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COMEDY: Reto Wyss unter Beschuss bei «Gute Nacht Show» von Michael Elsener

Seine erste Luzerner «Gute Nacht Show» hat Kabarettist Michael Elsener gut über die Bühne gebracht. Aber mit Regierungsrat Reto Wyss ging er nicht ins Bett.
Pirmin Bossart
Reto Wyss auf dem Bett, Michael Elsener hinter dem Pult. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 2. Mai 2018))

Reto Wyss auf dem Bett, Michael Elsener hinter dem Pult. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 2. Mai 2018))

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Michael Elsener zeigte seine Entertainer-Qualitäten schon beim Vorspiel, als es darum ging, das Publikum für die Show anzuheizen und den Applaus einzuüben. Schliesslich wurde alles gleich aufgezeichnet, damit es wieder Futter gibt für die Social-Media-Kanäle von Elsener, die er eifrig bewirtschaftet.

Der Shootingstar unter den Schweizer Kabarettisten wirkte locker und schlagfertig. Er war ein bisschen frech und blieb dennoch anständig. Er ging forsch ran, aber machte nicht auf K. o. Er übte sich im intimen Interview, aber wirkte schon wie ein Profi. Eigentlich überdurchschnittlich für Schweizer Verhältnisse. Das ist schon viel im hiesigen Trauerland der Comedy.

Mit Wein und Wasser bewirtet

Unser «Sparbildungskulturminister», wie Elsener Regierungsrat Reto Wyss nannte, kam sehr glimpflich davon. Er und Rundschau-Moderator Sandro Brotz waren eingeladen, auf der Bettkante Platz zu nehmen, um von Elsener ausgefragt und dabei nett mit Wasser und Wein bewirtet zu werden.

Wyss war nach der Pause an der Reihe, da schritt er auf die Bühne, gross gewachsen und guter Dinge. Die statistischen Zahlen, die er zur Relativierung der Sparmassnahmen im Hinterkopf mittrug, konnte er nicht wirklich ausspielen. Sie wirkten in einem solchen Show-Talk eigentlich ohnehin wie die Grütze im prickelnden Sorbet.

«Das ist natürlich so», pflegte Wyss gelegentlich auf Elseners Einwürfe zum rigorosen Spartrip in Kultur und Bildung zu antworten. Um dann anzufügen: «Aber wir haben auch ein paar gute Sachen gemacht.» Als es um die Verwendung der 2500 Franken aus der protestierenden Kulturszene ging, die mit den Trauerkarten bei Wyss eingingen, fasste Elsener den Sach­verhalt blitzschnell und pointiert zusammen: «Die Kunstschaffenden haben dir also ein Kunstwerk finanziert, das du in dein Departement gestellt hast.»

Viel weiter gedieh der Spardiskurs an diesem Abend nicht. Nicht einmal die Frage, was er, Reto, der frühere Tiefbauzeichner und Bauingenieur, denn eigentlich mit Kultur am Hut habe, wollte etwas Träfes oder Entlarvendes auslösen. Aber Elsener hatte nicht im Sinne, den geplagten Kulturminister allzu sehr mit diesem Thema zu malträtieren. Er fiel ihm auch etwas oft ins Wort. Vielleicht wollte er die antizipierte Leere überbrücken.

Also wechselte Elsener zum Thema Herrgottskanoniere Luzern, bei deren Bruderschaft Wyss ein Aktivmitglied ist. «Du bist also dabei, wenn die Herrgottskanoniere im Namen von Jesus an Fronleichnam auf die Stadt hinunterböllern?», bilanzierte Elsener den Sachverhalt. Wyss nickte zuversichtlich. Er ist ja kein Theologe.

In der Schlussrunde ging es darum, ein paar zerfetzte Zitate zu erkennen, was der Kulturminister Wyss einigermassen bravourös hinter sich brachte. Nur bei Shakespeare musste er passen. «Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage.» Dann übernahmen die beiden glitzernden Frauen des Zürcher Duos Eclecta mit verspielten Pop-Pastillen und leiteten zum letzten Teil der Show über: ab unter die Bett­decke.

Der «Rundschau»-Moderator Sandro Brotz hatte als Gast auf der Bettkante den ersten Teil des Abends bestritten. Die beiden unterhielten sich gut und geistreich, Elsener zückte schnelle Fragen, Brotz gab ihm gelassen und trocken zurück. Das Gespräch floss, die Pointen spickten unaufgesetzt, und irgendwie lernte man in dieser Runde den «harten Hund», als der Interviewer Brotz bekannt ist, von einer ruhigeren und auch milde sarkastischen Seite kennen.

Ins Bett mit dem ­«Rundschau»-Moderator

Von diesem angeregten Talk war es dann ein kurzer Weg zum «Bauchgefühl», mit dem sich Elsener entschied, Brotz und nicht Wyss zum «Bettgspänli» zu erküren. Da waren sie also zusammen im Bett , Elsener und Brotz, mitten auf der Bühne, mehr sitzend als liegend, die Bettdecke aber lässig über den Beinen, und führten ihren lockeren Intim-Small-Talk weiter.

Ein nettes Männergespräch irgendwo zwischen Saloppheit und Coolness, das fast wie ein Udo-Jürgens-Song wirkte: Mehr kam da aber nicht mehr zu Stande. «Gute Nacht Show», du warst trotzdem besser, als wir es erwarten durften. Oder vielleicht ehrlicher. Besser als wir im Vorfeld befürchtet hatten.

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