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COMEDY: Marco Rima sorgt im KKL für Dauerlacher bis zum Gehtnichtmehr

«Just for Fun» zeigte der Zuger Marco Rima alte Nummern im KKL. Aber damit gab er sich nicht zufrieden und begeisterte das Publikum auch immer wieder mit Neuem. Er hat eben einige ganz grosse Stärken.
Nicht unbedingt mit feiner Klinge, aber mit hohem Rhythmus und riesiger Präsenz: Marco Rima im KKL. (Bild: Dominik Wunderli (16. September 2017))

Nicht unbedingt mit feiner Klinge, aber mit hohem Rhythmus und riesiger Präsenz: Marco Rima im KKL. (Bild: Dominik Wunderli (16. September 2017))

Ausverkauft waren beide Vorstellungen am Samstag und Sonntag. Für nächste Woche in Zürich sind nur noch einzelne Plätze frei. «Liegeplätze, ganz zuhinterst», wie der Komiker bemerkt. Seit 37 Jahren ist Marco Rima im Geschäft. Seit 37 Jahren füllt er, zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk, die Hallen.

Dabei ist es kein neues Programm, das den Luzerner Saal im KKL überquellen lässt. Nein, es sind «die besten Nummern» seiner Karriere, altes Material, teils längst auch auf Youtube zu sehen. Warum nur entwickelt Rima eine solche Magnetwirkung? Und besser: Wie tut er das?

Improvisationstalent reagiert aufs Publikum

Die Frage ist rasch beantwortet. Es sind eben nicht nur alte Hüte, die der Komiker aus seiner Tasche zieht. Der helvetische Chronograf ist mehr eine «Smartwatch» denn identisch kopierende Mechanik. Rima ist ein Improvisator erster Güte. Von der ersten Minute an reagiert er auf das Publikum und dessen Reaktionen.

Schon seine Einleitungsnummer ist ein Feuer an Ideen und Sprüchen. Er schweift so weit ab, dass er den Faden verliert, muss nochmals von vorne beginnen. Aber er trägt dies alles mit so viel Charme und Selbstironie vor, dass es wie aus einem Guss wirkt. Als ein Zuschauer nach einem Sprutz Wasser ins Publikum den Schirm aufspannt, nimmt Rima diese Szene später wieder auf, baut sie spontan ins Programm ein. Es ist mehr Stand-up-Comedy denn ein durchgeplantes Bühnenwerk. Immer wieder muss der Künstler selber lachen, so, wenn seine Figur sich für nach dem Tod die «Rekanalisation» wünscht. Schnallt mal das Publikum ein Wortspiel nicht auf Anhieb, nimmt er auch dies sofort auf.

So zeigt sich beispielsweise Zuschauer Toni Wissen, 47, begeistert: «Wenn man bei anderen ­Komikern das Programm einmal gesehen hat, kennt man es. Bei Rima ist es immer wieder anders.» Nach fünf Minuten hat er das Publikum im Griff, kann mit ihm machen, was er will. Vor allem nach der Pause sind viele Zuschauer in einer Dauertrance, das Gelächter mag nicht mehr enden.

Denn dies ist ein weiterer Punkt seines Erfolges: Marco Rima hat ein exzellentes Gespür für Rhythmus. So mixt er schnelle Gags mit ruhigeren Musiknummern. Oder er erzählt aus seinem Leben, den Anfängen seiner Karriere, um dann gleich in die Rolle des verrückten, medikamentengeschädigten Pillendoktors zu steigen. Das Tempo ist hoch. Zeit zum Verschnaufen gibt es wenig. Das Zwerchfell wird praktisch im Sekundentakt gefordert.

Sicher, die feinen Zwischentöne sind seine Sache nicht. Viele Witze sind derb, ja unter der Gürtellinie, die Sprache teilweise grob, die Gesten überdeutlich. Doch auch hier konterkariert er dies gekonnt mit Texten aus der Klassik, wie etwa in seinem Dauerbrenner «Der Erlkönig» von Goethe.

Der Star von nebenan

Ein letzter – und wohl der wichtigste Punkt – im Erfolgspuzzle Marco Rima ist seine Präsenz. ­Allein auf der grossen Bühne, füllt er den Saal problemlos aus. Damit ist jetzt nicht seine ­«ho­rizontale Herausforderung» ­gemeint, so Rima über seinen Bauchansatz. Mit lauter Stimme, grosser Mimik, intensivem Augenkontakt und viel schauspielerischem Talent gibt er die Zügel keine ­Sekunde aus der Hand.

Er ist das, was man etwas derb als «Rampensau» bezeichnet. Und doch bleibt er fassbar. Dies ist wohl die ultimative Kunst, die Marco Rima an diesem Abend rüberbringt. Der bekannteste Schweizer Komiker ist trotz seiner vielen TV-Auftritte vor allem in Deutschland der Star zum Anfassen geblieben, der Kumpel von nebenan. So gibt es am Ende des Abends kaum jemanden, der trockenen Auges den Saal verlässt. Tränen, die natürlich nur dem Lachen geschuldet sind.

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

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