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Interview

Comedy-Duo kehrt nach Luzern zurück: «Wir lachen über das Drumherum»

Das Duo Igudesman & Joo kombiniert auf Top-Niveau Klassik mit Comedy. In «Die Rettung der Welt» entwickeln sie das mit einem Buch zum musikalischen Lebensratgeber weiter und machen aus der Komik lustigen Ernst.
Roman Kühne
Der Geiger Aleksey Igudesman und Pianist Hyung-ki Joo und der kommen mit neuem Programm zurück ins KKL Luzern. (Bild: Julia Wesely)

Der Geiger Aleksey Igudesman und Pianist Hyung-ki Joo und der kommen mit neuem Programm zurück ins KKL Luzern. (Bild: Julia Wesely)

Sie sind Geiger, Komiker und jetzt haben Sie noch das Buch «Rettet die Welt» geschrieben. Etwas viel auf einmal?

Aleksey Igudesman: Eigentlich nicht, denn all diese Dinge haben mit Kreativität zu tun. Fantasie ist für uns der Schlüsselbegriff in allem Tun. Mein Künstlerpartner, der Pianist Hyung-ki Joo, und ich glauben daran, dass wir Menschen mit unserem Einfallsreichtum die Welt verändern können.

Diese Aussage geht einem Künstler leicht von der Hand. Aber sie gilt wohl nicht für den Otto-Normalbürger?

Doch, denn die «Rettung» fängt bei ganz kleinen Themen an. Nehmen wir die Gesundheit. Lachen ist hierfür eine starke kreative Quelle. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Lachen sogar hilft, wenn es forciert wird. Ein anderes Kapitel unseres Buches beschäftigt sich mit Schlafstörungen. Hier gibt es viele Methoden, vom richtigen Essen bis hin zur Meditation, wie man diesen Knoten lösen kann. Es gibt so viele Verknüpfungen zwischen der Kreativität und einem besseren Leben, dass es einige Kapitel nicht einmal in das Buch geschafft haben. Diese kann man online nachlesen.

Gibt es denn nicht schon genügend solche «Anleitungen zum Glücklichsein»?

Wir beschreiben nicht, wie man glücklicher wird. Wir wollen nur zeigen, wie man durch kreatives Denken seinen Weg finden kann. Wir verkünden keine Heilslehre, sondern wollen ­Anstösse schaffen. So ist es z.B. wichtig, nicht einfach dem Arzt zu glauben. Man sollte selbst aktiv werden und auch im Internet nach anderen Meinungen und Lösungen suchen.

Sie bringen das Thema jetzt auch im KKL auf die Bühne. Welches sind denn im Programm «Die Rettung der Welt» die Anknüpfungspunkte zu Ihrer Musik?

Das grösste Problem auf der Welt ist die Kommunikation. Heute gibt es viele wichtige Akteure, die einander nicht mehr zuhören. Dies ist auch in der Musik ein wichtiges Thema. Es gibt das Hören von Musik und das Zuhören in der Musik. Als Musiker macht man im Idealfall das Zweite. Man spielt und antwortet gleichzeitig. Musik ist ein konstantes Reden und Zuhören. Wir analysieren dies auf der Bühne. Sie werden sehen, es ist etwas Wunderbares, wenn man dies auch im normalen Leben macht.

Ihr Duo ist bekannt dafür, dass es klassische und andere Musik mit Comedy verbindet. Wird es diesmal ernst?

Für uns existiert diese Trennung nicht. Das Thema ist ernst, aber das Buch ist sehr lustig geschrieben. Wir wollen ja die Fantasie anregen. So steht auf der ersten Seite «Dies ist eine Banane und kein Buch». Und schon sind alle am Nachdenken. Solche «Ablenkungs-Snacks» sind wichtig, gerade bei ernsten Themen. Deshalb wird es auch auf der Bühne im KKL sehr witzig.

Also keine «Lesung mit Musik»?

Wir bringen natürlich Musik, viel Musik. Gleichzeitig haben wir versucht, aus den Kapiteln eine Abfolge zu machen. Auch wird das Publikum involviert. Dies, ohne dass wir invasiv sein wollen. Wir werden aber aus der klassischen Welt ausbrechen. Es geht ja um Kreativität. Und keine Angst, niemand wird blöder aussehen als wir selbst. Unser grösster Erfolg wäre es, wenn das Publikum mitmacht oder sogar etwas für zu Hause mitnimmt, sich sagt, «dies möchte ich mal ausprobieren».

Droht dabei nicht eine Art Verulkung der Klassik?

Wir machen uns nie lustig über die Musik. Aber wir lachen genüsslich über das ganze Drumherum. Nicht hüsteln, nicht klatschen an der falschen Stelle. Sind wir mal ehrlich. Diese ­Regeln wurden alle erst im ­ 20. Jahrhundert erfunden. Bei Mozart und Beethoven wurde jederzeit geklatscht. In einem Brief an seinen Vater zeigte sich Mozart begeistert über das tolle Publikum. Er schrieb, dass er den ersten Satz noch einmal beginnen musste, weil das Publikum so sehr applaudiert hat.

Sie finden, es braucht mehr Jahrmarktstimmung am Konzert?

Dies bedeutet natürlich nicht, dass man weniger konzentriert zuhört. Aber die klassische Kultur hat viel mit Diskriminierung zu tun. Man darf nicht lachen oder klatschen. Die Zuhörer müssen lange und ruhig auf ihrem Stühlchen sitzen. Dies ist eine Diskriminierung von Reaktionen auf die Musik. Hier scheint es manchmal mehr um Disziplinierung als um Kultur zu gehen. So wird jedes Leben abgewürgt.

Ist das Publikum nicht enttäuscht, wenn es zu wenig vom exzellenten Geiger Aleksey Igudesman zu hören bekommt?

Die Musik bleibt hoffentlich exzellent (lacht)! Unser Publikum ist sehr gemischt und offen. Aber natürlich hat es immer wieder Personen, die an unsere Show kommen und ein normales Konzert erwarten. Aber wir lieben die Musik und dies zeigt sich auch auf der Bühne. So gibt es wunderschöne klassische Musik, zum Beispiel von Mendelssohn. Aber daneben spielen wir auch Eigenkompositionen. Im neuen Stück «Superheld der schlechten Ideen» reden wir ­davon, wie wichtig miese Ideen sind. Alle haben Angst davor und schieben sie weg. Dabei sind es gerade oft diese «Dummheiten», die uns plötzlich die Lösung liefern.

Hinweis: Konzert: Igudesman & Joo, Die Rettung der Welt, Freitag, 11. Oktober, 19.30 Uhr, Konzertsaal, KKL Luzern. Buch: «Rette die Welt: Wie du deine Kreativität weckst» (Verlag: edition A). www.obrassoconcerts.ch

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