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COMEBACK: Steff la Cheffe: «Sonst wäre ich draufgegangen»

Vor fünf Jahren ist die Berner Rapperin Steff la Cheffe abgetaucht. Jetzt ist sie mit neuem Album zurück und spricht über existenzielle Ängste, Herzschmerz und Käseverkaufen als Brotjob.
François Schmid-Bechtel, Lydia Lippuner
«Ich habe die Kontrolle über mein Leben verloren», sagt Stefanie Peter alias Steff la Cheffe (Bild: Ellen Mathys)

«Ich habe die Kontrolle über mein Leben verloren», sagt Stefanie Peter alias Steff la Cheffe (Bild: Ellen Mathys)

Interview: François Schmid-Bechtel, Lydia Lippuner

Wir treffen Steff la Cheffe in einem Kellerbüro in einem Berner Wohnquartier. Die Wände sind mit Plakaten überklebt, nicht zu über­sehen ist auch das Poster ihres letzten Soloalbums «Vögu zum Geburtstag». Das war vor fünf Jahren: Heute meldet sich die bekannteste Schweizer Rapperin mit dem Pop-Album «Härz Schritt Macherin» zurück.

Stefanie Peter, warum ­nennen Sie sich immer noch Steff la Cheffe?

Das habe ich mich auch schon gefragt.

Der Name passt nicht mehr.

Zugegeben, er ist pubertär. Und vielleicht werde ich meinen Künstlernamen auch mal ändern. Aber mein neues Album ist gleichwohl eine Weiterführung dessen, was ich bislang gemacht habe. Es ist kein kompletter Bruch. Eine grosse Frage war aber: Unter welchem Genre ­lassen wir das Album laufen? Man muss ein Genre angeben, um es beispielsweise auf iTunes zu lancieren. Rap und Hip-Hop passen nicht. Klassik, Dance, Rock auch nicht.

Es ist Pop.

Ja. Pop von einer Rapperin, die Pop mal ziemlich gehasst hat. Ich will, dass mein Zeug zugänglich ist. Ich will nicht in Genres denken. Ich mag nicht für ein bestimmtes Zielpublikum oder eine Szene Musik machen. Wenn ­meine Musik halt nirgends sonst reinpasst. Na gut, dann nehmen wir halt Pop. Wenn ihr unbedingt Schubladen wollt, dann geh ich halt in diese Schublade.

Haben Sie Bedenken, ob der neue Stil bei Ihrem Publikum ankommt?

Das ist mir, ehrlich gesagt, ein wenig egal.

Das kann Ihnen nur egal sein, wenn Sie einen reichen Gönner haben.

Ich war am Nullpunkt. Ich ging, ver­dammt noch mal, Käse schneiden! Was habe ich zu verlieren? Nichts! Ich spielte gar mit dem Gedanken, nie wieder aufzutreten, nie wieder ein Album zu schreiben. Wenn jemand nun das, was ich mache, einen Mist findet, kann mir das nicht mehr schaden. Mit jeder Art der Kritik habe ich mich selbst schon konfrontiert: Ist das Album zu kitschig? Zu poppig? Zu intim? Es ist kitschig. Es ist poppig. Es ist intim. Nimm es oder lass es!

Sie haben auf Ihrem neuen Album Ihr Herz geöffnet. Wie kam es dazu?

Ich war auch schon verliebt, habe geschwärmt. Aber ich hatte immer eine Sicherheitszone um mich. Da habe ich niemanden hineingelassen. Ich hatte immer die Kontrolle, habe mich nie 100 Prozent hingegeben. Ich gab mich vielleicht auch dem Leben nicht 100 Prozent hin. Aber zum Fliegen gehört auch das Fallen und wieder aufstehen. So ist das Leben und so ist die Liebe.

Was oder wer hat Sie derart verletzt?

Ich konnte meine Wünsche und Ziele befriedigen und suchte nach dem nächsten Abenteuer. Einmal schnappte ich den Satz auf: «Die Liebe ist das letzte Abenteuer, das man auf dieser Welt noch erleben kann.» Ich mag Abenteuer. Also wollte ich herausfinden, was es mit dieser Liebe auf sich hat. Das Drama in den Liebesfilmen habe ich nie verstanden. Ich dachte immer, mir passiert so was nicht, ich ­bleibe bei mir. Doch dieses Mal merkte ich, die Gefühle sind ­stärker und ich kann sie nicht mehr kontrollieren.

Sie offenbaren dabei eine unerwartete Sensibilität und Verletzlichkeit.

In diesem Ausmass ist das neu für mich. Vor fünf Jahren war mir vor allem wichtig zu beweisen, dass ich rappen kann. Dieses Mal war alles anders. Ich habe so krasse Sachen erlebt: Ich musste diese Erlebnisse zu Songs machen, sonst wäre ich draufgegangen, wäre ich mit meinem Leben nicht mehr klargekommen. Musik ist mein einziges Werkzeug, um mich aus dieser emotionalen Grube zu befreien.

Das Album als existenzielle Angelegenheit? Ist das nicht etwas zu dick aufgetragen?

Für mein subjektives Empfinden war es tatsächlich existenziell. Es ging mir nicht gut. Ich merkte, ich kann diese Gefühle nicht kontrollieren. Bis anhin konnte ich jedes Mal, wenn ich mich trennte oder Liebeskummer hatte, die Situation bis zu einem gewissen Grad mitbeeinflussen. Ich bestimmte, ob ich mich einen Tag oder einen Monat im Selbstmitleid suhle oder ob ich mich aufraffe. Diese Kontrolle ist mir entglitten. Zumindest empfand ich das so. Ich war absorbiert von der Vorstellung dieses anderen Menschen, konnte mich kaum auf den Alltag konzentrieren. Ich fehlte sogar ein paar Tage auf der Arbeit.

Bestand die Gefahr, dass Sie abdriften?

Wohin?

Sagen Sie es …

… ich driftete ab in meine Fantasievorstellung. Mein Anker war mein «Tagesbrotjob». Er sorgte für fixe Zeiten, Tagesstruktur, andere Gesichter. Das verankerte mich in der Realität.

Wo haben Sie gearbeitet?

Für ein KMU, das Käse und Fleisch vertreibt. Samstags verkaufte ich auf dem Markt in Bern. Unter der Woche arbeitete ich drei Tage bei 7 Grad in Thermokleidern, schnitt, verpackte und stapelte Käse und Fleisch.

Wollen Sie als Künstlerin alt werden?

Je länger, je mehr. Eine Antwort auf diese Frage zu finden, war ein Kampf. Es gab vernünftige Leute in meinem Umfeld, die mir geraten haben, mit der Musik aufzuhören, weil man damit nicht gut verdient. Mit 20 Jahren muss man das erst mal verdauen können. Und ja, es ist so, man verdient nicht regelmässig. Zwei Jahre verdiente ich gut, dann ­kamen zwei Jahre, in denen ich nichts verdiente. In diesen Jahren stellte sich die Frage, ob ich mit den alten Songs nochmals aufspiele oder Käse schneiden gehe. Es kann durchaus bereichernd sein für die Menschen, wenn ich Käse verkaufe. Aber in der Musik bin ich doch eher zu Hause.

Hinweis
Konzerte: 10.5. Südpol Luzern; 25.5. Casino Herisau.

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