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COMIC: «Offensiv, informativ, explosiv»

Dem Luzerner Ampel-Magazin ist eine kluge Auseinandersetzung mit dem Medium Tageszeitung gelungen. Man kann «Die Neue Sequenzielle» ohne schlechtes Gewissen auch wegen der Bilder kaufen.
Julia Stephan
Die Wetterprognose ist in der «Neuen Sequenziellen» zuverlässig unzuverlässig. Zeichnung von Anja Wicki. (Bild: Anja Wicki/«Ampel Magazin»/PD)

Die Wetterprognose ist in der «Neuen Sequenziellen» zuverlässig unzuverlässig. Zeichnung von Anja Wicki. (Bild: Anja Wicki/«Ampel Magazin»/PD)

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Illustration, Comic und Tageszeitungen waren auf dem Zeitstrahl der Mediengeschichte auch mal ein Team – zumindest sequenziell. Im 19. Jahrhundert wurden Comics im angelsächsischen Raum in Zeitungen sogar ganzseitig abgedruckt. Doch dann kam die Fotografie und drückte Illustrationen und Comics unbarmherzig in die Nebenspalten.

Weil das Team vom Luzerner Ampel-Comicmagazin gerne altmodisch ist, experimentiert es am liebsten mit Medien, die in den Augen von Zeitgenossen längst uncool sind. Die gedruckte Tageszeitung läge, wenn Rufmord töten könnte, ja nicht nur im Sterben, wie allenthalben behauptet wird. Sie wäre längst tot.

Das Ampel-Magazin Nr. 16 heisst deshalb «Die Neue Sequenzielle». Ihr Titel in Frakturschrift weist auf ein bekanntes Medium aus Zürich und reflektiert die Erzählweise von Zeitungen über das Medium Comic. Das funktioniert gut, denn Comic wie Zeitung leben von Extremen. Sie leben von der Verkürzung, von der Zuspitzung. Sie lieben Folgegeschichten und wildern sowohl im unter­haltsamen wie auch im kritischen Gebiet. Oder beides zugleich.

Jenseitsferien und zweifache Tode

Die 26 Zeichner, darunter das Ampel-Kernteam Anja Wicki, Andreas Kiener und Luca Bartulovic, haben sich liebevoll jedem Ressort und jedem Zeitungs­gefäss zugewandt. Von der Werbung, die tiefschwarz für Jenseitsferien wirbt, bis zu den Traueranzeigen, in denen Mustafa Kemal Atatürk beim Grabumdrehen einen zweiten Tod stirbt, ist alles dabei. Das Nichtereignis wird gefeiert mit der Geburt eines Lamms, das auf acht Bildern treudoof in die Kamera lächelt, ohne dass mehr passieren würde. Und das publikumsferne Feuilleton bekommt mit der unterhaltsamen Episode «Der Untergang des Abendbrotes» den Spiegel vorgehalten. Dort erleidet ein schwimmendes Brot Bugseite und kracht gegen einen Vollpfosten. Der sitzt vorm Fernsehen und zappt gelangweilt weg.

Während sich das Trump-Baby beim Buddeln am Strand selbst einmauert, posiert Türkeis Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in einer Sequenz von Martina Walther mit seinem modischen Markenzeichen Karomuster, das Walther, streng interpretiert, zum Gitter werden lässt. Mit den Händen in den Hüften posiert er vor freier Kulisse. Seine Bevölkerung hat er erfolgreich weggesperrt.

Wem das alles zu verkopft ist, der konzentriere sich auf die Rätselseiten und auf die Wetterprognose. Letztere ist in der «Neuen Sequenziellen» zuverlässig unzuverlässig.

Hinweis

«Die Neue Sequenzielle»: Das Ampel-Magazin Nr. 16 kann man online bestellen auf der Seite: www.ampelmagazin.ch

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