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CLOWN DIMITRI: Das bewegte Leben eines Ausnahmekünstlers

Seit 20 Jahren träumte Dimitri davon, einen Stummfilm in Schwarz-Weiss zu drehen wie Charlie Chaplin, den er persönlich gekannt hat. Im Frühling sollte der Dreh beginnen. Nun hat sein unerwarteter Tod das Projekt begraben.
Die Bühne war seine Heimat, nun hat er sie für immer verlassen: Clown Dimitri ist gestorben. (Bild: EPA)

Die Bühne war seine Heimat, nun hat er sie für immer verlassen: Clown Dimitri ist gestorben. (Bild: EPA)

Am Montag stand er noch auf der Bühne, am Dienstagabend verschied er mit 80 Jahren «nach kurzem Unwohlsein», wie seine Familie mitteilte. Dabei hatte er noch viel vor, nicht nur einen Film. Noch letztes Jahr antwortete er Roger Schawinski auf die Frage «Wer bist du?», er sei «einer, der ein noch besserer Clown werden möchte».

Sein alter Wunsch, «bis zum Umfallen» weiterzumachen, nahm er zurück, nachdem er kurz vor seinem 75. Geburtstag während einer Vorstellung einen Unfall hatte und sich zwei Wirbel brach. Wie er so auf der Bühne gelegen sei, und gemeint habe, er sei gelähmt, habe er sich gesagt, fürs Publikum «isch das überhoupt nid luschtig».

Der gebürtige Tessiner, der akzentfrei Berndeutsch sprach, gilt manchen als nationales Monument - dabei war er recht eigentlich ein internationales. 1995 war er der erste Ausländer, der zu Lebzeiten in die Clown Hall of Fame in Delavan, Wisconsin, aufgenommen wurde.

1975 hatte er die erste von zehn US-Tournéen absolviert. Touren durch Südamerika und Gastspiele in China, Japan und Australien folgten. «Meine Kunst beruht auf einer nichtverbalen Ausdrucksweise, auf einer Körpersprache, der Komik und Musik, also auf einer Art Universalsprache», sagte er. «Diese wird an allen Ecken und Enden der Welt verstanden. So fühle ich mich nicht mit einer bestimmten Kultur verbunden. Ich fühle mich als Weltbürger.»

Auftritt von Dimitri am 28. Februar 2015 im KKL. (Bild: Philipp Schmidli)
Auftritt von Dimitri am 28. Februar 2015 im KKL. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Famiglia Dimitri beim Auftritt im KKL Luzern am 28. Februar 2015. (Bild: Philipp Schmidli)
Dimitri und seine Frau Gunda besuchten im März 2016 die Sonderausstellung «Neat - Tor zum Süden» im Verkehrshaus in Luzern. (Bild: Keystone / Dominik Baur)
Dimitri und seine Ehefrau bei dessen 80. Geburtstag im September 2015. (Bild: Keystone / Samuel Golay)
Im Januar 2014 wurde Dimitri mit dem Lifetime SwissAward 2013 ausgezeichnet. (Bild: Keystone / Ennio Leanza)
Dimitri und Roberto (links) sangen 2014 Tessiner Lieder im Kunst- und Kulturzentrum Littau. (Bild: Pius Amrein)
Im Luzerner Saal im KKL führte Dimitri im Jahr 2013 die Premiere seiner Frühlingstournee auf. (Bild: Roger Grütter)
Clown Dimitri signiert lachend sein Buch an der Messe BuchBasel in Basel am Freitag, 12. November 2010. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas)
Dimitri 2007 im Theater Casino Zug. (Bild: Werner Schelbert)
Mit einer Sonderbriefmarke geehrt: Clown Dimitri im Jahr 2006. (Bild: Keystone / Karl Mathis)
Clown-Ikone Dimitri mit seiner Ehefrau Gunda in einer Kunstausstellung in Baar. (Bild: Werner Schelbert)
Dimitri, aufgenommen am Donnerstag, 20. November 2003, im Theater am Hechtplatz mit seinem Stück «Ritratto». (Bild: Keystone / Eddy Risch)
Der Clown führt sein Familienstück «DimiTRIgenerations» auf. (Bild: Keystone / Carlo Reguzzi)
Dimitri im November 2003 bei der Aufführung des Stücks «Ritratto» (Bild: Keystone / Eddy Risch)
Dimitri bei seinem Auftritt in Littau. (Bild: Archiv Neue LZ)
Der Clown aus Ascona gewinnt fuer sein Lebenswerk den Ehren-Prix Walo im Februar 2001. (Bild: Keystone / Walter Bieri)
Clown Dimitri bei seinem Auftritt am 15. Oktober 1998 in seinem Theater in Verscio im Kanton Tessin. (Bild: Keystone / Karl Mathis)
Dimitri, 2003 mit seinem Stück «Ritratto». (Bild: Keystone / Eddy Risch)
Clown Dimitri und Tochter Masha während der Präsentation des clownesken, musikalischen, burlesken, poetischen und artistischen Stücks «DimiTRIgenerations» der Familie Dimitri. (Bild: Keystone / Carlo Reguzzi)
Dimitri bei einem Auftritt in Littau im Jahr 2014. (Bild: Archiv Neue LZ)
Die grosse Liebe: Dimitri und seine Frau Gunda 1998 in Wohlen. (Bild: Keystone / Christoph Ruckstuhl)
Im Herzen ein Tessiner: Der gebürtige Deutschschweizer Dimitri vor seinem Haus in Borgnone 1995. (Bild: Keystone / Karl Mathis)
Einsatz für die Schwachen: Dimitri bei einer Anti-Apartheids-Demonstration 1988 in Zürich. (Bild: Keystone / Str)
Clown Dimitri im Balancier-Akt mit Stange und Porzellanteller am Gala-Abend im Kongresshaus Lugano 1976. (Bild: Keystone / Str)
Der Besuch des Circus Knie weckte in ihm den Wunsch, Clown zu werden, 1970 stand er selber in der Manege (hier in Rapperswil-Jona). (Bild: Keystone / Str)
Multiinstrumentalist mit Pilzfrisur: Dimitri 1970 in Circus Knie in Zürich. (Bild: Keystone / Str)
Dimitri bei Proben in Paris, wo er 1964 ein Engagement für sechs Wochen hatte. (Bild: AP / Michel Lipchitz)
28 Bilder

