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COMEDY NIGHT: «Echte Komiker gegen Fake News»

Wenn ein Clown auftritt, dann gibt es was zu lachen. Wenn es dann gleich sechs Komödianten sind, sollten sich eigentlich die Balken biegen. Im KKL in Luzern war dies allerdings eher im zweiten Teil der Fall.
Roman Kühne
Comedy im KKL: Johnny Burn witzelte über sein Leben zwischen Südostasien und Südostmalters. (Bild: Philipp Schmidli (5. Mai 2018))

Comedy im KKL: Johnny Burn witzelte über sein Leben zwischen Südostasien und Südostmalters. (Bild: Philipp Schmidli (5. Mai 2018))

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Alleine einen ganzen Bühnenabend zu bestreiten, gehört wohl zum Schwierigsten, was man sich vornehmen kann. Und dies gilt in besonderem Masse für Spassmacher. Sie stellen nicht nur etwas dar, sondern sollten auch noch konstant lustig sein.

Stehen gleich sechs von ihnen auf der Bühne, verteilt sich zwar die Last, dafür kommt der direkte Vergleich hinzu. Sicher, die Radio-Pilatus-Comedy-Night vom Samstag, quasi das Finale der acht Abende umfassenden Serie, ist kein Wettbewerb. Doch das Auf und Ab der Lacher gibt den Künstlern eine direkte Rückmeldung.

Schwache Pointen werden gleich gestrichen

Damit kann man sogar arbeiten. Joël von Mutzenbecher etwa hat neben sich ein Blatt liegen und streicht umgehend jene Scherze durch, die beim Publikum nicht ankommen. Eine hervorragende Art, um aus schlechten Pointen doch noch Kapital zu schlagen. Der Basler Unterhalter ist mittlerweile recht erfolgreich und tritt auch im deutschen Fernsehen auf («Quatsch Comedy Club»). An dem Abend wirkt er im Vergleich teils langatmig, braucht seine Zeit, bis er zu den Höhepunkten kommt, wie etwa bei der Verulkung von «079», dem designierten Sommerhit des Duos Lo & Leduc. Witzig ist der Vergleich zwischen DJ Bobo und Vujo, weniger gelungen sein Gegrunze über «Super Mario» beim Sex.

Überhaupt fällt auf, dass die Komiker verschiedentlich in tieferen Schubladen wühlen. Da ist von Furzen und Deftigerem die Rede. Auch der zweite Akteur, Javier Garcia, setzt auf diese Instinkte. Das kann deftig-witzig sein: «Ich war nie der Hübscheste, meine Mutter hat mir sogar mal den Nuggi aus Versehen in den Hintern geschoben.» Aber wenn er mit viel sexuellem Ächzen Julio Iglesias nachäfft, ist dies eher peinlich. Zwar spielt er gekonnt mit den Worten («Als Embryo hatte ich Angst, war als Mann gefangen in einem Frauenkörper»), aber insgesamt bleibt auch mit ihm die erste Hälfte dieses Abends eher auf der harm­losen Seite, ist ein roter Faden nur selten zu erkennen. Aktuelle Themen werden kaum aufgegriffen.

Würzige Moderation von Sergio Sardella

Zum Glück gibt es auch Sergio Sardella, der als verbindendes Glied durch die Szenen führt. Seine einnehmende Präsenz und seine sonore Stimme geben auch der normalsten Erzählung lustige Würze. Zwar hat auch er den einen oder anderen Proletenwitz auf Lager. Doch stellt er seine Moderation unter den weiten Bogen der Fake News, holt immerhin im Kleinen die aktuelle Welt auf die Bühne. Ob er über die Bachelo­rette spricht («Niemand möchte bei ihr innere Werte sehen, und wer 3+ schaut, schon gar nicht») oder über Trump («der mit der Katze auf dem Kopf»), immer hat er die Lacher auf seiner Seite. Und sein ständiges «Hör au uf!» ist bei einem Teil des Publikums Kult.

Der Luzerner Saal des KKL hat ebenfalls seine Tücken. Für eine Comedy-Nacht ist er schon fast zu gross. Denn Gags und Darstellung leben auch von der Nähe des Publikums zu den Protagonisten. Rollende Augen, schamhafte Antlitze und verzogene Mundwinkel machen des Narren Wirken erst lebendig und zielsicher. Wie man in der Pause hört, ist die Sichtbarkeit in den hintersten Rängen zu schlecht, um gewissen Slapstickereien zu folgen. Wenn Joël von Mutzenbecher den ehemaligen Bachelor Vujo nachäfft, so lange die Luft anhält, bis er einen roten Kopf bekommt, so ist dies im oberen Teil der Bühne nicht wahrnehmbar.

Die Show bietet eine Steigerung nach der Pause, der politischer, aktueller, bissiger wird. Johnny Burn spielt mit seiner asiatischen Herkunft («Mein Nachname kommt von meiner Hautfarbe»). Pointiert witzelt er über sein Leben zwischen Südostasien und Südostmalters. Gerne nimmt er auch die eigene Rasse aufs Korn: «Ich kann die Asiaten auch nicht auseinanderhalten. Kürzlich war ich am falschen Familienfest und habe mich noch gewundert, warum meine Tante so sexy ist.»

Aus Twitter-Nachricht wird internationale Krise

Auch Anet Corti, die einzige Frau der Runde, spricht Aktuelles an. Sie zeigt auf, welch Schaden die sich schnell drehende Medienwelt, der konstante Übertreibungshype anrichten kann. Was als eine harmlose Twitter-Nachricht beginnt, artet rasch in eine internationale Krise aus. Diese Nummer hat sie schon länger im Programm, zeigte sie bereits 2013 in der TV-Show «Giacobbo/Müller». Das folgende Video über den neuen iMan 10 ist etwas langatmig, bringt einen Bruch ins schöne Live-Erlebnis.

Marc Haller alias Erwin aus der Schweiz ist der wohl beste Schauspieler der Runde. Als Schlussakteur überzeugt er mit seinem Mix aus Zauberei, Komik und Wortklaubereien («Sprenggläubiger mit Detonationshintergrund»). Es ist ein vergnüglicher Abend, oder wie es der Moderator Sardella ausdrückte: «Echte Komiker gegen Fake News!»

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