierung von Felbers Vorzeigechor Molto Cantabile. So wurden in die herbstlich gestimmten «Fünf Gesänge» von Johannes Brahms die «Herbstsynkopen» des Schweizers Burkard Kinzler wie Kommentare zwischen die Sätze eingefügt, und das mit frappantem Resultat.

Denn das Auftragswerk bezieht sich nicht nur inhaltlich auf das Thema der Entfaltung im Verwelken, wie es in einem der Kurzgedichte von Andrea Maria Keller heisst. Auch musikalisch schafft Kinzler Bezüge zu Brahms. An den Übergängen zerdehnt er dessen Stimmgewebe mit einem Störton des Flügels bis zum Zerreissen oder führt deren bildhafte Vertonung mit eigenen Bildern weiter: Die Musik zittert, lärmt oder steigert die Seufzerketten des «letzten Glücks» bei Brahms zum Taumel eines Blatts, das im Nebel flackert.

Zaubertrank als Herbstsynkope

Es war auch interpretatorisch der Höhepunkt des Abends, der das Können der Singakademie von detailscharfer Artikulation bis zu weiträumig entfalteten Chorlandschaften vorführte. Die helleren Werke darum herum zeigten den Chor von anderen Seiten. Das reichte von Schumanns zügig bewegtem «Zigeunerleben» bis zum märchenhaft gebrochenen Klangstrom in Gesängen des Schweizers Hans Huber (zauberisch am Flügel: Ivana Gavric).

Dass sich die Musik hier in Urtiefen zurückzog, wenn die Braut den Zaubertrank bis auf den Grund austrinkt, hörte man wie einen Rückbezug zu Kinzlers «Herbstsynkopen», der dieses Romantik-Programm wie unter ­einen grossen Bogen spannte.

Urs Mattenberger
urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

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