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CHORWERK: Mengelberg tritt aus dem Zwielicht

Willem Mengelberg war als Dirigent berühmt, kam aber als Nazi-Kollaborateur in Verruf. Jetzt erinnern das Ensemble Corund und das Luzerner Sinfonie­orchester an seine Anfänge in Luzern.
Fritz Schaub
Leitete in Luzern das Sinfonieorchester und Chöre und komponierte für sie die 1895 uraufgeführte «Feierliche Messe»: Willem Mengelberg in einer späteren Aufnahme. (Bild: Getty)

Leitete in Luzern das Sinfonieorchester und Chöre und komponierte für sie die 1895 uraufgeführte «Feierliche Messe»: Willem Mengelberg in einer späteren Aufnahme. (Bild: Getty)

Fritz Schaub

Willem Mengelberg (1871–1951) war knapp 21 Jahre alt, als er 1891 zum Generalmusikdirektor in Luzern und damit zum Chefdirigenten des Luzerner Sinfonieorchesters ernannt wurde. Niemand konnte damals ahnen, dass dieser Musiker einst ein weltbekannter Dirigent werden würde. Während seiner 50-jährigen Tätigkeit in Amsterdam zog er das Concertgebouw-Orchester zu einem Klangkörper von Weltruf heran und wurde als Freund Gustav Mahlers zum frühesten und grössten Förderer des genialen Komponisten.

Noch meilenweit entfernt waren in seiner Luzerner Zeit aber auch die Entgleisungen, die er sich während der Besetzung seines Heimatlands durch die Nazis zu Schulden kommen liess und die seinen Lebensabend verdüsterten. Die Erinnerung an Mengelberg, der 1938 seinen einzigen Festwochen-Auftritt hatte, ist in Luzern nie ganz abgebrochen, denn sein Ehrengrab, in dem auch seine Frau bestattet ist, befindet sich im Luzerner Friedental. Bis Mitte der 90er-Jahre hing in der «Liedertafel»-Gaststube des Hotels Wilden Mann ein Porträt, das inzwischen in den Besitz des Luzerner Sinfonieorchesters übergegangen ist.

Riccardo Chailly, der neue Chefdirigent des Lucerne Festival Orchestra, dirigierte 2001 am Lucerne Festival als damaliger Chefdirigent des Concertgebouw-Orchesters ein Gedenkkonzert für Mengelberg: Aus Anlass von dessen 50. Todestag erklang Mahlers Auferstehungs-Sinfonie, vorgängig besuchte Chailly Mengelbergs Grab im Friedental.

Aufwendige Wiederherstellung

In der Schweiz beheimatet ist auch die Stiftung, der der Mengelberg-Biograf Frits Zwart und der Geschäftsführer des Concertgebouw-Orchesters, Sjoerde van den Berg, angehören. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, die «Feierliche Messe», die Mengelberg an Pfingsten 1895 im St. Leodegar im Hof uraufführte, wieder zum Leben zu erwecken. Sie kam auch für die nicht unbeträchtlichen Kosten auf, die eine solche Ausgrabung verursacht. Denn es existiert nur eine handgeschriebene Partitur, das Notenmaterial konnte trotz längerer Nachforschungen in der Stiftsbibliothek und der Hochschulbibliothek Zentralschweiz nicht aufgefunden werden. Allein die Herstellung der Orchester- und Chorstimmen, die im Verlag Donemus erschienen sind, verursachte hohe Kosten.

«Es ist keine praktische Ausgabe, denn sie widerspiegelt das Manuskript eins zu eins, und ich musste zahlreiche Änderungen vornehmen und auch Fehler korrigieren», meinte Stephen Smith, der das Werk mit seinem vergrösserten Ensemble Corund und dem Luzerner Sinfonieorchester am Dienstag, 22. September, in der Hofkirche Luzern aufführen wird. Von der Generalprobe und der Aufführung werden auch eine DVD und eine CD hergestellt.

«Fast wie eine Uraufführung»

Stephen Smith glaubt, dass die Uraufführung der Messe auf der Orgelem­pore im Rahmen eines Gottesdienstes stattfand. Das Werk folgt dem traditionellen Messetext und weist nur wenige Soloabschnitte auf, die von Mitgliedern des Chors gesungen werden. Bei der rein konzertanten Luzerner Wiederaufführung sind Chor und Orchester im Altarbereich aufgestellt.

Um eine klanglich möglichst günstige Wiedergabe zu gewährleisten, werden die Mitwirkenden auf verschiedene Podeste verteilt: auf den drei unteren nehmen je die Streicher, die Holzbläser und das Blech Platz, auf den drei oberen breitet sich der 50-köpfige Chor aus. Dazu kommen ein Flügel, Triangel (!), Pauke, Trommel und Schlagzeug.

Ungewöhnlich bei der Besetzung sind auch der sehr dichte Bläsersatz (mit je zwei Tenorposaunen, Hörnern und Trompeten) und die Besetzung der Holzbläser mit drei (!) Flöten neben nur je einer Oboe und einem Fagott, während die Streicher eher kleiner besetzt sind. «Ich werde einige Retuschen vornehmen, die Oboe und das Fagott verdoppeln, bei den Streichern sieben erste Violinen einsetzen. Für mich ist es eine faszinierende Aufgabe, dieses unbekannte Werk aufzuführen, für das es keine Vorbilder gibt, es ist fast wie eine Uraufführung», meinte Stephen Smith im Vorfeld der Aufführung.

Hochromantische Einflüsse

«Begreiflicherweise hatte der junge Mengelberg noch keinen eigenen Stil. Durch seine Dirigiertätigkeit aber nahm er allerlei Musik in sich auf, und man begegnet in dieser hochromantischen Partitur beispielsweise Einflüssen von Wagner, Fauré, Dvorák und Elgar. Manchmal klingt die Musik vielleicht etwas süss, aber auch sehr dramatisch mit kraftvollem Blechbläsereinsatz bis zum vierfachen Forte.»

Da die Messe mit rund 50 Minuten Dauer nicht abendfüllend ist, wird sie ergänzt durch das Gloria für Orgel solo von Max Reger und drei Motetten von Johann Baptist Hilber (1891–1973), der in der Nachfolge Mengelbergs die musikalische Landschaft Luzerns prägte.

Hinweis

Abschluss des Orgelsommers in der Hofkirche Luzern: Dienstag, 20. September, 20 Uhr; Werke von Mengelberg (Messe), Reger (Gloria für Orgel solo) und Hilber (Motetten). Ensemble Corund, Wolfgang Sieber, Orgel, Luzerner Sinfonieorchester, Leitung: Stephen Smith.

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