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CHOR: Unisono durch den Dschungel

Der Lehrerinnen- und Lehrerchor Luzern heisst neu Klangwerk. Den Namen hat er sich im KKL mit chilenischen Versen redlich verdient.
Die weiblichen Stimmen des Chors Klangwerk beim Auftritt im Konzertsaal des KKL. (Bild Nadia Schärli)

Die weiblichen Stimmen des Chors Klangwerk beim Auftritt im Konzertsaal des KKL. (Bild Nadia Schärli)

Simon Bordier

«Das Oratorium forderte vom Chor vor allem Unisono-Qualitäten. Der Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerchor machte daraus eine Tugend, indem er eine homogene, aber äusserst flexible Masse bildete, deren Einsätze stets aus einem Guss kamen», hiess es im Mai 2004 in unserer Zeitung, nachdem der Chor das Oratorium «Canto General» von Mikis Theodorakis (heute 89) aufgeführt hatte. Und dies gilt elf Jahre später noch immer, auch wenn der Lehrerinnen- und Lehrerchor heute mit einer anderen Dirigentin Moana N. Labbate – und neuem Namen auftritt: Am Sonntagabend hat er die Konzertbühne des KKL Luzern erstmals als Konzertchor Klangwerk Luzern betreten.

Die Wahl von Theodorakis’ «Canto General» zeigte, dass man trotz Namenswechsel auf Kontinuität setzen wollte. Dabei wirkte das Anfang der 1970er-Jahre entstandene Oratorium nach wie vor aktuell: Es geht um das Verhältnis von Mensch und Natur, die Ausbeutung armer Länder durch westliche Konzerne und darum, verdrängte Wahrheiten ins Geschichtsbild zurückzuholen insbesondere das Bild Südamerikas vor der Eroberung durch die Europäer. All dies hat der Chilene Pablo Neruda (1904–1973) in seinem monumentalen Gedichtzyklus «Canto General» zu vereinen versucht, den Theodorakis später als Textvorlage nutzte.

Chor als «Gärstoff»

Der 100-köpfige Konzertchor Klangwerk Luzern repräsentierte dabei die mysteriöse Einheit von Mensch und Erde, aber auch das Volk als «gemeinschaftlicher Gärstoff». So verströmten die Sängerinnen und Sänger im Satz «Vegetaciones» einen «neuen, weit verbreiteten Duft» aus der Pflanzenwelt Südamerikas in Form voller, harmonisch klingender Akkorde. Ihre «Amerikaliebe» beschworen sie mit syllabisch und erstaunlich präzise – vorgetragenen Verszeilen, die gegen Schluss des Satzes wie Paukenschläge wirkten. Im finalen «America Insurrecta» besangen sie den Volkswillen so überzeugend, dass das Publikum bei den vielen Wiederholungen wohl gerne mit eingestimmt hätte.

Nicht ganz so überzeugend war unter den zehn ausgewählten Sätzen (das Werk zählt insgesamt 13) das «Neruda Requiem Aeternam»: Der andächtige Satz wurde durch relativ laut gesungene Piano­stellen und Intonationsschwierigkeiten getrübt. Huldigungssätze wie jener an den mexikanischen Revolutionsführer Emiliano Zapata oder «An meine Partei» wirkten hingegen wie fremde Relikte aus kommunistischen Tagen.

Sowohl stimmlich wie auch mit ihrer Aussprache beeindruckte die Mezzosopranistin Olivia Heredia, die als Kind chilenischer Eltern in Wil SG geboren wurde und die spanischen Zeilen mit Verve vortrug. Der Bariton David Maze vermochte hingegen nicht restlos zu überzeugen: Stimmliche Stärke stellte er mittels Vibrato her, das aber teils auf Kosten der Intonation ging. Angenehm war die Sprechstimme von Franziskus Abgottspon, der jeweils vor Beginn eines neuen Satzes die Verse in deutscher Übersetzung vortrug und wo nötig – kürzte.

Im Vergleich mit dem gesprochenen deutschen Text zeigte sich umso ­deutlicher die Stärke der Musik, die mit flotten Rhythmen quasi tanzend durch den Dschungel an Versen führte. Den rhythmischen Boden dazu legte ein 15-köpfiges Ad-hoc-Instrumental­ensemble, allen voran sechs Schlagzeuger der Hochschule Luzern Musik.

Worte ändern sich in der Landschaft

In diesem spannenden musikalischen Sog waren keine besonderen Spanischkenntnisse gefragt. Die Bedeutungen der Worte schienen ohnehin wie die beschriebenen Landschaften im ständigen Wandel begriffen: «Auf die Lande ohne Namen, ohne Zahl brach aus anderen Bereichen der Wind nieder», hiess es etwa zu Beginn der «Vegetaciones».

Für das Publikum, das sich für das starke Unisono mit Standing Ovations bedankte, stand am Schluss wohl nur ein Name fest: Klangwerk.

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