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Christoph Gallio und die musikalischen Bildhauer

Das Trio Day & Taxi von Christoph Gallio ist neu mit dem Weltklasse-Schlagzeuger Gerry Hemingway unterwegs.
Chris Sommer
Der Saxofonist Christoph Gallio leitet seit über 30 Jahren das Day & Taxi.

Der Saxofonist Christoph Gallio leitet seit über 30 Jahren das Day & Taxi.

Damit eine Band über 30 Jahre existieren kann, braucht es viel. Besonders im schnelllebigen Jazz, wo oft von «Projekten» statt «Bands» gesprochen wird, ist es selten, dass ein Leader über so lange Zeit eine Band durch viele verschiedene Tourneen, Albumproduktionen und personelle Umbesetzungen führt. Christoph Gallios Day & Taxi hat im letzten Jahr ihr dreissigjähriges Bestehen gefeiert und ist mehr als nur eine Band. «Day & Taxi ist ein künstlerisches Projekt.

Andere haben einen Pinsel und Ölfarben, wir haben unsere Instrumente und die Band», erklärt Gallio, der mit seinen Arbeiten als Saxofonist im Bereich des Free Jazz und der improvisierten Musik nicht nur in der Schweiz eine feste Grösse ist. Seit letztem Jahr gehört der ebenfalls international renommierte Schlagzeuger Gerry Hemingway zur neuen Besetzung des Trios, das durch den Kontrabassisten Silvan Jeger vervollständigt wird. Jetzt ist mit «Devotion» das erste Album dieser neuen Besetzung erschienen.

Der Ausnahmemusiker Hemingway, der immer wieder mit Geschichtsprägenden Musikern wie Anthony Braxton oder Wadada Leo Smith kollaboriert, gehört zu den gefragtesten Musikern der europäischen Improvisationsszene. Nun bringt Hemingway mit seinem charakteristisch pointierten Spiel auch auf «Devotion» viel Spannung und Energie in die Musik mit ein. «Bei ihm sitzt jeder Schlag, er ist kein Schwätzer. Als Mitmusiker ist das auch eine Herausforderung. Da darf man nicht lange fackeln, man muss auf den Punkt spielen», meint Gallio.

Was ist Musik?

Mit Jeger, Hemingway und dem neuen Album zeigt Christoph Gallio, was er damit meint, wenn er sagt, dass Day & Taxi auch ein Konzept sei. «Wir folgen keiner Mode und benutzen alles, was der Musik dient: Kompliziertes genau wie Klischees und Banalitäten. Selbst wenn die Musik nach etwas Kitschigem verlangt, werden wir es liefern.» Das Trio spielt eine heterogene Musik, die nichts ausschliesst und so schlüssig wird. Gallio spricht bei den Kompositionen auch von Skulpturen, die sie als Trio bearbeiten.

Die Musiker sind agierende Bildhauer, die ausgehend von den Kompositionen Gallios eine Klangplastik formen. Gleichzeitig ist das Trio auch Teil der Musik, die sie durch ihr Spiel transportieren. In dieser Innen- und Aussensicht auf die Musik findet man sich auch als Hörer auf «Devotion» wieder: Die verschiedenen Ebenen von Klang, Rhythmus und Melodie werden durch das kontrastreiche und eindeutige Spiel des Trios sichtbar und plastisch. Eine Musik, die durch diese Eigenschaften natürlicherweise andere Arten von Musik und deren Wirkung infrage stellt: Was eigentlich ist Musik und wozu wird sie gemacht?

Day & Taxi: Devotion ( Percaso).

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