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CHORMUSIK: Eine Rarität trifft mitten ins Herz

Ein neuer Ton in der alten Musik: Das junge Luzerner Barockensemble Accademia Barocca Lucernensis erhielt für seinen Auftritt in der Matthäuskirche gleich zweimal Standing Ovations.
Die Accademia Barocca brillierte in der Matthäuskirche Luzern. (Bild: Ingo Höhn/PD (30. April 2017))

Die Accademia Barocca brillierte in der Matthäuskirche Luzern. (Bild: Ingo Höhn/PD (30. April 2017))

Am Vortag führte das Barock­ensemble Accademia Barocca Lucernensis das gleiche Programm, Dietrich Buxtehudes «Membra Jesu Nostri», in einer Zürcher Kirche auf, und dabei soll die Reaktion ähnlich enthusiastisch gewesen sein wie in Luzern. Konkret: Die Standing Ovations am Schluss des Werks wurden nach der Zugabe fast demonstrativ nochmals wiederholt.

Luzern hat mit dem Bach-Ensemble und dem Ensemble Corund zweifellos Vereinigungen, die sich seit langem um die Pflege der Barockmusik, insbesondere um jene von Johann Sebastian Bach, grosse Verdienste erwarben und immer noch erwerben. Aber mit diesem 2014 vom Dirigenten, Kulturmanager und Sänger Martin Caduff gegründeten Ensemble stellte sich eine Chor- und Instrumentalgruppe vor, die in Luzern einen neuen Ton auf dem Gebiet der alten Musik anschlägt.

Wie ein Spezialensemble

In ihr spiegelt sich eine junge Musikergeneration, die selbstverständlich aufgewachsen ist mit der historischen Aufführungspraxis. Sie absolvierte ihre Studien auf der Höhe des aktuellen Forschungsstandes, zuvorderst an der Schola Cantorum Basiliensis, aber auch an der Musikhochschule Luzern.

Ihr Können zeigten die Musiker nicht mit einem bekannten Werk der Barockliteratur, sondern mit der Ausgrabung einer Komposition von Dietrich Buxtehude (1637–1707), den «Membra Jesu Nostri» von 1680. Das sind sieben Passionskantaten, die als Zyklus angeordnet sind und sich in aufsteigender Reihenfolge einer der sieben Körperpartien des Gekreuzigten (Füsse, Knie, Hände, Seite, Brust, Herz und Gesicht) widmen. Der Text kombiniert Bibelverse mit Versen einer damals bekannten mittelalterlichen Andachtsdichtung.

Die Mitglieder des jungen Barockensembles folgen dem Vorbild von Spezialensembles, indem zwei Soprane, ein Countertenor, ein Tenor und ein Bass als Solisten in den Tutti auch den Chor bilden. Dazu gehört, dass die Instrumentalisten (zwei Violinen, ein Violoncello, eine Violone, dazu Laute und Orgel) auf historischen Instrumenten in einer um einen halben Ton tieferen Stimmung von 415 Hertz spielen.

Mystische Ausdruckskraft

Das führte am Anfang zu einem etwas dunklen, ja dumpfen Klangbild, doch mit der Fortsetzung und der Gewöhnung an die Akustik traten die Qualitäten immer leuchtkräftiger hervor. Vor allem passte der warme, expressive Klang bestens zum meditativen, ja mystischen Charakter dieser Kantaten.

Bei den Stimmen verfügte jede über eine individuelle Farbe, wie sich das etwa bei den beiden Sopranistinnen zeigte: hier die eher natürlich-locker, fast wie ein Mezzosopran klingende Luzernerin Maja Bader, dort die gereifte, abgerundete Stimme der Norwegerin Gunhild Lang-Alsvik. Dies erleichterte es ihnen nicht, sich in den Tutti dem Gesamtklang unterzuordnen.

Aber aus solchen Gegensätzen erwuchs mit der Zeit gerade auch eine besondere Spannung, ohne die Homogenität des Klangs zu beeinträchtigen. Das war zum Glück gerade bei der sechsten Kantate «Ad Cor» (An das Herz) der Fall, in dem der Zyklus zum Herz Christi vorstösst und eine wahrhaft mystische Ausdruckskraft erreichte.

Mächtige Stimme von der Kanzel

Hier wetteiferte der über eine besonders mächtige Stimme verfügende Bass Alexandre Beuchat von der Kanzel herab mit den sich hier ausgezeichnet ergänzenden Sopranistinnen. In der Aria (Arnulf von Löwen) begleitete das einzige Mal das aus fünf Violen da gamba bestehende Gamben-Consort die Solo-Vorträge der beiden Sopranistinnen und des Basses unter der rhythmisch und akzentmässig magistralen Leitung des Spaniers Javier Ulises Illan.

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitung.ch

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