Clown Dimitri ist tot: Sein Leben in Bildern

«Kasperligesicht»

Dimitri wurde am 18. September 1935 in Ascona geboren als Sohn eines Bildhauers und einer Kunsthandwerkerin und Enkel eines Russen. Seinen Taufnamen Dimitri Jakob Müller liess er später in Jakob Dimitri ändern. Als er sieben war, sah er im Circus Knie den Clown Andreff und beschloss, diesen Beruf ebenfalls zu ergreifen. 1941 bestärkte der Kabarettist Walter Morath den 16-Jährigen in seinem Vorhaben: Er habe genau das richtige «Kasperligesicht» dafür.

Auch die Weichen zum glücklichen Familienleben stellte Dimitri schon früh: Mit zwölf verliebte er sich in einem Ferienlager in seine spätere Frau Gunda, die seine Gefühle vorerst nicht erwiderte. Auch eine zweite Begegnung fünf Jahre später fruchtete nicht, es dauerte noch einmal acht Jahre, bis Amors Pfeil traf. Im Jahr drauf wurde geheiratet, fünf Kinder folgten, drei sind heute auch im Show-Business.

Unsterbliche Nummern

Nach der Schulzeit in Ascona zog Dimitri mit Mutter und Schwester ins Bernbiet, wo er eine Töpferlehre absolviert. Daneben nahm er Ballett-, Akrobatik-, Schauspiel- und Klarinettenstunden und spielte im Studententheater. Dort lernte er den später weltberühmten Kurator Harald Szeemann kennen. Im Jahr 2000 sollte ihm dieser auf dem Gelände des Teatro Dimitri und der Scuola Teatro Dimitri in Verscio TI das Museo Comico einrichten.

Nach dem Abschluss der Töpferlehre zog Dimitri zunächst nach Südfrankreich zum Töpfern und danach zur Erweiterung seiner Clownausbildung nach Paris, wo er neben Pantomime bei Etienne Decroux auch Akrobatik, Ballett, internationale Volkstänze und Flamenco-Gitarre studierte - alles in allem spielte er als Clown zehn Instrumente.


1958 belegte er einen Kurs bei Marcel Marceau und spielte in seinem Ensemble. Im Jahr drauf verschaffte ihm sein Vater seinen ersten Solo-Auftritt im Rahmen eines Fests des örtlichen Kunstvereins in Ascona. Manche seiner Nummern, etwa das legendäre Liegestuhl-Debakel, spielte er seine ganze Karriere über immer wieder.

Engagement für Flüchtlinge

Doch «man kann sein Leben nicht nur damit verbringen, indem man lacht oder Witze macht», sagte Dimitri einmal. Deshalb engagierte er sich schon früh politisch für Flüchtlinge, beispielsweise als Weggefährte des «Kampfpriesters der Heimatlosen», Kaplan Cornelius Koch. Die aktuelle Flüchtlingskrise stimmte ihn unheimlich traurig, sagte er letztes Jahr im Interview.

«Z Brieggeli u z Lächeli sy im gliche Chächeli» (Weinen und Lachen liegen im selben Topf) war nicht umsonst eines seiner Lieblings-Sprichwörter.

sda/chg

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