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CHORNACHT: Ein Bad im Klang und in der Menge

Grosserfolg für die erste Luzerner Chornacht: 12 Chöre sorgten für volle Kirchen mit vielfältigen Programmen vom Kleinchor bis zum Grossaufgebot mit 500 Sängern.
Urs Mattenberger
So voll war die Hofkirche Luzern wohl noch nie wie zum Abschluss der ersten Luzerner Chornacht: 500 Sänger vermengen sich mit dem Publikum nach dem gemeinsamen Auftritt unter der Chornacht-Initiantin Ulrike Grosch. (Bild: Philipp Schmidli)

So voll war die Hofkirche Luzern wohl noch nie wie zum Abschluss der ersten Luzerner Chornacht: 500 Sänger vermengen sich mit dem Publikum nach dem gemeinsamen Auftritt unter der Chornacht-Initiantin Ulrike Grosch. (Bild: Philipp Schmidli)

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

Eine Musikstadt im Ausnahmezustand – so präsentierte sich Luzern am Samstag nicht nur wegen der Eröffnung des World Band Festivals vor dem KKL (Ausgabe von gestern). Geradezu eine Notsituation herrschte in den Kirchen der Stadt, in denen die erste Luzerner Chornacht von Publikum überrannt wurde. Schon im Auftaktkonzert um 17 Uhr lagerten sich in der rammelvollen Lukas­kirche Besucher auf dem Boden um die auftretenden Chöre oder standen im Foyer bis hinauf auf den Treppen zum Balkon. Schon dieses Bild gab der Chornacht eine unerwartete Dringlichkeit. Kirchen, die sich zunehmend entleeren, wurden zu Orten des Asyls, in denen Menschen dicht gedrängt Zuflucht suchen. Und das Bild steigerte sich noch in der Franzis­kaner-, in der Matthäus- und in der Hofkirche, wo die Chornacht ihren imposanten Abschluss mit 500 Sängern fand.

Nah am Publikum

Der Publikumszustrom sorgte für Szenen, die man weder in Chorkonzerten noch in Kirchen erwartet. Symbolisch war der Schmetterling, der in der Franziskanerkirche umherflatterte, während das Collegium Vocale und der Molto-Cantabile-Chor bittersüssen Weltschmerz besangen: Ein Mädchen liess hier zu einem Lied von Gustav Mahler seinen roten Rock flattern, als es zwischen hingelagerten Konzertbesuchern durch das Seitenschiff tanzte.

Schon mit dieser Nähe zum Publikum war diese Chornacht ein Riesenerfolg. Und dieser schuf zusammen mit den Kirchen neue Konzertformate. Denn die Trennung zwischen Ausführenden und Publikum fiel hier ähnlich hinweg, wie das Theaterintendant Benedikt von Peter mit seinem Raumtheater anstrebt. Und weil jede Kirche ihre eigene Atmosphäre und Akustik mit ins Spiel brachte, wurde der Auftritt der zwölf Chöre auch nicht zum Wettbewerb, in dem man deren Qualitäten gegeneinander abzuwägen hatte. Unterstützt wurde das doch von einem Konzept, das in der Besetzung eher auf Kon­traste setzte und auch damit ­Direktvergleiche ausschloss.

Erste Zusammenschlüsse

So folgte schon das Eröffnungskonzert in der Lukaskirche einer Dramaturgie, die von kleineren zu grösseren Besetzungen führte. Die Balance verschob sich vom Kammerton (Daniela Portmanns «Der Chor») über mehr romantische Wärme (der von Benjamin Rapp geleitete Kammerchor) hin zum flächigeren, aber auch rhythmisch schlagkräftigen Grosschor (der Händel-Chor unter Pirmin Lang mit Psalm-Vertonungen amerikanischer Komponisten). Philip Stopfords Hymne auf die Erde ermöglichte in einem ersten Zusammenschluss der drei Chöre ein Klangbad, dem man sich trunken hingeben konnte.

Nicht Kontraste, sondern Gleichgesinnte führte die Franziskanerkirche zusammen. Das Collegium Vocale unter Ulrike Grosch wie Andreas Felbers ­Molto Cantabile stehen für eine ausgefeilte Klangkultur, die kammermusikalische Transparenz mit hoher Klangkraft verbindet. Beide signalisierten hohe Ansprüche auch mit sprachnaher Virtuosität – das Collegium mit Petrassis Nonsense-Vertonungen, Molto Cantabile mit hinreissenden Chansons von Ravel. Die gemeinsam gesungene Bearbeitung der «Zwei blauen Augen» von Gustav Mahler war in seiner Klarheit und Geschmeidigkeit schon fast ein würdiges Schlussstück.

Warten auf den Chor-Erlebnistag

Aber die Chornacht ging Schlag auf Schlag weiter. Da war kaum Zeit, mit Bekannten zu plaudern, wer essen wollte, musste mangels Verpflegungsständen einen Block auslassen. Wer den kernigen Chor des Luzerner Theaters verpasste, wurde in der Matthäus­kirche wieder in eine neue Welt entführt. Dass das professionelle Ensemble Corund unter Stephen Smith eine Messe von Monte­verdi auf der Empore sang, unterstrich die Entrückung ins Spirituelle. Musikalisches Raumtheater bot der Gang zurück ins Diesseits, wenn die Matthäuskantorei die Kirche mit einem «Magnificat» überschwemmte und die Luzerner Kantorei – vorne – Bernsteins Chichester Psalms mit tänzerischem Groove auflud.

Überboten werden konnte all das nur noch durch den äusseren Aufwand des Schlusskonzerts in der Hofkirche. Das Klangwerk Luzern unter Moana N. Labbate führte in Poulencs Gloria und im Zusammenspiel noch einmal mächtig die Möglichkeiten eines Grosschors vor. Der Singkreis Maihof und die Hof-Chöre zeigten, auf welch hohem Niveau in Luzern auch ambitionierte Kirchenchöre singen. Aber ein Ereignis für sich war doch das Finale mit den 500 Sängern aller Chöre.

Deren «Evening Hymn» war nicht nur ein Bad im Sourround-Klang der Hofkirche (Orgel: Wolfgang Sieber), sondern auch eines in der Menge. Und es machte gespannt auf eine weitergehende Zusammenarbeit im Rahmen der nächsten Chornacht. Es muss ja nicht gleich ein Chor-Festival sein, aber vielleicht ein Erlebnistag, der Gelegenheit zur Begegnungen nicht nur zwischen Chören, sondern auch zwischen Besuchern bietet. Dass die Luzerner Chorszene die dafür nötige Vielfalt und Qualität bietet: Nicht zuletzt das hat diese Chornacht eindrücklich gezeigt.

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