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COMIC: «Jane Deuxard» – Kopfüber ins schwarze Loch namens Iran

«Jane Deuxard» reisten in den Iran, um Jugendliche nach ihrer Situation zu befragen. Der Comic, der mit Deloupy entstand, gibt mit einer drängenden Mischung aus Trauer und Wut eine deprimierende Antwort.
Valeria Heintges
Illustrator Zac Deloupy findet für die Schilderungen beklemmende Bilder. (Bild: Splitter-Verlag)

Illustrator Zac Deloupy findet für die Schilderungen beklemmende Bilder. (Bild: Splitter-Verlag)

Valeria Heintges
kultur@luzernerzeitung.ch

«Jane Deuxard» nennt sich das französische Journalistenpärchen, das seit Jahren in den Iran reist. Ein Mann, eine Frau, die sich hinter einem Pseudonym verstecken, um sich nicht selbst zu gefährden. Und auch ihre Gesprächspartner nicht. Die sind jung, zwischen 20 und 30 Jahre alt, und sie leben im Iran. «Das Leben der Jugend im Iran ist hart. Die Leute, denen das klar ist, sind traurig und deprimiert. Nur die Blinden sind hier glücklich.» Das sind die fast letzten Sätze im Comic «Liebe auf Iranisch», die Jane Deuxard geschrieben und recherchiert haben und Zac Deloupy gezeichnet hat.

Eine Lektüre, die unter die Haut geht, so dicht geschrieben, so nah sind Jane Deuxard ihren Gesprächspartnern gekommen. Ja, sie reden mit ihnen über Politik. Auch von dieser Seite kommt keine Hoffnung. «Mehr als 80 Tote, Tausende Festgenommene, die noch heute im Gefängnis sitzen, Hunderte Aktivisten, die ins Ausland flohen...», sagt der 26-jährige Vahid über die grünen Demonstrationen 2009, «glaubt mir, heute gibt es fast keinerlei Bewegung mehr.» Auch die, die sich moderat nennen, seien es nicht, nur die Mullahs würden entscheiden, auch der aktuelle Präsident Rohani sei einer, und unter seiner Regentschaft habe sich nichts geändert.

Eine ganze Gesellschaft wacht darüber

Vahid weiss, wovon er spricht: Er kam zweimal in Haft, wurde gefoltert, entkam nur wegen guter Beziehungen. Vor diesem Hintergrund wird die private Tragödie nur noch grässlicher. Denn jung sein, das bedeutet doch auch zu feiern, sich zu verlieben, sich zu entlieben, den richtigen Partner zu suchen. Aber ein Paar, das nicht verheiratet oder verwandt ist, darf nicht miteinander sprechen. Und eine ganze Gesellschaft wacht darüber. Gila, gleich die erste, die Jane Deuxard interviewen, berichtet, wie eine Fete von der Polizei gesprengt wurde. Nur weil sie Kopftuch trug und nicht getrunken hatte, entging sie den Jungfräulichkeitstests. «Die anderen Mädchen kamen dreimal vor Gericht. Ich habe nichts mehr von ihnen gehört. Ich weiss nur, dass eine von ihnen nach dieser Fete depressiv wurde», erzählt die 26-jährige Teheranerin. Seither meidet sie jede Fete und kann nur dank ihres liberalen Vaters und einiger Tricks die Hoffnung haben, den Mann, den sie liebt, heiraten zu dürfen. Ihre Mutter weiss davon nichts, bringt vielmehr immer neue Heiratskandidaten ins Haus, die Gila begutachten soll. Zac Deloupy zeichnet Gila inmitten einer neunköpfigen Schlangenmutter, die die Tochter bedrängt, ihr Vorwürfe macht, sie ausfragt.

Sie werden einander nie wiedersehen

Ideen wie diese hat der Illustrator zuhauf; souverän entgeht er so der Gefahr, die Interviewpartner und Jane Deuxard, die auch im Comic anwesend sind, als «Talking Heads» zeichnen zu müssen. Da wird die Tochter zur Marionette in den Händen der übermächtigen Mutter oder springt vor Verzweiflung kopfüber in ein schwarzes Loch. Einer Demonstrantin, die den Mut verloren hat, zieht eine Hand den Mund als Reissverschluss zu, flüchtende Jugendliche verspeist ein übermächtiger Mullah genüsslich von einem Teller, Menschen verfangen sich in Spinnennetzen oder werden von Spitzeln mit einem alles sehenden Auge überwacht. Dazu harte Konturen, klare Linien und Farben, alles grau und braun, ein grüngrau, ein rotgrau, blaugrau und braungelb.

Am Ende verlassen Jane Deuxard im Flieger das Land und lassen ihre Gesprächspartner zurück. Um sie zu schützen, haben die beiden Journalisten keine Adressen ausgetauscht. Sie werden sie nie wiedersehen.

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